Zufrieden und dankbar mit dem Lebensweg

Heinz-Wilhelm Clausen ist seit 1988 Konrektor an der Realschule Syke. Ende Januar geht er in den vorzeitigen Ruhestand. ·

Syke - Der Lotse geht von Bord: Seit 1988 ist Heinz-Wilhelm Clausen als Konrektor an der Realschule. Am kommenden Freitag, 27. Januar, geht er in den vorzeitigen Ruhestand, oder genauer: In die passive Phase der Altersteilzeit. Mit ihm verabschiedet werden seine Kolleginnen Elke Widderich und Erika Müller-Kracke.

Die Entscheidung, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, hat Clausen bereits vor drei Jahren gefällt. „Glücklicherweise bin ich noch heute sehr zufrieden damit und freue mich auf den neuen Lebensabschnitt“, sagt er.

Obwohl: So ganz ohne Wehmut wird er nicht abtreten, dessen ist er sich sehr sicher. „Lehrer sein war immer eine Berufung für mich, und nie bloß ein Job zum Geldverdienen.“ Dieses Bekenntnis nimmt man ihm ab. Wie kaum ein anderer verkörpert Heinz-Wilhelm Clausen Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit. Eine Haltung, die ihm auch und gerade seitens seiner Schüler immer Respekt eingebracht hat.

Am 15. Dezember 1988 ist Clausen als Konrektor an die Realschule gekommen, damals als Nachfolger des in Pension gegangenen Heinrich Möhlmann. Schon zu dieser Zeit litt der damalige Schulleiter Bernd Schröder an der Parkinsonschen Krankheit. Clausen als Stellvertreter wuchs daher von Anfang an und in  zunehmendem Maß in die Aufgaben des Schulleiters hinein. Als Schröder 1996 krankheitsbedingt in den Ruhestand versetzt wurde, übernahm Clausen für anderthalb Jahre kommissarisch die Leitung der Realschule. Nicht zuletzt deshalb hatte er sich Hoffnungen gemacht, der neue Schulleiter zu werden. Doch es kam anders: „Ich hatte nie die Chance, mich zu bewerben. Die Stelle ist nie ausgeschrieben worden.“ Grund: Mit Hartmut Stummeyer stand ein geeigneter Nachfolger zur Verfügung, der bereits in der entsprechenden Besoldungsgruppe verbeamtet war. Clausen blieb in der Rolle des Stellvertreters. „Ich habe mit Stummeyer auch nie Probleme gehabt“, betont er. Aber als der dann selbst in den  Ruhestand ging, habe Clausen sich nicht mehr um die Schulleitung bewerben wollen. „Da hatte ich schon genug andere Dinge um die Ohren“, sagt er mit Blick auf seine ehrenamtliche  Tätigkeit als Vorsitzender des TuS Sudweyhe.

Als Lehrer ist es ihm zwar stets auch um die Vermittlung von möglichst viel Wissen gegangen. Noch wichtiger war ihm aber immer, dass „seine“ Schüler auch „ordentliche Menschen“ werden. „Ich habe mich immer auch als Erzieher gesehen“, sagt er: „Ehrlichkeit, Offenheit, Vertrauen aufbauen, und wenn ich Scheiße baue, muss ich auch dazu stehen.“

Dieses Werte-Bild habe sich seit 1988 stark verändert, sagt Clausen. Und das sei mit ein Grund dafür  gewesen, schon vorzeitig den Beruf an den Nagel zu hängen.

„Wenn wir als Lehrer früher Probleme mit einzelnen Schülern hatten, wussten wir, dass die Eltern fast immer auf unserer Seite waren. Heute ist das anders, wenn wir auf das Einhalten von Regeln und ein Mindestmaß an Disziplin achten. Da genügt mitunter schon ein unbedachtes Wort im Unterricht. Die Schüler haben ja alle ein Handy. Schon in der nächsten Pause stehen dann die Eltern auf der Matte und beschweren sich.“ Und diese Fälle werden mehr. „Früher hatte man ein schwieriges Kind in der Klasse, heute sind es vier oder fünf.“

Doch Clausen geht nicht im Groll: „Ich bin zufrieden und dankbar mit meinem Lebensweg. Ich habe viele wunderschöne Erlebnisse mit Schülern und Kollegen genossen. Ich bin gesund, lebe in einer tollen Familie und genieße viele ehrenamtliche Kontakte. Das und unsere Enkelkinder lassen mich ganz sicher nicht in ein Loch fallen.

Zur Person

Schule und Sport sind die beiden großen Felder, die Heinz-Wilhelm Clausen zeitlebens beackert hat. In Sudweyhe geboren und aufgewachsen, absolvierte er 1966 die Realschule in Thedinghausen. Nur sieben Jahre später kam er nach Abitur, Wehrdienst und Studium dorthin zurück: Als Lehrer für Sport, Mathematik nud Arbeit/Wirtschaft. Am 15. Dezember 1988 wechselte er als Konrektor an die Realschule Syke und arbeitete seitdem mit drei Schulleitern zusammen. Heinz-Wilhelm Clausen besitzt die B-Lizenz als Fußballtrainer („Juniorentrainer“) und hat während seiner Zeit an der Realschule Thedinghausen für den gesamten Landkreis Verden den Lehrerfußball aufgebaut. In diesem Zusammenhang war er zehn Jahre lang Schulfußballreferent im Landkreis Verden. Als Inhaber des DLRG-Lehrscheins darf Clausen Rettungsschwimmer ausbilden. Bisher hat er bei insgesamt 831 angehenden Rettungsschwimmern die Prüfungen abgenommen. Darüber hinaus hat Heinz-Wilhelm Clausen als Inhaber der Reha-Lizenz Herzsport über den TuS Sudweyhe die größte Herzsportgruppe in Nordwest-Deutschland aufgebaut. Unter seinem Vorsitz wurde der TuS Sudweyhe zum mitgliederstärksten Sportverein im Landkreis Diepholz.

· mwa

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