Syker Musiker Roy Peter geht Heinrich Brinkmann im Museum auf den Leim

Zwei Strohzöpfe für die „Fiedel“

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Museumsvereinsvorsitzender Heinrich Brinkmann (l.) zeigt dem Syker Musiker Roy Peter zwei Strohzöpfe, die in einer „Strohfiedel“ für die akustische Dämpfung sorgen. ·

Twistringen - Von Heiner BüntemeyerRoy Peter wurde sofort neugierig: Als Heinrich Brinkmann vom Twistringer Museum der Strohverarbeitung ihn fragte, ob er sich nicht mal eine „Strohfiedel“ anschauen möchte, ging ihm der  Syker Musiker, der dort im Rahmen der Beatles-Ausstellung „50 Jahre Strohberry Fields“ musizierte, direkt auf den Leim.

„Strohfiedel?“ – Ein solches Musikinstrument hatte der erfahrene Musiker noch nie gesehen. Neugierig folgte er dem Vorsitzenden des Trägervereins in den Fundus des Museums. Dort nahm Brinkmann zwei Strohzöpfe in die Hand, die völlig unmusikalisch aussahen.

Aber auf einer kleinen Abbildung konnte man erkennen, dass diese Strohzöpfe zumindest doch ein Teil eines Musikinstrumentes sind. Sie gehören zur „Holzharmonika“, die in Tirol auch als „Hölzernes Glachter“ bekannt ist und dort noch gespielt wird.

Dabei handelt es sich um ein Schlaginstrument, das – ähnlich dem Xylophon – aus mehreren aufeinander abgestimmten Holzstäben besteht, die mit Klöppeln angeschlagen werden. Diese Holzstäbe ruhen auf Strohzöpfen, wie Brinkmann sie nun in der Hand hielt. Sie dämpfen die Töne, sie sind bisher das einzige Bauteil der Strohfiedel, das in Twistrigen vorhanden ist.

Heinrich Brinkmann erzählte, dass bereits darüber nachgedacht werde, ein solches Instrument zu rekonstruieren. Denn niemand kann sich vorstellen, dass noch irgendwo eine ausreichend erhaltene Strohfiedel zu erwerben ist. „Im Moment ist das Ganze noch weitestgehend der Fantasie überlassen“, so Brinkmann. Aber es ist schon mal ein Anfang, vielleicht werden die beiden unscheinbaren Strohzöpfe später die Grundlage für eine weitere Attraktion des Museums.

Übrigens: Der polnische Musiker Joseph Gusikow (1806 - 1837) hat die Strohfiedel sogar konzertfähig gemacht. Er war ein Jude, der als Klezmer-Musikant durch Europa reiste. Er hatte das Musizieren auf Blasinstrumenten erlernt, doch als er an Tuberkulose erkrankte, wechselte er zum Xylophon. Er entwickelte sich zum  Virtuosen auf der Strohfiedel, mit der er europaweit Konzerte gab und sogar dem österreichischen Kaiser  vorspielte.

Im Alter von 31 Jahren starb Gusikow während eines Konzerts in Aachen „mit den Schlägeln in der Hand“, wie überliefert  wurde. Gusikow hatte nie Noten gelernt und spielte vorwiegend eigene Kompositionen.

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