Waldkindergarten Stemwederberg hatte zum Ahnenfeuer eingeladen / Musikalische Untermalung und Lebensrad

„Wie kommen Laternen in diese Zeit?“

Jung und Alt feierten am Wochenende im Waldkindergarten Stemwederberg ein Mondfest: das Ahnenfeuer.

Lemfoerde - BROCKUM (cb) · „Wir tragen heute das Licht in die Dunkelheit, durch den Wald, zu unseren Ahnen, zu unseren Vorfahren“, erklärte Gundi Kramer, Leiterin des Waldkindergartens Wildniswissen Stemwederberg, als sie die Kinder und Erwachsenen zum Ahnenfeuer mit Laternenumzug am Domizil in Brockum begrüßte.

War es vergangenes Jahr ein Herbstfest mit Laternenumzug, so war es heuer ein Ahnenfeuer. „Durch den Elternabend sind wir in diese Geschichte ‘reingekommen, denn wir haben überlegt: wie hat man früher diese Feste gefeiert? Wie kommen die Laternen oder Kürbisse in diese Zeit?“, erläutert Wildnispädagogin Gundi Kramer. Begeistert hätten die Erwachsenen über Rituale und Zeremonien berichtet, die erhalten geblieben sind oder die sie durch ihre Großeltern kennen lernten. Angefangen von den Wurzeln, seien bis heute Kürbisse, die Zucker- oder Runkelrüben bewahrt geblieben, die ausgehöhlt und in der Gemeinschaft durch ein Dorf getragen werden, vorbei am Friedhof – den Ahnen.

Während einer Fortbildung der Wildnisschule Hannover in Österreich erlebten Gundi Kramer und ihre Stellvertreterin Daniela Schröder die Zeremonie eines Ahnenfeuers. „Wir waren von dieser Art und Weise, diesem heiligen Feuer, sehr angetan“, schwärmen die Frauen, die daraufhin nicht mehr zum Herbstfest, sondern zum Ahnenfeuer mit Laternenumzug einluden.

Mit dem Stück „Die Wurzelkinder“ eröffneten die gleichnamigen Kinder das Fest. Eine zeitlose Geschichte, die 1906 Sybille Olfers geschrieben hatte, vertonte Daniela Schröder und sang sie mit den „Wurzelkindern“ des Waldkindergartens. Nach einer Suppenmahlzeit entzündeten die Leiterinnen mit den Sprösslingen im Tipi die selbst gebastelten Laternen, und Jung und Alt sangen – von Schröder auf der Gitarre begleitet – Laternenlieder. Später zogen alle durch den Wald zum Steinbruch, wo das Ahnenfeuer sie erwartete. Besonders ergreifend war dort die Darbietung von Bea Risken, die Lieder in einer uralten Sprache der Groß- und Urgroßmütter sang. Für Aufsehen sorgte ein Lebensrad, das die Himmelsrichtungen symbolisierte und die Felder für die Jahreszeiten aufzeigte. Gebaut hatten es eine Woche zuvor die Eltern mit den Leiterinnen und die Kinder hatten es bereits erspielt. „So wissen die Kinder jetzt, in welcher Jahreszeit sie geboren worden sind“, bemerkt Gundi Kramer. An dem Rad standen auch die Kürbisse, die die Kinder ausgehöhlt und mitgebracht hatten. Gemeinsam gedachte die Gruppe am Feuer der Ahnen.

„Das Ahnenfeuer, ein Mondfest, ist eigentlich ein festes Muster, das durch die Jahreszeiten hindurch entsteht“, erklären Kramer und Schröder. Das bedeute, „wir feiern immer zur Sommersonnenwende oder wenn sich die Jahreszeit verändert, ein Fest – wenn möglich mit Eltern und Großeltern“, berichten die Pädagoginnen, die seit drei Jahren mit Kopf, Herz und Hand auf allen Ebenen mit den Kindern ihre Erfahrungen machen und dabei Altes und Neues verbinden. „Wir gucken nach der Wurzel, deshalb ‚Wurzelkinder‘, deshalb diese Anlehnung an die indigen Völker“, stellen sie ihre Maxime heraus.

Der Waldkindergarten Stemwederberg habe sich in der Samtgemeinde etabliert, die regionale Nachfrage sei groß. Außerdem nehme die Einrichtung am sozialen Leben der Gemeinde teil. „Und wir hatten mit Tatjana Borkenhagen eine Praktikantin, die ihre Prüfung bei uns mit Eins bestanden hat“, fügen die beiden engagierten Erzieherinnen hinzu.

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