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Widerspruch

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Ein Rohstoff, unterschiedliche Preise: Um die Einstufung von Verträgen gibt es Streit.
Ein Rohstoff, unterschiedliche Preise: Um die Einstufung von Verträgen gibt es Streit. © Stefan Sauer/dpa

Weyher Bürger kämpfen gegen teures Gas: Die Einstufung in die Ersatzversorgung kann ihnen erhebliche Nachteile bringen.

Weyhe. Ärger hat bei Mietern und Wohnungseigentümern in Weyhe die Einstufung in die Ersatzversorgung mit Erdgas ausgelöst, weil sie deutlich teurer ist als die Grundversorgung (wir berichteten). Hausverwalter Wilhelm Röper von der Hausverwaltung Röper & Flückschuh setzt sich jetzt gegen diese Einstufung durch den Gasversorger swb zur Wehr: „Wir legen Widerspruch ein“, kündigte er am Mittwoch an, „und bitten swb um eine schriftliche Stellungnahme“.

Denn die Zahl der Betroffenen ist hoch: Von den 140 Objekten in der Betreuung der Hausverwaltung Röper & Flückschuh fallen 93 in die Ersatzversorgung. „Betroffen davon sind 522 Mieter sowie zusätzlich 128 Eigentümer“, erklärt Wilhelm Röper. Sie sollen ab Jahresbeginn 11,9 Cent mehr pro Kilowattstunde Gas bezahlen als in der Grundversorgung.

Hintergrund: Wenn die Mieter in einem Mehrfamilienhaus mehr Gas verbrauchen als die Eigentümer im Haus, stuft der zuständige Grundversorger swb den Vertragspartner in die Ersatzversorgung ein – wenn die Gesamtlieferung an die Immobilie mehr als 10 000 Kilowattstunden im Jahr beträgt (zum Vergleich: Der Gasverbrauch in einem Mehrfamilienhaus mit fünf Wohnungen kann in Summe bei rund 45 000 Kilowattstunden liegen).

Diese Einstufung ist auf der Grundlage des Energiewirtschaftsgesetzes zwar möglich, aber höchst umstritten: „Wir sehen an dieser Stelle dringenden Nachbesserungsbedarf beim Gesetzgeber“, so Julia Schröder als Energierechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Mieter mit einer Zentralheizung im Haus werden aktuell schlechter gestellt als Mieter mit einer Gasetagenheizung im Haus, obwohl sie darauf keinen Einfluss haben.“ Aber da Mieter in dieser Konstellation die Energie nicht direkt bezögen, „sind ihnen die Hände gebunden“.

Hat der Widerspruch Erfolg?

Deshalb hoffen die betroffenen Weyher auf einen Erfolg des Widerspruchs. Kontakt zu weiteren Betroffenen würde Wilhelm Röper (E-Mail: info@ruf-hausverwaltung.de) begrüßen, sie können sich gerne melden. Sollte der Widerspruch scheitern, behält sich der Hausverwalter den Schritt zur Schlichtungsstelle Energie vor – die zentrale Stelle zur außergerichtlichen Beilegung von Streitigkeiten zwischen Energieversorgungsunternehmen und Verbrauchern.

Sie arbeitet unabhängig und neutral und wurde 2011 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Einvernehmen mit dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz anerkannt. „Getragen wird sie von den Verbänden der Energiewirtschaft und dem Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.“, heißt es auf deren Internetseite. „Mit ihrer Arbeit soll die Schlichtungsstelle die Gerichte entlasten und zur Zufriedenheit der Strom- und Gaskunden beitragen.“

Widerspruch gegen die Einstufung gegen die Ersatzversorgung gibt es nicht nur bei swb, sondern auch bei anderen Versorgern. Dieser Zeitung ist ein konkreter Fall bei der EWE bekannt. ANKE SEIDEL

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