Litauischer Bischof Mindaugas Sabutis besucht mit Axel Knoerig DRK in Rehden

„Wir dokumentieren uns dumm und dusselig“

Die DRK-Schwesternstation in Rehden empfing Besuch aus Litauen. Mit dem Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig (l.) kamen Bischof Mindaugas Sabutis (Mitte) und Pfarrer Virginijus Kelertas. Hinten (v.l.): Heino Mackenstedt, Heidrun Bloch, Rebecca Sonnenberg und Johanna Reuter. ·
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Die DRK-Schwesternstation in Rehden empfing Besuch aus Litauen. Mit dem Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig (l.) kamen Bischof Mindaugas Sabutis (Mitte) und Pfarrer Virginijus Kelertas. Hinten (v.l.): Heino Mackenstedt, Heidrun Bloch, Rebecca Sonnenberg und Johanna Reuter.

Rehden - Auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig (CDU) besuchten am Mittwoch der litauische Bischof Mindaugas Sabutis und Pfarrer Virginijus Kelertas Rehdens DRK-Schwesternstation.

Leiterin Heidrun Bloch, ihre Stellvertreterin Johanna Reuter und Fachkoordinatorin Rebecca Sonnenberg aus der Geschäftsstelle Syke begrüßten neben den litauischen Gästen Axel Knoerig und Heino Mackenstedt, Kreistagsabgeordneter und Vorsitzender der CDU-Rehden.

Von ihrer Informationsrundreise mit Axel Knoerig, die Stationen im Stift Bassum, Groß Mackenstedt, Diepholz, der DRK-Schwesternstation in Rehden, dem Diakonissen-Mutterhaus Altvandsburg in Lemförde und Bethel im Norden umfasst, erhoffen sich die evangelisch-lutherischen Kirchenvertreter aufschlussreiche Informationen zur Altenpflege, Kinderbetreuung und Randgruppenauffangprojekten.

„Wir kennen uns schon seit zehn Jahren und wünschen uns fachliche und menschliche Vernetzung untereinander“, erläuterte Knoerig. Heidrun Bloch und Heino Mackenstedt nutzten später im Austausch die Chance, Axel Knoerig ihre Sorgen, Bitten und Anregungen in puncto „Pflegenotstand“ mit auf den Weg nach Berlin zu geben.

Die von Pfarrer Kelertas beschriebene Situation in seinem Heimatort in Litauen, Sakiai, sah dagegen weniger rosig aus als in Rehden. Kelertas betreibt dort ein Kinderheim mit Kleingruppen, einer Familiensituation ähnlich. „Ich musste mich vielen Hindernissen entgegenstellen, solche privaten Konzepte sind immer noch nicht erwünscht von staatlichen Institutionen“, erzählte der engagierte Pfarrer.

Das Kinderheim in der evangelisch-lutherischen Gemeinde konnte mit Fördermitteln aus dem Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE) und Spenden realisiert werden. Im Anbau der Kirche gibt es ein Tageszentrum für die Betreuung und Förderung schwer behinderter Menschen. Ein hohe Arbeitslosenquote, Alkoholismus und Drogenkonsum machen die Arbeit der Kirche in Sakiai notwendig.

Für die DRK-Schwesternstation stellte Heidrun Bloch die Arbeit der Kolleginnen im Einzugsgebiet der Samtgemeinde Rehden vor. Die Hilfe und Pflege umfasse 365 Tage im Jahr an 24 Stunden täglich pflegebedürftiger und kranker Menschen. „Von den 18 Mitarbeitern engagieren sich vier zusätzlich ehrenamtlich mit zehn weiteren Ehrenämtlern in der ambulanten Tagesbetreuung zweimal wöchentlich“, sagte Bloch. Einen Schwerpunkt sieht Heidrun Bloch bei der Beratung für Pflegebedürftige und Pflegende vor Ort. „Früher hatten wir hier dörfliche Strukturen, der eine fing den anderen auf in Notsituationen“, führte die Leiterin an und monierte damit gleichzeitig die Forderungen nach der „Pflege nach Minuten“ bezahlt und ein immer stärker werdender Dokumentationsdruck für ihre Mitarbeiter und sie. „Wir dokumentieren uns dumm und dusselig und der Mensch bleibt dabei auf der Strecke. Keine Zeit mehr für kurze nette Worte oder einen gemeinsamen Kaffee“, lautete der Appell an den Politker Knoerig, dies müsse abgeändert werden dringend. „Ergo, für die eigentliche Arbeit ist zu wenig Geld im System“, schloss Heino Mackenstedt.

Einig waren sie alle, dass Qualitätsmanagement sinnvoll sei, gerade in der Pflege, jedoch in vernünftigem Maß. Heino Mackenstedt bat Axel Knoerig: „Warum haben wir nicht den Mut zur Lücke, wenn doch 98 Prozent in den Pflegeberufen mehr als gut klappt?“. Der Politiker versprach, sich dafür stark zu machen, das System auf den Prüfstand zu bringen und von unnötigen Hindernissen zu entrümpeln. „Finanziell muss der Dienst am Menschen so gut bezahlt werden wie der an der Werkbank“, meinte Knoerig und versprach seinen Einsatz hierfür. Für Heidrun Bloch stand fest: „Wir müssen alle wieder lernen, für den Nachbarn da zu sein“. · sbb

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