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Von Fridays-for-Future-Bewegung inspiriert: „Wir wollen Äcker aufforsten“

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Von: Sigi Schritt

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Weyhe - Nicht nur reden, sondern handeln, lautet die Devise von Ralf Gutjahr. Der 49-Jährige aus Sudweyhe hat sich von der internationalen Fridays-for-Future-Bewegung – speziell von der Klimaprotest-Ikone Greta Thunberg inspirieren lassen – und hat einen Naturschutz-Verein gegründet. Ziel des Vereins mit dem Namen B-Native ist es, Ackerland mit Laubbäumen zu bepflanzen, um dadurch Urwälder entstehen zu lassen.

„Viele leugnen den Klimawandel, aber er existiert trotzdem“, sagt der Weyher. Weshalb sich der Verein nur auf Wälder spezialisieren will?“ Diese seien natürliche Klimaanlagen für die Welt, so Gutjahr. Er und seine Mitstreiter hätten sich auch dem Naturschutzbund oder Organisationen wie Robin Wood anschließen können, aber der Weyher wollte eben nicht Teil einer großen Organisation sein, die auch viel Geld für die Buchhaltung und Werbung ausgeben muss.

„Wir streben mit den Urwäldern, die wir entwickeln wollen, natürlich gewachsene Wälder an, in denen die Natur alles selbst regelt“, erklärt Gutjahr. Denn schließlich könnten die Bäume schon seit Tausenden von Jahren auch ohne Zutun des Menschen wunderbar alleine wachsen. Er und seine Mitstreiter möchten, dass die Wälder „mehrere Hundert Jahre alt werden“. In privaten oder Wirtschaftswäldern der öffentlichen Hand würden Bäume nach 80 bis 120 Jahren geschlagen.

Der Verein will seine Aufforstungsprojekte mit Laubbäumen angehen. Laut Gutjahr seien im Gegensatz zu Nadelbäumen Laubbäume nämlich „die besseren CO2-Speicher“.

Weyhe ist die waldärmste Gemeinde im Kreis Diepholz. Dieses Bild zeigt den Waldkater in Melchiorshausen. Foto: Sigi Schritt
Weyhe ist die waldärmste Gemeinde im Kreis Diepholz. Dieses Bild zeigt den Waldkater in Melchiorshausen. © Sigi Schritt

Um seinem Ziel näher zu kommen, benötigt der Verein Geld. Viel Geld. „Wir müssen geeignetes Ackerland oder Wiesen finden und sie dann kaufen“, sagt Ralf Gutjahr. In der Region liegen die Preise zwischen zwei und sieben Euro je Quadratmeter. Also würde – abhängig vom Bodenrichtwert – der Preis für einen Hektar Land bei 70.000 Euro liegen. Die Stecklinge kosten zwischen 20 bis 30 Cent. Für einen größeren Baum, etwa 1,50 Meter hoch, würde der Verein bis zu fünf Euro bezahlen müssen. Die Flächen werden nicht im Ausland liegen, sondern in Niedersachsen. Es gehe um Transparenz und darum, Anpflanzungen von Setzlingen, überprüfbar zu machen.

Allerdings sei Trockenheit ein Feind von Anpflanzungen. Man müsste mit einem Ausfall von bis zu 20 Prozent rechnen. Deshalb ziehen Gutjahr und seine Mitstreiter es vor, Pionierbäume zu setzen, die schnell wachsen und anderen Bäumen Schatten spenden. An den Rändern der Wälder sollten niedrig wachsende Sträucher wie die Haselnuss gepflanzt sein – das würde auch später Sturmschäden vorbeugen.

Über liquide Mittel verfügt der Verein noch nicht. Im April wurde auf einer sogenannte Crowdfunding-Plattform ein Spendenaufruf veröffentlicht, doch das Spendenziel, 10.000 Euro einzunehmen wurde verfehlt. Es sei nur ein Zehntel zusammenkommen. Deshalb wurde die Aktion auch abgebrochen. Der Verein macht die Corona-Krise dafür verantwortlich, dass die Menschen eher zögerlich ihnen Geld anvertraut hätten. Jetzt seien die Beträge von einem Treuhänder wieder zurückgezahlt worden.

Bilden den Vorsitz eines neuen Naturschutzvereins mit Sitz in Weyhe: Ralf Gutjahr (links) und Uwe Klüngler. Foto: Sigi Schritt
Bilden den Vorsitz eines neuen Naturschutzvereins mit Sitz in Weyhe: Ralf Gutjahr (links) und Uwe Klüngler. © Sigi Schritt

Dem Vorstand sei auch klar, dass man selbst mit einer Summe von 10.000 Euro „keine großen Sprünge“ machen könne. „Wir wollen erst mal klein anfangen“, sagt der Vize-Vorsitzende Uwe Klüngler. Im Herbst will der Verein erneut eine Spendenaktion starten. Der Verein möchte auch bekannter werden – zwar seien Stände zum Beispiel auf Herbst- und Frühjahrsmärkten in Weyhe nicht geplant, aber für die Zukunft denkbar. Spendenaktionen am Jahresende seien ebenfalls ins Auge gefasst worden, obwohl Ralf Gutjahr weiß, dass sein Verein mit Aktionen wie SOS Kinderdörfer oder Brot für die Welt konkurriert.

Was ihren Verein besonders macht? Laut Satzung dürfen Vorstandsmitglieder keinen Euro verdienen, so Gutjahr. „Wir arbeiten also ehrenamtlich“, außerdem dürften Grundstücke, die B-Native erwirbt, nicht verkauft werden. Sollte der Verein tatsächlich einmal aufgelöst werden, würde das Vermögen an Robin Wood oder deren Rechtsnachfolger gehen.

Der junge Verein – das Finanzamt hat nach der Darstellung Gutjahrs die Gemeinnützigkeit erst vor ein paar Monaten erteilt – hätte auch wegen der Corona-Krise mit der Verwaltung der Gemeinde Weyhe noch keinen Kontakt aufgenommen. Das will der Vorstand aber nachholen. „Wir wollen uns mit den Behörden kurzschließen“, denn deren Fachleute könnten dem Verein auch sagen, welche Bäume erwünscht seien. Dann will sich der Vorstand mit einer geeigneten Großgärtnerei oder mit einem Forstamt zusammensetzen, um zum Beispiel Stecklinge zu erwerben.

Ralf Gutjahr und Uwe Klüngler seien beide zwar schon immer naturverbunden gewesen, aber hätten beruflich einen anderen Weg eingeschlagen.

Ralf Gutjahr, geboren 1971 in Delmenhorst, ist in Bremen aufgewachsen und hat eine Ausbildung zum Industriemechaniker, Fachrichtung Maschinen und Systemtechnik, absolviert. Der Vater einer Tochter habe sich zwar schon immer für Naturschutzthemen interessiert, die Aufmerksamkeit sei seit 2006 gesteigert, seit er mit seiner Familie nach Sudweyhe gezogen ist. Dort befindet sich jetzt auch der Vereinssitz.

Wie der Vorsitzende arbeitet auch Uwe Klüngler bei einem Autobauer in Bremen. Geboren 1961 in der Nähe von Aurich, zog er mit seinen Eltern nach Bremen. Er wuchs in der Innenstadt auf, und der Bürgerpark sowie die Natur um das Uni-Gelände waren seine Spielwiesen. Der Familienvater habe damals von der Natur profitiert, deshalb will er der Natur etwas zurückgeben, um den Generationen nach ihm etwas Bleibendes zu hinterlassen: Urwälder, die der Mensch in Ruhe lässt.

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