Sorge um Flora und Fauna

Bebauung am Wieltsee in Dreye: Nabu hofft auf Raum für Natur

Hafenmeister Axel Budelmann von der Marina am Dreyer Wieltsee deutet auf die Abbruchkante am Südufer des Gewässers hin, dort wo Ufer-Schwalben in Höhlen ihre Eier ausbrüten. Von links: Jonas Jäschke und Ulrike Buck der Nabu-Gruppe in Weyhe kennen die Stelle und achten darauf, dass dort insbesondere in der Brutzeit die Vögel nicht gestört werden.
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Hafenmeister Axel Budelmann von der Marina am Dreyer Wieltsee deutet auf die Abbruchkante am Südufer des Gewässers hin, dort wo Ufer-Schwalben in Höhlen ihre Eier ausbrüten. Von links: Jonas Jäschke und Ulrike Buck der Nabu-Gruppe in Weyhe kennen die Stelle und achten darauf, dass dort insbesondere in der Brutzeit die Vögel nicht gestört werden.

„Wir sind jetzt sehr wachsam. Und wir sind oft hier vor Ort“, erklärt Ulrike Buck vom Weyher Naturschutzbund (Nabu) am Rande des Wieltsees in Dreye. Anfang März ging es bei einer Ausschusssitzung im Weyher Rathaus um den Bebauungsplan, das Gelände um den Wieltsee herum betreffend.

Dreye – „Die Gemeinde möchte einen Plan aufstellen, der hier alles ordnet und entwickelt. Es geht darum, Nutzungskonflikte zu regeln und eine planungsrechtliche Absicherung von Bestandsnutzungen der Vereine und der Marina herzustellen. Es geht auch um die Schaffung von angemessenen Entwicklungsmöglichkeiten“, berichtet sie von Informationen, die sich auch in der amtlichen Bekanntmachung vom 18. März nachlesen lassen.

„Entwicklung kann ja bedeuten, man lässt noch Raum für die Natur oder man entwickelt alles für Freizeitaktivitäten. Das wissen wir nicht so genau“, sorgt sie sich um Flora und Fauna. „Uns geht es darum, festzuhalten, was hier in der Vogelwelt so los ist und wir hoffen, dass für die Natur Lebensräume übrig bleiben.“

Jonas Jäschke, der als Mitglied der Ornithologiegruppe im Nabu genau weiß, was am Wieltsee und der Alten Weser kreucht und fleucht, macht fast jede Woche eine Runde durch die Marsch. Von einem Bootssteg der Marina aus blickt er hinüber zu einer rund zwei Meter hohen Abbruchkante am Südufer des Wieltsees. „Ufer-Schwalben sind klassische Bewohner von Abbruchkanten. Von April bis September haben sie hier ihr Brutrevier und bauen armlange Niströhren“, erklärt der 23-Jährige. „In unserer begradigten Landschaft gibt es solche Abbruchkanten ja kaum noch. Das hat Seltenheitswert.“ Deswegen sei die Gegend aus Nabu-Sicht auch besonders schützenswert.

Lebensraum für Vögel

„Das hier ist der natürliche Lebensraum für diese Vögel“, sagt der Experte. „Ich habe auch schon Ufer-Schwalben an Kanten gesehen, die waren nur halb so hoch wie diese hier. Die Vögel müssen nehmen, was sie kriegen können. Die haben ja keine Wahl.“

Ulrike Buck bestätigt: „Wenn man das Fernglas nimmt, sieht man da drüben eine Bruthöhle neben der anderen. Dort ist momentan ganz viel Betrieb.“

Für Hafenmeister Axel Budelmann sind die eleganten Flieger an seinem Gewässer alte Bekannte. „Von meinem Büro aus sehe ich sie immer neben der Gaststätte und dem Bootssteg umherflitzen“, zeigt auch er sich beeindruckt von der Flugkunst der kleinen Vögel, die ihre Insekten-Beute geschickt in der Luft einsammeln.

„Wir werden die Marina nicht vergrößern, wir werden nur alte Steg-Anlagen austauschen. Vielleicht machen wir vor dem Campingbereich noch etwas, damit die Camper ihre Boote direkt vor ihren Plätzen hinlegen können. Mehr passiert hier nicht“, beruhigt Axel Budelmann die Nabu-Vertreter.

„Selbst Seeadler ziehen hier gelegentlich rüber“

„Heute ist es relativ ruhig, aber neulich habe ich über 20 Reiherenten und auch Schwäne auf dem Kleinen Wieltsee gesehen“, erzählt Jonas Jäschke. In der kalten Jahreszeit kommen noch die Wintergäste dazu, die sich aus Skandinavien auf eisfreie Wasserflächen zurückziehen. „An manchen Tagen kann man hier zahlreiche Gänsesäger, Bergenten, Pfeifenten, Haubentaucher, Blesshühner und Schwertsäger sehen“, berichtet er.

Es sei schon beeindruckend, wie viele Vögel aus Nordeuropa auf der Alten Weser, dem Kleinen und dem Großen Wieltsee als Wintergäste zu beobachten sind. „Ich habe noch nie so viele Gänsesäger hier in der Gegend gesehen wie in diesem Winter“, beschreibt Jäschke die Situation. „Nilgänse haben sich mit einer recht zahlreichen Brut massiv verbreitet und sich hier als Gefangenschaftsflüchtlinge rapide etabliert“, erklärt Jonas Jäschke beim Anblick des afrotropischen Entenvogels am Rande des Großen Wieltsees. Schwanzmeisen, Zilpzalp, Rohrammer und Teichrohrsänger ergänzen die Artenvielfalt in Dreye. „Selbst Seeadler ziehen hier gelegentlich rüber, auch Wanderfalken und kleine Baumfalken wurden bereits beobachtet.“

„Im Gespräch ist, dass auf der östlichen Landzunge zwischen Goßem Wieltsee und der Weser Campingmöglichkeiten geschaffen werden sollen“, berichtet Ulrike Buck. Auch eine Badestelle am kleinen Wieltsee sei in einer Ideensammlung vorhanden. „Das ist ein schöner Sandbereich für Badewillige, aber natürlich auch für die Tiere“, gibt sie zu bedenken.

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