Premiere im Weyher Theater ohne Frank Pinkus

Zwischen Lachen und Grübeln

„Eine Reise“ feierte Premiere im Weyher Theater und begeisterte das Publikum.
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„Eine Reise“ feierte Premiere im Weyher Theater und begeisterte das Publikum.

Weyhe. Einer fehlte. Und wie. Das wurde ganz besonders deutlich, als das Ensemble des Weyher Theaters nach der Premiere seiner neuen Komödie „Eine Reise“ am Freitagabend den donnernden Schlussapplaus seines begeisterten Publikums genoss. Normalerweise hätte Dramaturg Frank Pinkus mit allen anderen auf der Bühne gestanden. Denn er hatte das Stück gemeinsam mit Kay Kruppa geschrieben und inszeniert.

Vor wenigen Wochen war er jedoch überraschend verstorben (wir berichteten).

Unter 2G-Bedingungen

Zum ersten Mal mussten die Schauspielerinnen und Schauspieler des Weyher Theaters deshalb eine Premiere ohne ihn feiern. Dass ihnen das sichtlich schwer fiel, sah man in ihren Gesichtern. Zugleich aber waren sie offenkundig glücklich, dass das neue Stück „Eine Reise“ so gut beim Publikum ankam. Eigentlich hätte es schon Anfang des Jahres seine Premiere feiern sollen. Coronabedingt brachten sie es erst jetzt auf die Bühne – und das erstmals unter 2G-Bedingungen. Die Maskenpflicht entfiel, Abstände zwischen den einzelnen Plätzen mussten nicht mehr eingehalten werden. Ein weiterer Umstand, der diese Premiere zu einer ganz besonderen machte.

Zwei ungleiche Brüder

Auch das Stück gab Anlass zum Nachdenken: Als Komödie angelegt, brachte es das Publikum nämlich nicht nur zum Lachen, sondern ließ es auch ins Grübeln kommen. Die Handlung: Die beiden zerstrittenen Brüder Carl (Thorsten Hamer) und Max (Marco Linke) werden nach dem Tod ihres Bruders Jonas‘ dazu verdonnert, gemeinsam die Reise zu unternehmen, die sie eigentlich zu dritt machen wollten. Mit dem Rad wollen sie die Alpen überqueren, bis zum Gardasee fahren und dort die Asche ihres Bruders verstreuen. Beide lassen sich äußerst widerwillig darauf ein und werden von Carls Freundin Marieke (Inga Jamry) und Max‘ Lebensgefährtin Emily (Sarah Kluge) begleitet. Max gibt sich durchtrainiert und markiert den Sportlichen: „Vor fünf Jahren bin ich den ‚Bremen Marathon‘ gelaufen.“ Gesteht dann aber: „Ich geb’s zu, nach fünf Kilometern habe ich aufgegeben.“

Die erste Tages-Etappe der Radtour zwingt ihn auch gleich in die Knie. Während sein eher übergewichtiger und untrainierter Bruder Carl die 130 Kilometer locker geschafft hat, liegt Max am Boden. kann sich kaum mehr rühren und stöhnt: „Immer nur bergauf strampeln, strampeln, strampeln …“ Immer wieder streiten sich die beiden Brüder, erinnern sich an Begebenheiten aus der Kindheit, die ihnen immer noch zu schaffen machen. Innige, lustige und nachdenkliche Momente wechseln sich ab. Thorsten Hamer und Marco Linke füllen ihre Rollen perfekt aus. Auf den Campingplätzen, auf denen sie als ungleiche Brüder ihr Zelt aufschlagen, treffen sie nicht nur ihre Freundinnen wieder, sondern auch interessante Zeitgenossen.

Tanz gegen Aggression

Choreograf Frido und Designer Claude zum Beispiel, die die beiden Brüder mit Gin Tonic abfüllen und zum Tanzen animieren. „Mein Frido bringt jeden zum Tanzen“, säuselt Claude alias Christian Hamann. „Wir haben die Aggression so schön weggetanzt“, flötet Frido, der von Christian Schliehe in Szene gesetzt wird. Schliehe hat sich als Neuer am Weyher Theater großartig ins Ensemble integriert und mimt in der neuen Komödie gleich drei Charaktere aufs Beste: den schwulen Choreografen, den Aussteiger und Yoga-Freund Dieter und den Rechtsanwalt Dr. Brunner. Auch Christian Hamann überzeugt in gleich drei wechselnden Rollen: als Familienvater Horst, als Designer und als Ulli, der auf dem Campingplatz auch schon mal die Fäuste fliegen lässt.

Bleibt noch die Musik: Sarah Kluge, Inga Jamry und Marco Linke singen unter anderem Songs von Max Giesinger, Johannes Oerding und Udo Lindenberg und sorgen unter der musikalischen Leitung von Patrick Kuhlmann für Stimmung auf der Bühne. Alles in allem eine perfekte Mischung: Starke Musik, die jeder kennt. Zwei Brüder, die sich am Ende ihrer Reise wieder finden. Und dazwischen ganz viel Spaß und Amüsement für ein begeistertes Publikum.

Von Regine Suling-Williges

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