Engpässe im Landkreis Diepholz

Fachkräftemangel im Schwimmbad - Kommunen aufeinander angewiesen

Im Weyher Freibad unterstützen im Sommer Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft die Mitarbeiter des Bades bei der Aufsicht. Die DLRG-Ortsgruppe Weyhe hat die Freibadsaison gestern zusammen mit Mitgliedern des örtlichen Schwimmvereins mit dem traditionellen Absprung kostümiert verabschiedet. Foto: Heinfried Husmann

Wenn es drauf ankommt, dann unterstützen sich die Kommunen im Landkreis Diepholz. Gibt es in Twistringen einen Engpass, hilft jemand aus Bassum. Wenn in Weyhe jemand fehlt, springt einer aus Syke ein. Und trotzdem beklagen viele Städte und Kommunen einen Fachkräftemangel bei Fachangestellten im Bäderbetrieb, wie sie offiziell heißen.

Landkreis Diepholz - Zu ihren Aufgaben zählen die Prüfung der Wasserqualität, die Abnahme von Abzeichen oder die Wartung der Technik. Sie sind zuständig, wenn es um Sicherheit im Schwimmbad geht, müssen sich vergewissern, dass die Gerätschaften in einwandfreiem Zustand sind. 

Das unterscheidet ihre Arbeit auch von Rettungsschwimmern, von der DLRG oder dem DRK, die in der Regel freiwillig arbeiten und deren Aufgabe die Beckenaufsicht ist.

Zu wenig Personal im Winter in Bassum

Im Bassumer Hallenbad, das berichtet Norbert Lyko, Erster Stadtrat, sind derzeit vier Stellen besetzt. Wobei eine Kollegin sich im Mutterschutz befinde, weshalb die Winterbesetzung aus lediglich drei Personen bestehe. „Das ist nicht auskömmlich“, so Lyko. 

Insbesondere an den Warmbadetagen, an denen die Wassertemperatur hochgestellt wird, sei sehr viel Andrang im Bad. „Da reicht es nicht, dass ein Fachangestellter Badaufsicht hat.“

Wenig Interesse an Ausbildung

Die Dringlichkeit dieses Problems machte sich insbesondere in der vergangenen Wintersaison bemerkbar, als das Bad tatsächlich an einem Samstag geschlossen bleiben musste, erzählt der Erste Stadtrat.

Obwohl die Stadt immer eine Ausbildungsstelle ausschreibt, die momentan erfreulicherweise auch besetzt ist, finde sich wenig Personal. Woran das liegt, weiß Lyko nicht. Vielleicht an der weniger guten Bezahlung.

Schlechte Bezahlung ungünstige Urlaubszeiten

Das ist auch die Vermutung Harm-Dirk Hüppes, Erster Stadtrat in Twistringen. Dort gibt es ein Freibad. Neben der Bezahlung kommt ihm zufolge dazu: Wenn andere Sommerurlaub machen, können viele Fachangestellten für Bäderbetriebe nicht wegfahren. Dennoch ist er der Meinung: „Das ist ein toller Beruf. Man ist draußen, an der frischen Luft, und hat viel Kontakt zu Menschen.“

In Twistringen sind derzeit drei Schwimmmeister angestellt. Der Bäderbetrieb dauert zwar nur über den Sommer an, in den Wintermonaten helfen die Mitarbeiter dann in Bassum aus. Eine Stelle sei frei geworden, für die die Stadt momentan Ersatz suche. Die Bewerberzahl sei allerdings „sehr überschaubar“ bisher.

Auszubildende scheint sich wohl zu fühlen

Erfreulich sei jedoch, dass am 1. August eine Auszubildende angefangen hätte. „Sie scheint sich wohlzufühlen“, erzählt Hüppe. Dafür versuche man auch zu sorgen, da immer noch die Hoffnung bestehe, eines Tages mal gut besetzt zu sein. 

Zum Beispiel im kommenden Jahr, nach der Sanierung. Es sei möglicherweise für zukünftige Mitarbeiter auch ein Anreiz, in einer Badeanstalt zu arbeiten, die technisch auf dem neuesten Stand ist.

Sanierung in Syke

Eine Sanierung steht auch im Syker Hallenbad bevor, weshalb derzeit keine Azubi-Stelle neu besetzt wird, erklärt Claudia Prößler, Fachbereichsleiterin Bildung und Generationen. 

Wenn in Syke jemand die Ausbildung anfange, müsse er sie dort auch zu Ende machen können. „Das können wir nicht gewährleisten mit der bevorstehenden Sanierung.“ Im Anschluss an die Sanierung soll aber wieder ausgebildet werden, versichert sie.

Enge Zusammenarbeit zwischen den Kommunen

Auch in Syke wird es eng während der Freibadsaison. „Wir haben sechs Fachangestellte“, berichtet Prößler. Hinzu kämen zwei Rettungsschwimmer. 

Außerdem bestünde im Sommer, wie auch die anderen Kommunen es berichten, enge Zusammenarbeit insbesondere mit den Weyhern. Aber auch alle anderen Kommunen würden unterstützt. „Wir wollen alle unsere Bäder behalten.“

Schwierige Suche nach Auszubildenden

Das sieht Susanna Clottey, Stellvertretende Fachbereichsleiterin Schule, Sport, Kultur und Jugendpflege, auch so. „In Weyhe haben wir zum Glück Schwimmmeister, die langjährig beschäftigt und sehr treu sind.“ Dennoch würde auch sie bemerken, wie schwierig es ist, allein die Ausbildungsstellen zu besetzen

Der Job scheint nicht beliebt bei den jungen Leuten, obwohl derzeit eine „ganz tolle“ Azubine bei der Gemeinde beschäftigt ist. „Mir graut es aber schon vorm nächsten Jahr, wenn wir die Stelle neu besetzen müssen.“ Das sei in jedem Jahr mit viel Aufwand verbunden. Der Azubi, der im vergangenen Jahr fertig geworden ist, sei der Badeanstalt abhandengekommen, wie Clottey berichtet.

Ausbildung bringt sicheren Job

Auch in Weyhe werden im Sommer Rettungsschwimmer der DLRG hinzugezogen, die zusätzlich für Aufsichten eingesetzt werden. Im Freibad arbeiten sonst festangestellt ein Badebetriebsleiter und zwei Fachangestellte. 

Diese sind das ganze Jahr über beschäftigt, „weil wir ja noch Lehrschwimmhallen haben und eine Vereinbarung mit Syke“. Daran verdeutliche sich der bundesweite Fachkräftemangel. Obwohl eines sicher sei: „Wer diese Ausbildung anfängt, wird nicht arbeitslos.“

Veraltetes Berufsbild

Diese positiven Aspekte hervorzustellen, versuchen auch die Stadtwerke Huntetal, die das Hallenbad und das Freibad in Diepholz betreiben. Dort sind sechs Mitarbeiter beschäftigt, wie Daniela Nählen mitteilt. Hinzukommen normalerweise Auszubildende – das ist in diesem Jahr aber nicht der Fall.

Weiterhin teilen die Stadtwerke mit, dass die Vorstellung des Berufes veraltet sei. Früher waren eher handwerkliche Kenntnisse gefragt, heute müssen die Fachangestellten in der Lage sein, Badegäste aller Altersklassen ohne Berührungsängste in Kursen anzuleiten.

DLRG hilft in Diepholz

Um die richtigen jungen Leute zu finden, beteiligen sich die Stadtwerke Huntetal an Berufsmessen und Infoveranstaltungen für potenzielle Azubis. Auch in Diepholz hilft die DLRG, Unterstützung anderer Kommunen oder Engpässe nennen die Stadtwerke aber keine.

Ähnlich ist das in Wagenfeld, wo die Lage derzeit entspannt sei. „Wir haben ein Hallenfreibad“, berichtet Bürgermeister Matthias Kreye, wo neben dem Betriebsleiter zwei Vollzeitkräfte, eine Teilzeitkraft und zwei Azubis arbeiten. Im Sommer helfe zusätzlich die Wasserwacht des DRK. „Zum Glück sind wir gut aufgestellt und die Gemeinde hat vorgesorgt“, erzählt Christian Möllers, Badbetriebsleiter.

Fitness und technisches Verständnis gefragt

Doch auch er beklagt den Mangel an Nachwuchskräften.„Früher haben sich bestimmt 14 Leute auf so eine Stelle beworben, heute sind es maximal zwei.“ Dann müssten ja auch noch die Voraussetzungen stimmen. 

„Jemand der diese Ausbildung absolvieren will, muss schwimmsportlich sein.“ Dazu kämen zudem technischen Aufgaben und die Verwaltungsarbeit. „Der Job ist abwechslungsreich, es ist nicht nur mit Aufsicht getan. Also ich bin dazu berufen.“

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