Marion Sievert von der Ernst Bartsch GmbH über Aus- und Weiterbildung in Corona-Zeiten

Wo drückt der Schuh?

Schauen sich ein mit Maschinenkraft in Form gebrachtes Stahlbauteil an: Marion Sievert, Assistentin der Geschäftsleitung, sowie die Firmeninhaber Gert (l.) und Jürgen Bartsch, Unternehmer in dritter Generation.
+
Schauen sich ein mit Maschinenkraft in Form gebrachtes Stahlbauteil an: Marion Sievert, Assistentin der Geschäftsleitung, sowie die Firmeninhaber Gert (l.) und Jürgen Bartsch, Unternehmer in dritter Generation.

Weyhe – Welche Themen bewegen derzeit klein- und mittelständische Unternehmen? Eine Antwort auf diese Frage sucht derzeit eine Tochtergesellschaft der Handwerkskammer Hannover. Sie will im Rahmen eines Projektes insgesamt 15 Betrieben in den Landkreisen Diepholz und Nienburg ein maßgeschneidertes Fortbildungspaket schnüren. Das Team aus Hannover macht am heutigen Dienstag Station bei der Ernst Bartsch GmbH in Dreye, die Komplettlösungen im Bereich der Stahlverformung anbietet. Redakteur Sigi Schritt sprach mit Marion Sievert, Assistentin der Geschäftsleitung. Ihre Hauptaufgaben liegen in den Bereichen der Finanzbuchhaltung und der Personalabteilung. Außerdem kümmert sie sich um die organisatorischen und koordinatorischen Aufgaben im Betrieb.

Sie beteiligen sich am Projekt „Herausforderung Fachkräftesicherung“ der Handwerkskammer Hannover. Wieso?

Wie viele Handwerksbetriebe stellt auch uns die Fachkräftesicherung vor eine zentrale Herausforderung. Das geförderte Projekt der Handwerkskammer bietet eine Chance für kleine und mittelständische Unternehmen, ein passgenaues und bedarfsgerechtes Weiterbildungsangebot für das gesamte Team direkt vor der Haustür zu schaffen.

Welche Möglichkeiten sehen Sie?

Für uns bietet sich die Möglichkeit, unser bestehendes Team weiter zu qualifizieren und die Mitarbeiterbindung zu stärken. Unsere Mitarbeiter sind der bedeutungsvollste Faktor für den weiteren Erfolg unseres Unternehmens, und mit der Teilnahme an dem Projekt der Handwerkskammer wollen wir ihnen die Möglichkeit geben, sich individuell weiterzubilden.

Weiterhin hoffen wir, den Nachwuchs zu erreichen und so gute Fachkräfte und qualifizierte Führungskräfte gewinnen zu können. Wir, sowie die Handwerkskammer, nehmen das Thema Nachwuchsrekrutierung sehr ernst und wir glauben daran, dass wir durch das Projekt in Zusammenarbeit mit unserem gesamten Team junge Menschen mit attraktiven Aus- und Weiterbildungsangeboten für das Handwerk begeistern können.

Wie ist Ihr Betrieb bislang durch die Corona-Krise gekommen?

Sicher hat uns die Krise bisher nicht so schwer getroffen wie andere Unternehmen, da wir nicht von den Lockdown-Maßnahmen betroffen waren.

Gab es keine Schwierigkeiten?

Schwierig ist für uns vor allem, dass die mittel oder langfristigen Auswirkungen nicht einzuschätzen sind. Ein sehr großer Vorteil ist, dass wir in der Vergangenheit gut gewirtschaftet haben und ein gutes Liqiditätspolster aufbauen konnten. Um dieses auch in der Zukunft halten zu können, steht die Liquiditätssicherung für das Unternehmen während der Corona-Pandemie im Fokus.

Wie wollen Sie Problemen begegnen?

Man steht immer wieder vor den Problemen, wie man effizient und bestmöglich sein Personal einsetzt, um Risiken, die im Zusammenhang mit dem Coronavirus stehen, zu vermeiden. Im Vordergrund stehen für uns immer die Gesundheit sowie die Sicherheit der Mitarbeiter und Kunden. Um diese zu gewährleisten, haben wir Hygienekonzepte und Gefahrenbeurteilungen neu erarbeitet sowie unseren Mitarbeitern die nötige Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt. Wir wurden mit E-Mails und Hinweisen, die das Coronavirus betreffen, quasi überschüttet. Dies zu filtern, bearbeiten und schnellstmöglich umzusetzen, war nicht immer einfach.

Welche Sorgen hatten die Mitarbeiter?

Es ist nicht einfach, den Mitarbeitern die Ängste um ihre Gesundheit und um ihren Arbeitsplatz zu nehmen. Es mussten Entscheidungen getroffen werden und ein anderer Arbeitsmodus eingestellt werden, mit dem nicht jeder gleich zufrieden war. Daher mussten wir auch als Arbeitgeber lernen, transparenter zu handeln, um unseren Mitarbeitern ihre Sorgen zu nehmen.

Welche Erkenntnisse haben Sie während der Corona-Pandemie gewonnen?

Beruflich gesehen, haben wir festgestellt, dass es wichtig ist, über eine starke Unternehmenskultur und ein starkes Krisenmanagement zu verfügen. Eine Führungskraft, die einen kühlen Kopf behält, ist in dieser Zeit besonders gefragt. Auch die Flexibilität ist für uns als Unternehmen wichtiger geworden. Gerade in Zeiten wie der Corona-Pandemie liegt es in unserer Verantwortung, das Wohlbefinden der Mitarbeiter und Kunden an die erste Stelle zu setzen. Auch wenn es für ein Handwerksunternehmen wie uns nicht möglich war, „Home Office“ Lösungen anzubieten, haben wir die Chance genutzt, weiter an digitalen Lösungen zu arbeiten.

Wie wichtig ist die Digitalisierung?

Die Digitalisierung ist wichtiger denn je, daher werden wir dies auch nach der Corona-Pandemie beibehalten. Unser Unternehmen ist bisher sehr gut durch die Krise gekommen und hat die Pandemie als Chance genutzt, sich deutlich effizienter, digitaler und krisenfester aufzustellen.

Führen auf Distanz – wie klappt das?

Glücklicherweise mussten wir uns bisher zu dem Thema keine großen Gedanken machen. Wir haben einige Maßnahmen eingeführt, um die Gesundheit unserer Mitarbeiter zu schützen, doch auch mit dem nötigen Abstand haben wir es geschafft, weiterhin nah mit unseren Mitarbeitern zusammenzuarbeiten. Von Distanz kann man hier nicht sprechen. Sollte es zu weiteren Maßnahmen kommen, die zur Gewährleistung der Gesundheit der Mitarbeiter eingeführt werden müssen, werden wir auch diese für uns neue Herausforderung bewältigen.

Haben andere Betriebe Ihrer Branche ähnliche Erfahrungen gemacht?

Ja, auf jeden Fall. Das stärkt einen natürlich in so einer Krise. Manchmal tut es gut und es ist hilfreich, sich über Probleme, Möglichkeiten und Ideen austauschen zu können.

Welche Wünsche haben Sie an politisch Verantwortliche?

Die Pandemie stellt Gesellschaft, Wirtschaft und Staat gleichermaßen vor enorme Herausforderungen. Unserer Meinung nach haben wir alles bisher ganz gut gemeistert. Wir wünschen uns weiterhin umfassende und entschlossen Maßnahmen, um Unternehmen zu unterstützen und Arbeitsplätze zu sichern.

Auf welche Schwierigkeiten in der Corona-Krise stießen Ihre Auszubildenden?

Den Auszubildenden ist es teilweise schwergefallen, ohne Präsenzunterricht schulisch mitzuhalten. Unsere Mitarbeiter haben viel Zeit darauf verwandt, sie schulisch zu unterstützen. Wir haben unser Bestes getan, um für alle Unterrichtsfächer Personal abzustellen, um den Unterricht im Betrieb zu gewährleisten. Dies war nicht nur für unsere Auszubildenden, sondern auch für uns als Betrieb eine anstrengende Zeit. Wir denken aber auch, dass sie an dieser Situation persönlich wachsen konnten – unsere Azubis haben viel Ausdauer und Geduld bewiesen und auch während der Krise gute Ergebnisse gebracht.

Die Auswirkungen des Coronavirus haben vielen Personal-Verantwortlichen in Sachen Weiterbildung Kopfzerbrechen bereitet, denn Workshops und Seminare wurden abgesagt. War Ihr Betrieb auch davon betroffen?

Ja. Fast alle Seminare wurden mehrfach verschoben, als online Seminar verkürzt angeboten oder letztendlich komplett abgesagt. Das hat das eigene und betriebliche Zeitmanagement oft stark durcheinandergewirbelt.

Wie wichtig ist Ihnen die Weiterbildung grundsätzlich?

Fort- und Weiterbildung werden für uns ein immer wichtigeres Thema. In der Zukunft sind Unternehmen auf ein hoch qualifiziertes Personal angewiesen. Durch gute, gezielte Weiterbildung bringen unsere Mitarbeiter ein wertvolles Know-how ins Unternehmen. Eine hohe Identifikation und Motivation sind sehr wichtig, um Mitarbeiter langfristig ans Unternehmen zu binden.

In Zeiten der Corona-Krise sind Online-Seminare oft die einzige Fortbildungsmöglichkeit. Haben Sie welche nutzen können?

Unsere Mitarbeiter mussten mehrfach an Online-Seminaren teilnehmen. Vorteil war zwar eine große Zeitersparnis, da die An- und Abfahrt wegfiel, allerdings erfordern diese Online-Seminare viel Selbstdisziplin, um stundenlang konzentriert den Seminaren zu folgen. Nachteilig ist auch der fehlende soziale Kontext. Die Interaktion mit den anderen Teilnehmern steht nicht im Mittelpunkt.

Welche technische Ausstattung haben Ihre Mitarbeiter genutzt?

Die Firma Bartsch stellt ein Laptop mit dazugehöriger technischer Ausstattung, daher kam es glücklicherweise zu keinen Problemen.

Die Handwerkskammer will Ihnen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF-Fonds) geförderten Projekts Fortbildungsstunden anbieten. Welche Themen sind für Sie interessant?

Im Rahmen durch ein des Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Hannover geförderten Projektes erarbeiten wir bereits ein Konzept an einer Digitalisierung der Produktion und der Auftragsbearbeitung und Planung. In dem neuen Projekt „Herausforderung Fachkräftesicherung“ wird das Hauptaugenmerk mehr auf den Themen effizientere Besprechungen, bessere Betriebsorganisation und Weiter- sowie Ausbildung der Führungskräfte und Mitarbeiter liegen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Immer mehr Bildschirme im Auto

Immer mehr Bildschirme im Auto

Deutsche Handballer vor frühem WM-Aus

Deutsche Handballer vor frühem WM-Aus

Biathlon: Die besten Bilder zum Weltcup in Antholz

Biathlon: Die besten Bilder zum Weltcup in Antholz

Das Ruhrgebiet und seine Schlösser

Das Ruhrgebiet und seine Schlösser

Meistgelesene Artikel

Helgstrand Dressage füllt Gestüt in Syke-Wachendorf mit neuem Leben

Helgstrand Dressage füllt Gestüt in Syke-Wachendorf mit neuem Leben

Helgstrand Dressage füllt Gestüt in Syke-Wachendorf mit neuem Leben
Apotheker beruhigen: KN95-Masken sind nicht immer schlecht

Apotheker beruhigen: KN95-Masken sind nicht immer schlecht

Apotheker beruhigen: KN95-Masken sind nicht immer schlecht
Fitnessstudios: Unterschiedliche Wege im Corona-Lockdown

Fitnessstudios: Unterschiedliche Wege im Corona-Lockdown

Fitnessstudios: Unterschiedliche Wege im Corona-Lockdown
Schreckliche Erfahrung: Weyherin im Taxi sexuell belästigt – Bewährungsstrafe für Fahrer

Schreckliche Erfahrung: Weyherin im Taxi sexuell belästigt – Bewährungsstrafe für Fahrer

Schreckliche Erfahrung: Weyherin im Taxi sexuell belästigt – Bewährungsstrafe für Fahrer

Kommentare