Landkreis zahlt 45 % Zuschuss für Tagespflege / Geld aus Landesprogramm „Familien mit Zukunft“

„Wirklich Wunsch- und Wahlrecht“

Elsbeth Ruholl und Evelin Vehring (v.l.) suchen weitere Tagespflege-Kräfte.

Landkreis - (sdl) · „Ein Meilenstein in der Kinderbetreuung“: Darin waren sich die zuständigen Mitarbeiterinnen im Fachdienst Jugend gestern einig. Denn Eltern können jetzt zwischen Tagespflege und Kindergarten wählen, ohne immense Mehrkosten tragen zu müssen. Ein Zuschuss von 45 Prozent zu den Tagespflege-Betreuungskosten macht es möglich. Das Geld fließt aus dem Landesprogramm „Familien mit Zukunft“. Alle Eltern haben Anspruch – unabhängig vom Einkommen.

Jetzt hätten Mütter und Väter wirklich ein Wunsch- und Wahlrecht, erklärt Elsbeth Ruholl, zuständig für die Tagespflege im Nordkreis. Denn dank des Zuschusses wären die Kosten für die Tagespflege nun vergleichbar mit denen für Kindertagesstätten. Will heißen: Die individuelle und zeitlich flexible Kinderbetreuung bei einer Tagesmutter kostet nicht unbedingt mehr als der Kindergarten- oder Krippenplatz – wenn er denn überhaupt vorhanden ist.

Ein landkreisweiter Preisvergleich ist allerdings nicht möglich: „Die Kindergartenlandschaft ist bunt“, sagt Dagmar Roeben-Guhr, die im Fachdienst Jugend den Aufgabenbereich Tagespflege koordiniert. Es gebe ganz unterschiedliche Träger und Strukturen.

Das belegt auch die Tatsache, dass bisher schon sechs Städte und Gemeinden Zuschüsse zur Tagesbetreuung zahlten: Kirchdorf, Diepholz, Wagenfeld, Rehden, Bruchhausen-Vilsen und auch Sulingen.

Zwar gilt die neue, landkreisweite Zuschuss-Regelung schon seit dem 1. August. „Aber es ist noch nicht so bekannt...“, sagt Dagmar Roeben-Guhr.

184 Euro sparen Eltern im Vergleich zur alten Regelung. Denn bisher mussten sie 334 Euro für die Tagesmutter-Betreuung zahlen, wenn ihr Kind 20 Stunden pro Woche, also vier Stunden täglich, bei der Tagesmutter betreut wird. Jetzt sind es 150 Euro – plus 1,80 Euro pro Tag für das Mittag essen, wenn das Kind bei der Tagesmutter versorgt wird. Diese Regelung blieb unverändert.

246 Tagesmütter und vier Tagesväter haben eine Pflegeerlaubnis vom Landkreis. Der Tagespflege-Stundensatz im Landkreis Diepholz liegt bei 3,85 Euro. Das sei zwar nicht der bundesweite Spitzensatz, „aber damit können wir uns gut sehen lassen!“, hieß es gestern.

Wer vermittelt Tagesmütter oder -väter? „Die Vermittlungs- und Kontaktstellen in den Kommunen, mit denen wir eng vernetzt sind“, so Dagmar Röben-Guhr. Sie betont: „Wir legen Wert auf eine persönliche Vermittlung.“ Mütter und Tagespflegepersonen müssten schließlich gut miteinander klar kommen. Die Zuschuss-Regelung wertet die Tagespflege enorm auf. Zurzeit sucht der Fachdienst Jugend weitere Interessierte, die sich zur Tagespflegekraft qualifizieren lassen wollen. Die Volkshochschule (VHS) und die LEB (ländliche Erwachsenenbildung) bieten die 160 Stunden umfassenden Kurse an. Im Nordkreis berät Elsbeth Ruholl (04242/

976 4150), im Südkreis Evelin Vehring (Tel. 05441/

976 1141).

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