Sachverständiger zu den Übertragungswegen bei der Afrikanischen Schweinepest

ASP: Klammheimlich auf zwei Beinen

Jens Bülthuis hielt in der Vergangenheit als Experte viele Vorträge zur ASP, hier in Neuenkirchen.
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Jens Bülthuis hielt in der Vergangenheit als Experte viele Vorträge zur ASP, hier in Neuenkirchen.

Heidekreis – Der Bürgermeister von Bispingen, Jens Bülthuis (parteilos), war früher als Kreisveterinär im Landkreis Rotenburg tätig, ist aber weiterhin noch Mitglied der Niedersächsischen Sachverständigengruppe zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Daher gab er dieser Zeitung fundierte Antworten auf Fragestellungen bezüglich der Ausbreitung der ASP, nachdem nun mit den vielen Fällen von ASP beim Schwarzwild in Brandenburg die Tierseuche in Deutschland angekommen ist.

„Auf natürlichem Wege verbreitet sich die ASP relativ langsam. Da reden wir nach meinen Erkenntnissen von 10 bis 15 Kilometern im Jahr“, so Bülthuis. Damit ist die Übertragung von Wildschwein auf Wildschwein gemeint. Allerdings bestätigte Bülthuis, dass bei den Brandenburger Fällen ein Wildschwein ebenfalls infiziert war, das rund 50 Kilometer vom ersten Fundort entfernt gewesen sei. Denn Ausnahmefälle können sogenannte Überlaufkeiler sein, die im gesunden Zustand durch mehrere Reviere laufen. Jedoch sei dies im infizierten Zustand des Keilers sehr unwahrscheinlich, weil das Tier dann relativ schnell schlapp mache. „Der Virus wirkt sehr schnell“, so Bülthuis. Auch deswegen sei der Kadaver eines an ASP-erlegenen Wildschweines eine große Gefahr für die Übertragung auf weitere Artgenossen. „Deswegen muss ein Kadaver im Wald sofort den Behörden gemeldet werden, notfalls über die Rufnummer 112“, forderte der Verterinär eindrücklich. Wildschwein fresse kein Wildschwein, aber die Artgenossen würden nach dem Ableben dennoch von den Tieren untersucht, was zur Ansteckung schon reichen würde.

Er habe großes Vertrauen in die Behörden vor Ort in Brandenburg, die innerhalb weniger Tage 50 Kilometer leichten Zaun um die erste Sperrzone verlegt hätten. „Natürlich muss um die Sperrzone auch noch ein fester Zaun gebaut werden, damit kein Schwarzwild mehr heraus kommt. Das steht vollkommen außer Frage“, sagte er. Auch an der Grenze zum Nachbarland Polen müsse unbedingt ein fester Schutzzaun kommen. Die Pläne für den ASP-Ernstfall sehen anschließend eine intensive Bejagung in der Sperrzone vor, weil potentiell jedes Schwarzwild innerhalb als Infektionsrisiko betrachtet werde.

Maßgeblich sei die bundesweit geltende ASP-Verordnung, die von den lokalen Behörden und dem Land umgesetzt werden müsse. In Niedersachsen sei man mit der Sachverständigengruppe, die seit 2014 besteht, ein Vorreiter gewesen. Angesichts der 1 300 Schweinemastbetriebe im Land allerdings auch keine große Überraschung. Offiziell sei die Gruppe nach Artikel 15 der Richtlinie 2002/60/EG (Plan zur Tilgung der ASP bei Wildschweinen in Niedersachsen) eingesetzt worden.

Die Umsetzung in anderen Bundesländern sei nicht einheitlich und daher nicht überall so weit, wie hierzulande. Bülthuis wurde für die Landesjägerschaft in die Sachverständigengruppe berufen, da er auch Vorsitzender der Jägerschaft Soltau zusätzlich zu der tierärztlichen Expertise ist.

Falls in Niedersachsen der Ernstfall eintreten sollte sei das Gremium aber nur beratend für die Behörden vor Ort tätig ohne Weisungsrecht. „Die Entscheidungen, wo Sperrzonen eingerichtet werden, liegt bei den Veterinären der Landkreise“, so Bülthuis. Deswegen sei der Austausch zwischen den lokalen Entscheidungsträgern und dem Expertengremium so wichtig. Immerhin gehe es in den festzulegenden Sperrzonen um die Keulung von wertvollen Tierbeständen für die Betriebe.

„Die Betriebe selber könnten durch die feste Umzäunung ihrer Mastställe für mehr Sicherheit hinsichtlich der Ausbreitung von APS sorgen, was sie laut Hygnienerichtlinie auch müssen.“ Schließlich seien die Wildtiere ständig auf Futtersuche und riechen die Futtermittel für die Mast. „Da hat auch der Zaun absolut seine Berechtigung“, sagte der Jäger. Weiter seien die sieben Abgabestationen für die Aufbrüche der Jäger im Heidekreis sehr wichtig.

Allerdings sieht Bülthuis immer noch die größte Gefahr in der weggeworfenen Wurstsemmel, die den sehr robusten Virus in sich trägt. Der Erreger könne sogar monatelang tiefgefroren im Fleisch sozusagen überwintern. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die ASP auf zwei Beinen oder auf Rädern schnell zu uns kommt, ist leider immer noch viel höher. als jene durch Wildschweine“, schätze Bülthuis ein. lee

Von Henning Leeske

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