Wolfgang Meyer arbeitet an Trilogie über seinen Onkel, den U-Boot-Obersteuermann Willy Meyer aus Kirchweyhe

Der „nasse Tod“ im Indischen Ozean

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Wolfgang Meyer hat zunächst den dritten Band seiner Trilogie über seinen Onkel veröffentlicht.

Kirchweyhe - Von Sandra Hellmers. Ein echter Kirchweyher Jung, schon früh auf großer Fahrt und tragisch zu Tode gekommen: Wolfgang Meyer dokumentiert in einer Buchtrilogie das Leben seines Onkels Willy, der 1943 während des Zweiten Weltkriegs als Obersteuermann eines U-Bootes ums Leben kam.

Schon als Steppke entdeckte Wolfgang Meyer seine Faszination für die Lebensgeschichte seines Onkels. „Meine Großmutter Hilkea, genannt „Käthe“, Meyer übergab mir eines Tages einen Karton mit Fotos, die mein Onkel vor seiner vierten Feindfahrt bei seinen Eltern gelassen hatte. Beim Sortieren dieser Bilder wurde ich neugierig“, erzählt Meyer.

Er wurde vor allem aufmerksam auf Scapa Flow: Das deutsche U-Boot U-47 hatte am 15. Oktober 1939 das britische Schlachtschiff HMS Royal Oak direkt in diesem legendären schottischen Kriegshafen versenkt. An Bord von U-47 war damals auch Willy Meyer als Bootsmann und Richtschütze gewesen.

Als junger Mann recherchierte Wolfgang Meyer weiter, klebte die Bilder fein säuberlich ein und wollte immer mehr wissen über das Leben seines Onkels.

Über die Jahre erhielt er weiteres Material von der Familie. Seine Großmutter, die bis zu ihrem Tod immer davon überzeugt war, dass ihr Ältester noch am Leben und in britischer Gefangenschaft sei, überließ ihrem Enkel Willys Orden und persönliche Gegenstände sowie wichtige Dokumente. Sein Vater Karl-Heinz Meyer gab ihm weiteres Material, das ihm später auch bei seinem anderen Hobby Ahnenforschung half. Zudem recherchierte Meyer in einschlägigen Foren, bereiste zentrale Orte aus dem Leben Willy Meyers und baute schließlich auch Kontakt zu verschiedenen Museen und Forschungsstellen weltweit auf. „Ich habe unter anderem mit dem U-Boot-Museum Cuxhaven und verschiedenen US-amerikanischen und britischen Archiven zusammengearbeitet“, erklärt Meyer.

So sammelte sich über die Jahre jede Menge Material an. „Ich habe es geordnet und dokumentiert, damit ich es meinen Kindern einmal überlassen kann“, sagt Meyer. Diese Arbeit erledigte der Unternehmensberater bevorzugt auf seinen Geschäftsreisen – abends im Hotel. Sein Onkel mütterlicherseits schließlich war es, der ihn auf die Idee brachte, die vielen Dokumente zu einem Buch zu verarbeiten. „Aber das ist so viel Material – da reicht ein Buch gar nicht“, war Meyer recht schnell klar.

So wird es jetzt zunächst eine Trilogie über das Leben Willy Meyers geben. Erschienen ist kürzlich Band 3 – Willy Meyers Dienst auf dem U-Boot U 509 bis hin zu seinem Tod 1943. „Als ich diese Dokumentation zusammenstellte, hat mich die Geschichte schon extrem belastet“, erzählt Wolfgang Meyer. Der „nasse Tod“ seines Onkels, der mit nur 28 Jahren im Indischen Ozean mit der U-509 versank, beschäftigte ihn so sehr, dass er nachts sogar Albträume hatte. Doch es geht ihm bei diesem Buch eben nicht allein um seinen Onkel und dessen Kameraden. „Die Menschen, die in dieser Zeit für nichts ihr Leben ließen, sollen nicht in Vergessenheit geraten“, mahnt Meyer. In seinem Buch wird darum neben der Geschichte von Obersteuermann Willy Meyer zum Beispiel auch jedes einzelne Handelsschiff – mit Bild – aufgelistet, das während der Feindfahrten abgeschossen worden war.

Eine solche Aufarbeitung ist ebenso aufwändig wie einzigartig. Und auch zu den Familien anderer Besatzungsmitglieder der U-509 hat Wolfgang Meyer Kontakt gehabt und einige ihrer Informationen in die Dokumentation eingearbeitet.

Trauriger Abschluss des Buches sind unter anderem Schreiben, die die Familie von der Kriegsmarine bekam und in denen ihr mitgeteilt wurde, dass Willy vermisst sei. Auch der letzte Brief Willys zum Geburtstag seiner Mutter ist abgebildet. Nur einen Tag danach wurde U-509 versenkt.

Band 2 der Trilogie beschreibt die Feindfahrten auf U-47, dem wohl am besten dokumentierten Boot des Zweiten Weltkrieges und wird im Juli erscheinen. Band 1 wird schließlich auch das Leben Willy Meyers in Kirchweyhe beleuchten – ein Eisenbahnersohn mit einzigartiger Geschichte. Weitere Dokumentationen sind in Vorbereitung.

• Das Buch „U-Seewolf – 280 Seetage auf U-509“ umfasst 256 Seiten und ist im Verlag Tredition als gebundene Ausgabe, Taschenbuch oder E-Book erhältlich.

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