Neue Spuren auf dem Heiligenberg / Archäologen „röntgen“ den Boden / Viele Rätsel noch nicht gelöst

Womöglich eine schlichte Klosterkirche?

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Karten dokumentieren die Funde: (v.l.) Volker Platen, Christian Schweitzer, Landesarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf und Professor Bernd Ulrich Hucker auf dem Heiligenberg.

Br.-Vilsen - Von Anke Seidel. Wenn nicht der Mensch, sondern die Geschichte des Menschen der „Patient“ ist, dann wird es spannend – das beweist die Archäologie auf dem Heiligenberg in Bruchhausen-Vilsen. Dort bringen Fachleute mit modernsten Analyseverfahren Licht ins Dunkel der Jahrhunderte.

„Sie müssen sich das vorstellen wie in der Medizin“, erklärt Projektleiter Christian Schweitzer die Methoden, mit denen die Archäologen – ähnlich wie mit MRT oder Röntgen in der Humanmedizin – die tieferen Bodenschichten des Heiligenbergs untersuchen, ohne das Erdreich auch nur mit einem Spatenstich zu verletzen. Elektrisch messen die Archäologen den Bodenwiderstand. Sie setzen außerdem Magnetometer und Bodenradar-Schallwellen ein. Landesarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf ist sehr erleichtert über diese Archäologie: „Jede weitere Grabung führt wieder zur Zerstörung.“ Deshalb sei jedes Bodendenkmal, sprich jeder Nachweis über menschliche Kultur in grauer Vorzeit, im Boden am besten aufgehoben.

Solche Bodendenkmäler liegen auch am neuen Gästehaus des Forsthauses, dessen Baupläne die Archäologie erst auf den Heiligenberg gerufen hatten (wir berichteten). Bauherrin Adelheid Brüning war nicht nur verpflichtet gewesen, das Gelände archäologisch untersuchen zu lassen, sondern auch die Kosten zu tragen. Die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, die Gemeinde und der Landkreis hatten sich zur Hälfte daran beteiligt. Die Kosten für die aktuelle Untersuchung, 30 000 Euro, trägt das Wissenschaftsministerium.

Vier Quadratkilometer umfasst laut Wulf das Untersuchungsgebiet, das Christian Schweitzer nun geophysikalisch analysiert. Ein Hektar ist bereits vermessen. Drei „Röntgenaufnahmen“ dokumentieren die ersten Funde: Unter der Streuobstwiese (hinter dem neuen Gästehaus) eine 60 mal 30 Meter große Rechteckstruktur, außerdem ovale Bereiche mit bis zu fünf Metern Durchmesser. „Die Struktur fügt sich in das Gelände ein“, so Schweitzer, „aber wir wissen nicht, was es ist“. Ausgeschlossen sei nicht, dass einst ein drei Meter breiter Graben zur Begrenzung diente – zurzeit sei das eine Interpretation.

Die zweite „Röntgenaufnahme“ dokumentiert im Nordbereich der heutigen Pferdekoppel Spuren, die auf ein acht bis zehn Meter breites und 16 Meter langes sowie an einer Seite abgerundetes Gebäude schließen lassen – erbaut in Ost-West-Ausrichtung. Das lässt aufhorchen: Die Reste einer kleinen, schlichten Kirche für den Klosteralltag womöglich? Professor Bernd Ulrich Hucker, Mittelalter- und Landeshistoriker an der Universität Vechta, will das nicht ausschließen. Eine solche Vermutung müsse allerdings noch bestätigt werden.

Aber die Ost-West-Ausrichtung sei typisch für Kirchenbauten, deren Apsis ja auch abgerundet sei.

Rätsel geben ebenso die stark linearen, abgestuften Strukturen nahe der Koppel auf, die fast mit bloßem Auge zu erkennen sind. An einer ganz anderen Stelle haben Schweitzer und sein Team eine 25 mal 50 Meter große, strukturierte Fläche entdeckt. Ein großer Gebäudekomplex?

Um all diesen Rätseln auf die Spur zu kommen, setzt das Landesamt für Denkmalpflege die Firma „Denkmal 3 D“ aus Vechta mit Volker Platen ein, der per „Airborne Laserscanning“ Bodenuntersuchungen aus der Luft vornehmen kann. Je nach Ergebnis will Landesarchäologe Wulf nicht ausschließen, am Ende doch noch einmal einen klassischen Probeschnitt mit dem Spaten zu setzen.

Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch lässt keinen Zweifel daran, dass er es bei Teilergebnissen nicht belassen und sich engagieren will, sollte das Geld nicht reichen: „Ich kann hier keine Finanzierungszusage machen.“ Aber wenn es notwendig sei, dann müssten Samtgemeinde, Gemeinde und Landkreis in dieser Frage wieder zusammenfinden: „Das Interesse ist groß!“

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