Wührmanns feiern goldene Hochzeit

„Ersatzeltern“ bei „Mille“

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Christa und Fritz Wührmann aus Leeste haben heute vor 50 Jahren kirchlich geheiratet.

Leeste - Von Rosi Freyer. Generationen von Schülern verbinden ihren Namen mit Brausetabletten, Lakritzschnecken, Schokokussbrötchen, Lollys und anderen Leckereien. Christa und Fritz Wührmann betrieben über viele Jahre ein kleines Geschäft an der Ladestraße neben der KGS Leeste, in dem sich die Schüler für den Pausenbedarf eindeckten. Das Paar feiert nun goldene Hochzeit.

Fritz Wührmann – ein „Eingeborener“, wie er selbst sagt – lernte seine Frau beim Tanzen in der Gaststätte Amelung kennen. Christa, geborene Unger, lebte mit ihren Eltern in Brinkum. „Damals war es üblich, dass sich die Brinkumer in Leeste oder umgekehrt nach einem Partner umsahen, denn wir waren ja nicht so mobil wie heute“, erzählt die Jubilarin. „Wir hielten diese Tradition aufrecht, verliebten uns und blieben zusammen.“

Heute vor 50 Jahren läuteten in der Marienkirche die Hochzeitsglocken. „Anschließend feierten wir bei Böttcher“, erinnert sich Christa Wührmann. Die erste Wohnung fand das Paar bei den (Schwieger-)Eltern in Brinkum. Drei Jahre lebten die jungen Leute, dort, gingen ihrer Arbeit im kaufmännischen Bereich nach und bauten nebenbei in Leeste an der Ladestraße ein Haus. 1968 war Einzug, und das Leben der kleinen Familie, inzwischen war Tochter Kirstin geboren, veränderte sich komplett.

1969 eröffneten die beiden einen Milchladen. Als Tochter Simone geboren war, konnte die junge Mutter mit Unterstützung ihres Mannes Geschäft und Kinder unter einen Hut bringen. Mit viel Liebe führten die Wührmanns ihren Laden, den die Kinder „Mille“ nannten. Das Geschäft profitierte von der KGS, die zeitweise mehr als 2000 Schüler besuchten. „Wir haben uns ganz auf die Schüler eingestellt“, erinnert sich die Seniorin.

Bei „Mille“ gab es alles, nicht nur Süßigkeiten und Schulhefte. Stand beim Kunstunterricht Kartoffeldruck an und hatte ein Kind die Knolle vergessen, half Christa aus. Oft nutzten Schüler ihre Küche, um schnell Hausarbeiten zu erledigen, dort wurde manchmal einfach beim Freund abgeschrieben.

„Wir waren Ersatzeltern, führten fast ein soziales Zentrum“, sagt das Paar. Vor allem bei der Zeugnisausgabe waren Wührmanns die erste Adresse, wenn die Noten nicht so perfekt waren. Bei Christa Wührmann gab es für schlechte Noten eine Belohnung, als Ansporn, damit die nächsten besser werden. „Man kann Kinder nicht ausschimpfen, wenn es nicht so gut gelaufen ist. Die ärgern sich selbst schon genug.“

1996 gab das Paar den Laden aus gesundheitlichen Gründen auf. Die beiden zogen ins Elternhaus an den Junkernhof. „Wenn wir heute KGS-Ehemalige treffen, sagen wir immer zu uns, dass wir eines unserer Kinder gesehen haben“, so Fritz Wührmann. „Es war die lebendigste und menschlichste Zeit, die Welt ohne Kinder wäre furchtbar“, resümiert Christa Wührmann.

Bekannt sind die agilen Rentner auch als Prüfer bei der Sportabzeichenabnahme. Natürlich erneuern die Wührmanns das Abzeichen alljährlich selbst. Zudem ruft die Volleyballgruppe Ü40, die einen starken Zusammenhalt hat. Das Paar macht gerne Urlaub, der bis heute rustikal und naturverbunden sein muss, oft mit dem Enkel. „Wir machen Ferien mit Bewegung, große Hotels sind nicht unser Ding“, sagen die Jubilare. Außerdem muss das riesige Haus, der große Garten mit Teich in dem Koy und Teichhuhn zu Hause sind, versorgt werden.

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