Berufungsverhandlung am Landgericht

„Penner“: 74-Jähriger muss 3000 Euro wegen Beleidigung zahlen

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Bad Fallingbostel/Verden - Wichtigtuer gehöre nicht zu seinem Wortschatz, aber als Penner habe er die Polizeibeamten bezeichnet, räumte ein 74 Jahre alter Angeklagter aus Bad Fallingbostel in einer Berufungsverhandlung am Landgericht Verden ein. Dort wurde eine vom Amtsgericht Walsrode verhängte Geldstrafe wegen Beleidigung von 5200 Euro auf 3000 Euro reduziert.

Der 74-Jährige hatte im vergangenen November mit seinem Auto auf dem Fußweg vor einem Friseursalon in Fallingbostel geparkt. Darauf war er von einem Mann angesprochen worden, der dort seinen auf Gehhilfen angewiesenen Vater begleitet hatte. Laut dem Walsroder Urteil erwiderte der Angeklagte dem Zeugen, was sich dieser einbilde, ihn anzusprechen. Er parke, wo er wolle. Dann war der Angeklagte in den Salon gegangen, wo ihn kurz darauf zwei Polizeibeamte aufgesucht hatten.

Was dann passierte, wurde im ersten Prozess im März 2018 offenbar sehr unterschiedlich geschildert. In zweiter Instanz wurden die Zeugen nicht mehr gehört, aber das erstinstanzliche Urteil verlesen, in dem der Angeklagte als „völlig uneinsichtig und unkooperativ“ bezeichnet wurde.

„Ich habe falsch geparkt, das akzeptiere ich“, erklärte der Angeklagte in Verden und bezichtige die Beamten hinsichtlich deren Aussagen in erster Instanz der Lüge. „Die Tante war gerade fertig mit meinen Haaren, da sind die reingestürmt. Ich dachte an einen Banküberfall“, schilderte der Angeklagte. Die Uniformierten hätten nicht mal gegrüßt. „Auch ein Polizist muss guten Tag oder guten Morgen sagen“, erklärte der am Ende wegen Beleidigung verurteilte Mann die Benimmregeln.

„Vor 30 Jahren hätte ich ihm in die Fresse gehauen“

Wiederholt demonstrierte er, wie sich einer der Beamten mit ausgebreiteten Armen vor die Tür gestellt und ihm den Weg versperrt habe. Nur deshalb habe er gesagt: „Mit welchen Pennern habe ich es zu tun.“ „Ich bin mir vorgekommen wie ein Schwerverbrecher. Was hätte ich sonst machen sollen?“, fragte der Unternehmer immer wieder und merkte an: „Vor 30 Jahren hätte ich ihm in die Fresse gehauen.“

Die vom Amtsgericht festgelegten 60 Euro wegen falschen Parkens akzeptierte er. Weil der gelernte Metzger in erster Instanz keine Angaben zum Einkommen machen wollte, war dieses geschätzt worden. In Verden nannte er Zahlen. Die Tagessatzhöhe wurde von 130 auf 120 Euro korrigiert. Die Anzahl der Tagessätze wurde von 40 auf 25 reduziert, weil der Angeklagte im Kerngeschehen von Beginn an geständig gewesen sei und nicht vorbestraft war. Außerdem handele es sich um eine Beleidigung in zwei rechtlich zusammentreffenden Fällen.

wb

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