Ausstellung erstmals außerhalb Berlins

Das Wirken des de Sousa Mendes

Der portugiesische Diplomat Aristides de Sousa Mendes.

Bruchhausen - BR.-VILSEN (ike) · „Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“ ist die Ausstellung überschrieben, die ab Montag, 25. Oktober, im Gymnasium Bruchhausen-Vilsen zu sehen ist. Die Schau zeigt das Leben und Wirken des portugiesischen Diplomaten Aristides de Sousa Mendes. Er war im Juni 1940 Generalkonsul von Bordeaux und rettete etwa 30 000 Menschen vor Verfolgung und Ermordung durch die Nazis, als die deutschen Truppen Frankreich besetzten.

Entwickelt wurde die Ausstellung 2007 auf Initiative der Fotografin Katharina Stillisch mit Unterstützung des Kulturamts des Berliner Bezirks Treptow-Köpenick. Gute drei Jahre später ist sie nun das erste Mal außerhalb Berlins zu sehen. Die Texte zur Ausstellung hat der Historiker und Journalist Sven Wierskalla geschrieben, der zugleich auch im Vorstand des Vereins „ViVer – Vision und Verantwortung“ sitzt. Für die neue grafische Gestaltung zeichnet Melanie Kemper verantwortlich. Die Mitwirkenden wollen mit dem Blick auf Aristides de Sousa Mendes Leben „ein Beispiel für Zivilcourage“ geben.

Die offizielle Eröffnung ist für 12.20 Uhr im Foyer vorgesehen, besichtigt werden kann die Ausstellung bis zum 5. November. Reinhard Heinrich als Leiter des Gymnasiums wird die Besucher begrüßen, der Oberstufenkoordinator Dr. Volker Herholt gibt eine Einführung in das Thema. Sven Wierskalla schließlich hält danach eine Ansprache über den Portugiesen und sein Wirken.

Er hatte zahllosen Flüchtlingen aus dem von den Nazis besetzen Mitteleuropa zur Flucht nach Portugal verholfen – darunter etwa 10 000 Juden.

Der portugiesische Diktator Salazar hatte zwar bereits im Jahr davor alle seine Diplomaten angewiesen, Visa nur noch für Ausländer auszustellen, deren Nationalität bekannt oder nicht „rechtsstreitig“ war. Auch Staatenlose oder aus ihrem Herkunftsland vertriebene Juden sollten kein Visum bekommen. Doch Aristides de Sousa Mendes ignorierte diese Anweisung und gab seinen Mitarbeitern sogar vor, jedem „ungeachtet der Nationalität, Rasse oder Religion“ ein Visum zu erteilen. Die Menschen mit Visum konnten sich durch Spanien zu den portugiesischen Häfen aufmachen und von dort nach Übersee fliehen. In einigen Dokumenten steht, auch Otto von Habsburg, Schriftsteller, ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments und bis 2006 Oberhaupt des Hauses Habsburg-Lohtringen, verdanke sein Visum dem portugiesischen Generalkonsul.

Als die portugiesische Regierung von der Visa-Flut erfuhr, beorderte sie de Sousa Mendes unverzüglich zurück aus Bordeaux. Sogar auf der Fahrt nach Portugal verteilte er weiterhin Visa. Zurück in der Heimat wurde er in einem Disziplinarverfahren schuldig gesprochen und seines Amtes enthoben. Seine Familie wurde daraufhin geächtet und verarmte. Nach einem Schlaganfall und einer Lungenentzündung starb der ehemalige Diplomat 1954 im Krankenhaus. Erst 1988 wurde er rehabilitiert und offiziell von der Regierung für seinen Mut gewürdigt. Im Yad Vashem Memorial in Israel ist ihm ein Hain mit etwa 10 000 Bäumen gewidmet, die für die Zahl der Juden stehen, die er vor dem Tod bewahren konnte.

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