In den Delme-Werkstätten Bassum hat sich in 35 Jahren einiges getan

„Wir sind keine Bastelstube“

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Konzentriert bei der Arbeit: Die 24-jährige Nicole Heuer verpackt kleine Plastik-Haken. ·

Bassum - Von Alena Staffhorst„Viele Menschen haben immer noch das Vorurteil im Kopf, wir seien eine Bastelstube. Doch das stimmt nicht.“ – Geschäftsführerin Ruth Schaffer-Hurrelbrink ist stolz auf die Entwicklung der Delme-Werkstätten, die am Dienstag ihr 35-jähriges Bestehen feiern.

Was machen unsere Kinder, wenn sie ein arbeitsfähiges Alter erreichen? – Diese Frage stellten sich Eltern von behinderten Kindern. Das Ergebnis: Sie gründeten 1975 mit der Lebenshilfe und anderen Vereinen die Delme-Werkstätten gGmbH.

Die Bassumer Werkstatt war der Vorreiter, sie entstand 1977. „Damals gab es noch 60 Plätze, es wurde aber schnell klar, dass diese nicht lange reichen würden“, sagt die Geschäftsführerin. Bereits fünf Jahre später konnten durch einen Erweiterungsbau 175 Plätze realisiert werden. „Heute sind 204 Menschen bei uns beschäftigt“, sagt Schaffer-Hurrelbrink, die 1978 als Praktikantin bei der Delme angefangen hat. Neben den Arbeitsplätzen haben 15 Menschen einen Betreuungs- und 25 einen Ausbildungsplatz.

Auch die Tätigkeiten haben sich im Laufe der Jahre verändert. „Angefangen haben wir mit recht einfachen Arbeiten“, erinnert sich Schaffer-Hurrelbrink. Handverpackungs- und Montagearbeiten standen im Vordergrund. Auch Schlosserei, Tischlerei und Näherei gehörten schon dazu. „Damals war Surfen grad sehr angesagt. Hauptsächlich haben wir Sichtfenster in die Segel eingenäht.“

Doch seitdem hat sich einiges verändert: „Dadurch, dass viele Sachen in China heute sehr billig hergestellt und verpackt werden, mussten wir unser Aufgabengebiet erweitern.“ Hinzu kam der Dienstleistungsbereich. „In den vergangenen zwei Jahren ist ein hauseigener Shop sowie ein Bistro hinzugekommen.“ Nicole Heuer ist für das sogenannte Blistern zuständig: „Ich bin seit zwei Jahren hier“, sagt die 24-Jährige. „Im Moment verpacke ich mit einer Maschine kleine Haken.“

Ein Gang durch die Werkstatt zeigt, das die Aufgaben heute sehr vielfältig sind: Von Vogelhäusern und Insektenhotels über Taschen, Stulpen und Sitzsäcken bis hin zu Edelstahlringen und Gestellen für den Garten ist alles dabei. „Früher war es ein viel familiäreres Klima hier, da wir ein kleineres Unternehmen waren“, erinnert sich Schaffer-Hurrelbrink. „Aber um die Menschen realistisch auf die Arbeitsverhältnisse in anderen Firmen vorzubereiten, ist die Veränderung ganz vorteilhaft.“

„Besonders stolz sind wir natürlich auf unsere eigenen Produkte, die wir von Anfang bis Ende alleine produzieren“, sagt Schaffer-Hurrelbrink. „Da hängt das Herz dran und wir wissen hinterher: Das haben wir gemacht.“ Dazu gehört auch das Eselspiel, das Winfried Birkle und Michael Mysliewitz beschriften. „Die Zahlen müssen alle gleich aussehen“, erklärt der 47-jährige Birkle. „Daher malen wir sie mit einer Schablone auf jeden einzelnen Stein.“

Ziel der Delme-Werkstätten ist klar definiert, aber nicht immer leicht zu erreichen: „Wir wollen die Menschen in ihren jeweiligen Gebieten fit machen, um sie später an andere Firmen weiterzuvermitteln“, erklärt Schaffer-Hurrelbrink. „Doch dass jemand richtig übernommen wird, ist eher die Ausnahme.“ Häufiger kommt es dazu, dass sie in Außenarbeitsplätze vermittel werden. Das bedeutet, sie arbeiten zwar bei einer Firma, sind aber nach wie vor bei der Delme angestellt. „So ist es für die Menschen auch leichter, in die Werkstatt zurückzukehren, falls es in dem jeweiligen Job nicht funktioniert.“

Auch zukünftig sollen weitere Schritte nach vorne gemacht werden: „Im Rahmen des Projekts ‚Wohnen nach Maß‘ eröffnen wir in Syke ein eigenes Café“, sagt Schaffer-Hurrelbrink. „Wir sind dabei, die entsprechenden Leute dafür auszubilden.“

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