Geldanlage

Wenn das Sparen kostet: Banken kassieren mit Strafzinsen mächtig ab

Strafzinsen? Das war bislang bloß was für Reiche. Doch immer mehr Banken kassieren nun bei kleinen Vermögen ab. Das sollten Sie bei ihrer Geldanlage beachten.

Hamburg – Achtung Sparer, aufgepasst: Ob bei Giro- oder Tagesgeldkonten – viele Banken senken die Freibeträge und erheben Strafzinsen auch schon bei kleinen Summen. Verbraucherschützer schlagen deshalb jetzt Alarm. Denn bei vielen Privatkunden führt die Erhebung der Negativzinsen zu Verunsicherung. „Sie stehen der Situation oft hilflos gegenüber, fühlen sich von den Banken unter Druck gesetzt“, kritisiert Sandra Klug, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg, in einem Gespräch mit dem „Hamburger Abendblatt“.

Art des Verwahrgeldes:Negativzinsen
Höhe des Strafzins:0,5 Prozent
Erste Erhebung einer Bank für Privatkunden:Volksbank Reutlingen (im Jahr 2017)

Bislang traf das Problem vor allem Reiche mit großen Vermögen. Kassierten die Geldhäuser in der Vergangenheit vor allem ein sogenanntes Verwahrgeld von 0,5 Prozent ab einer Summe ab 100.000 Euro oder sogar manchmal erst ab 500.000 Euro, wurde die Grenze für einen Freibetrag zuletzt immer weiter heruntergeschraubt. Mittlerweile müssen Sparer bei einigen Banken sogar schon ab 25.000 Euro die Strafzinsen abdrücken.

Negativzinsen für Giro- und Tagesgeldkonto: Banken kassieren ab – Freigrenze fällt auf 50.0000 Euro

„Aktuell kommen nahezu täglich weitere Banken hinzu“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer des Finanzvergleichsportals Verivox, der Deutschen Presseagentur (dpa). Seinen Angaben zufolge verlangen bereits mehr als 300 Banken und Sparkassen die Negativzinsen von ihren Kunden. Dabei ist eine deutliche Zunahme zu beobachten: Allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 führten mehr als 100 Institute die Gebühr ein.

Die Freigrenze für Negativzinsen sinkt: Viele Banken kassieren bereits ab 50.000 Euro bei Sparern ab.

Auch im Norden schlagen die Geldhäuser zu. So drückte die Hamburger Sparkasse bereits zum 1. Mai 2021 die Schwelle von zuvor 500.000 Euro auf nur noch 50.000 Euro, die Comdirect halbiert den Freibetrag zum 1. Juli auf ebenfalls 50.000 Euro. Die Sparda Bank Hannover will ab 1. Juli 2021 ebenso nachziehen wie die Commerzbank zum 1. August 2021. Und auch die Postbank senkte in Niedersachsen bereits die Grenze ab.

Strafzinsen: Deutsche gelten als Sparer – doch das Geldbunkern wird zum Minusgeschäft

Damit treffen die Negativzinsen immer mehr Sparer. Denn in den vergangenen eineinhalb Jahren legten viele Deutsche verstärkt ihr Geld zurück. Verivox-Fachmann Maier führt dies auch auf die Corona-Pandemie zurück. Statt Geld auszugeben wären viele Bankkunden dazu übergegangen, es lieber auf die hohe Kante zu legen. Das belegen auch die Zahlen: So stieg die Sparquote in Deutschland im vergangenen Jahr auf das Rekordhoch von 16,3 Prozent*. Von 100 Euro verfügbarem Einkommen legten die Haushalte im Durchschnitt gut 16 Euro auf die sichere Seite.

Doch für viele Deutsche wird dieses Vorgehen zu einem Minusgeschäft, je mehr Banken bei den Negativzinsen kassieren. Der Hintergrund ist: Seit der Finanzkrise von 2009 können sich die Banken das benötigte Geld für die Kreditvergabe bei der Europäischen Zentralbank leihen. Allerdings müssen sie auf diese Einlagen selber einen Strafzins von 0,5 Prozent zahlen. Und diese Kosten geben die Geldinstitute dann direkt an die Kunden weiter, obwohl sie die Belastungen ganz gut kompensieren können*.

Negativzinsen: Was können Sparer und Verbraucher jetzt tun?

Doch was kann man tun? Die Banken selber raten ihren Kunden zu einer Umverteilung des Vermögens in Wertpapiere. Allerdings rufen Verbraucherschützer dazu auf, genau hinzuschauen*. Denn die Geldhäuser bewerben vor allem ihre eigenen Finanzprodukte. Wer sein Geld lieber sicher anlegen wolle, für den kämen weiterhin Sparbriefe und Festgelder infrage, sagte Sandra Klug kürzlich dem NDR.

Aus Sicht der Hamburger Verbraucherschutzexpertin ist es dabei durchaus ratsam sich auch Angebote bei anderen Anbietern als der Hausbank einzuholen. Eine andere Möglichkeit könnte es auch sein, sich bei anderen Banken kostenlose Konten zuzulegen und das Geld zu verteilen. Wichtig ist laut Klug vor allem eines: Sich zu informieren und sich zu kümmern. Denn nichts tun, so die Expertin, könnte am Ende teuer werden. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa/picture alliance

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