Kunden fordern, dass die Commerzbank nach Filialschließung Automaten in Weyhe belässt

Zum Geldabheben in den Nachbarort?

Stefan Apel
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Stefan Apel

Die Schließung der Commerzbank-Filiale in der Gemeinde Weyhe, eine Gemeinde mit mehr als 30000 Einwohnern, kommt bei den Betroffenen nicht gut an. Es sind nicht nur die Kunden der Commerzbank, die die Filial-Schließung kritisch sehen, sondern auch die der Banken der sogenannten Cash-Group. Wo sollen diese Kunden Bargeld gebührenfrei abheben? Die Kunden befürchten, dass mit der Schließung der Filiale auch der letzte Bankautomat abgebaut wird.

Weyhe – Kunden der Commerzbank haben die Nachricht, dass die Weyher Filiale noch in diesem Jahr schließt, nicht gut aufgenommen: In einer nicht-repräsentativen Umfrage äußerten sich Kunden besorgt darüber, wo sie künftig gebührenfrei ihren Bargeld-Bedarf decken können. Sie fordern, dass ihr Kreditinstitut zumindest Geldautomaten in Weyhe lässt.

Dagmar Thode aus Kirchweyhe war Postbank-Kundin und wechselte zur Commerzbank (Coba) , als die Postbank an der Kirchweyher Bankenstraße ihre Filiale schloss. Dass sie zum Geldabheben zu den nächsten Automaten der Coba künftig nach Achim oder nach Bremen zum Schüsselkorb fahren müsste, komme für sie nicht infrage.

Das Problem: Commerzbank-Kunden, die mit ihren Karten bei den Kreditinstituten in der Nachbarschaft, also bei der Kreissparkasse oder Volksbank, Bargeld bekommen wollen, müssten für diesen Service Gebühren zahlen, sagen Commerzbank- und Postbank-Kunden.

Doch auch Weyher, die bei anderen Kreditinstituten der „Cash Group“ ihr Konto haben (dazu zählen neben der Commerzbank zum Beispiel die Deutsche Bank, Postbank und Hypo Vereinsbank), haben die Nachricht von der Schließung der Filiale nicht mit Begeisterung aufgenommen. Denn in dieser Commerzbank befinden sich die einzigen Geldautomaten dieses Bankenzusammenschlusses für ganz Weyhe. Für dessen Kunden kosten Auszahlungen keine Zusatzgebühren.

Darüber ärgert sich etwa Stefan Apel aus Bremen: Er hat in Weyhe gewohnt und ist wieder an seiner alten Wirkungsstätte. Er lehne es ab, Extra-Gebühren für das Abheben von Bargeld zu bezahlen, sagt er. Er sei Postbank-Kunde und will zumindest bis zur Coba-Filialschließung Bargeld ziehen.

Karin Haltermann reagiert pragmatisch: Sie tätige viele Bank-Geschäfte online, sagt sie. „Manchmal kann ich nicht ohne Bargeld.“ Dann würde sie eben zur Sparkasse gehen und die Extra-Gebühren zahlen.

Das würde er sicherlich nicht machen: Werner Steckling. Der 69-Jährige aus Kirchweyhe hofft, dass die Commerzbank einen Weg findet, dass die Automaten bleiben. Allein aus Umweltschutzgründen würde er nicht wegen Bargeld kilometerweit fahren, wenn er in unmittelbarer Nähe von zwei anderen Kreditinstituten wohnt. Werner Steckling will sich erkundigen, was ein Umzug seines Kontos von einem zum anderen Kreditinstitut kosten wird.

Die Kreissparkasse nebenan verlangt von Fremdkunden, also zum Beispiel von denen der Commerzbank, für Auszahlungen einen Betrag von 3,50 Euro, sagt deren Sprecher Dennis Land. Es könne aber durchaus sein, dass die Banken der Fremdkunden zusätzliche Gebühren addieren.

Wie hoch die Gebühren sein können, könnte Dagmar Baier, Sprecherin der Commerzbank, nicht pauschal beantworten. Es komme auf den einzelnen Karten-Vertrag und auf das Gebührenmodell an. Es gebe das kostenlose Online-Konto aber auch das Premium-Konto für einen monatlichen Preis von 12,90 Euro, bei dem Versicherungsleistungen und Bargeld im Ausland ohne Gebühren inkludiert seien.

Auch wenn Bargeld – wie die Commerzbank-Sprecherin sagt – ein Auslaufmodell zu sein scheint: Ganz ohne wird es erstmal nicht gehen, sagen Kunden. Sollte der Standort in Weyhe ganz abgebaut werden, würden tausende „Cash Group“-Kunden für einen gebührenfreien Geldautomaten nach Stuhr, Syke oder Bremen fahren müssen.

Harmandeep Kaur Rai aus Bremen, die ab und zu in Weyhe ist, interessiert sich für ein Konto bei der Commerzbank. Da die 40-jährige Mutter von zwei Kindern Kundin bei einem anderen Kreditinstitut sei, das für ihren Geschmack zu hohe Gebühren für eine einzelne Überweisung nehme, wollte sie sich an der Bahnhofstraße über ein Konto informieren. Soweit kommt es nicht, denn sie wünscht sich, dass sie ein Konto bei einem Institut hat, das vor Ort eine Filiale hat. Sie möchte nicht, um Geld abzuheben, erst bis in die Bremer Innenstadt fahren.

Dem stimmt eine Commerzbank-Rentnerin zu. Sie fragt sich, wo all’ die Kunden bleiben, die im Alter nicht mobil sind. „Ich bin froh, wenn ein Terminal für Überweisungen ebenso hierbleibt wie ein Automat für Ein- und Auszahlungen.“ Mit dem Zug von Weyhe nach Bremen zu fahren, kostet für einen Erwachsenen 4,50 Euro pro Strecke. Zugfahren, um in der Innenstadt Geld abzuheben, sei zu teuer, sagt sie. Die Rechnung werde auch nicht besser, wenn man die Parkgebühren dagegen setze, sagt sie. Die ehemalige Bankkauffrau habe jahrelang in jeder Kirchweyher Filiale gearbeitet, die sich noch auf der gegenüberliegenden Seite befunden hatte. Sie glaubt, dass die Chance 1 zu 100 steht, dass Automaten in Weyhe bleiben.

„Die Commerzbank hat gerade 800 Automaten gekauft“, sagt deren Sprecherin Dagmar Beier. Ob es aber einen sogenannten Selbstbedienungsstandort in Weyhe geben werde, wie die Weyher Kunden es fordern, werde zurzeit geprüft, sagt Beier.

Es gebe allerdings noch einen Weg, Bargeld ohne Gebühren „abzuheben“: Beim Einkaufen bei Verbrauchermärkten wie Rewe und Edeka oder bei bestimmten Shell-Tankstellen in der Region, so Beier.

Von Sigi Schritt

Dagmar Thode
Karin Haltermann
Werner Steckling

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