Tangomesse in der Felicianuskirche

Zwei Stunden Energie und Musikgenuss

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Gewaltig und empathisch erklingt die Kantorei, während die Darsteller in einer eigens für den Auftritt entwickelten Choreografie zur Musik tanzen.

Kirchweyhe - Von Uwe Goldschmidt. Eine Tangomesse in der Kirche, passt das? Ja, es passt. Ein in jeder Hinsicht begeisterndes Konzert erlebten die fast 1 000 Besucher am Wochenende in der Felicianuskirche Kirchweyhe.

Am Samstag und Sonntag präsentierten die Kantorei und mitwirkende Ensembles das Ergebnis einer mehr als sechsmonatigen Probenarbeit.

Mit der „Misa a Buenos Aires“ des argentinischen Komponisten Martín Palmeri brachten die Choristen unter der Leitung von Kantorin Elisabeth Geppert wieder einmal ein anspruchsvolles Werk auf die Bühne, das in vieler Hinsicht außergewöhnlich sei, wie Kirchenvorsteherin Frauke Wetjen in ihrer Begrüßung betonte: „Mit einer außergewöhnlichen Kantorei, einem außergewöhnlichen Orchester, außergewöhnlichen Künstlern und einer sehr außergewöhnlichen Elisabeth Geppert.“

Vor der Tangomesse erklangen aber zunächst noch andere Werke argentinischer Künstler. Das Kammerorchester Konsonanz aus Bremen eröffnete das Programm mit „Primavera porteña“, eine Komposition des Argentiniers Astor Piazolli, gefolgt vom hymnenartigen Titel „Look of the world“ von Joh Rutter, den die rund 80 Sängerinnen eindrucksvoll zusammen mit den Musikern des Kammerorchesters präsentierten.

Die erste Tangomelodie, Danzarin von Julian Plaza (1928-2003), ließ das Cuarteto Rotterdam in der Kirche erklingen. Mit Gefühl und Hingabe versprühte das Spitzenquartett die empfundene Leidenschaft, überschäumende Lebensfreude bis hin zu ergreifender Traurigkeit und Melancholie, die Argentinier ihr ganzes Leben begleitet. Am ausdrucksvollsten kam diese Philosophie mit dem Bandoneón zum Ausdruck, über das sich die melodische Violine legte. Beide Instrumente wurden meisterlich beherrscht von Michael Dolak (Bandoneón) und Susanne Cordula (Violine). Einige Besucher hätten sich bei diesen Klängen sicherlich gerne dem Tangotanz hingegeben.

Eine weitere Steigerung erlebten die Zuhörer mit dem Zusammenspiel des Cuarteto Rotterdam und des Kammerensembles Konsonanz. „Chau Paris“ (Tschüss Paris) schrieb Astor Piazolla während seines Aufenthaltes in Paris 1954 und 1955, als er dort studierte. Viele seiner Werke sind als Filmmusiken bekannt, die dem Komponisten in manchen erfolglosen Phasen seines Schaffens das Überleben sicherten. Darunter der Titel „Oblivion“ aus dem Film „Enrico IV“ mit Marcello Mastroianni als Heinrich IV. von 1984.

Klarer Höhepunkt des Konzerts sollte aber die „Misa a Buenos Aires“ sein. Der 1965 in Buenos Aires geborene Pameri komponierte 1996 sein Werk in der formalen Anlage einer „klassischen“ Vertonung des Ordinarium missae, der unabhängig vom kirchlichen Anlass feststehenden Messteile Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei. Stilistisch ist das Stück vom argentinischen Tango Nuevo inspiriert und greift dessen typischen harmonischen Merkmale und rhythmischen Figuren auf. Mit der Instrumentierung für Streichorchester, Klavier und Bandoneón spielt Palmeri auf das klassische Tangoorchester an, sodass typische Stilelemente unüberhörbar und Herz und Seele des Tangos spürbar waren. Gewaltig und zugleich empathisch erklang die Kantorei im Zusammenspiel mit den Instrumentalisten. Allein durch die Anzahl der Sänger und Sängerinnen entwickelte der Chor eine enorme Strahlkraft und Energie. Solistisch glänzte die gebürtige Bremerin Anna-Maria Torkel (Mezzosopran). Sie studierte in Hamburg an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg.

Aber was wäre eine Tangomesse ohne Tänzer? Eigens für die Aufführung hatten drei Tänzer und Tänzerinnen eine rund einstündige Choreografie entwickelt. Zwar hatten nicht wenige Besucher auch mit klassischem Tangotanz gerechnet, dieser wurde aber nicht dargeboten. Vielmehr präsentierten Joël Detiège, Claas Neumann und Lotte Rudhart einen „Contemporary-Tanzstil“, der sie geschmeidig in fließenden Bewegungen auf einer eigens vor dem Chor aufgebauten weißen Plattform zu der Musik wiegen ließen.

Nach zwei Stunden voll Energie und Musikgenuss setzte ein frenetischer, minutenlanger Applaus ein, der sodann in stehenden Ovationen mündete und mit einer Zugabe belohnt wurde. Wieder einmal haben die Weyher Vokalisten der Kantorei ihr Können und ihre Ausdauer erfolgreich unter Beweis gestellt und die Zuhörer begeistert.

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