CDU will Melchiorshauser Förderschule während Sanierung der KGS als Außenstelle einrichten lassen / Skeptisches Echo

Vorbereitung aufs Abi im „Idyll“ an der B6

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Kurt Meyer (l.) und Andreas Wohltmann (3.v.l.) vom CDU-Vorstand sowie Parteichef Dietrich Struthoff (2.v.l.) und Ratsmitglied Heino Hildebrand wollen, dass die Förderschule in Melchiorshausen als KGS-Außenstelle genutzt wird.

Melchiorshausen - Von Philipp Köster. Die Weyher CDU möchte, dass die Förderschule in der Leester Heide ab dem kommenden Schuljahr als Außenstelle der KGS Leeste betrieben wird. Einen entsprechenden Antrag an den Bürgermeister hat der Fraktionschef der Christdemokraten, Dietrich Struthoff, gestern vor Ort in Melchiorshausen der Presse vorgestellt. Grund sind die ab 2016 startenden „umfangreichen Sanierungsarbeiten“.

In dem Schreiben an den Verwaltungschef Andreas Bovenschulte heißt es, dass die Arbeiten „einen störungsfreien Unterricht in großen Teilen der Schule für mehrere Jahre unmöglich machen“.

Andererseits gebe der Landkreis die Förderschule in den kommenden Jahren auf, weil die Schülerzahlen aufgrund der Inklusion deutlich gesunken seien. Aktuell werden dort 21 Schüler unterrichtet. „Wir befürchten, dass die Förderschule leerläuft, wenn sie nicht mehr durch den Landkreis genutzt wird“, sagt Struthoff. Das würde sich nach der Schließung der Grundschule vor zwei Jahren zum Nachteil auf den Ortsteil auswirken.

Die CDU denkt in erster Linie an die Oberstufenschüler, die nach Melchiorshausen gehen könnten. „Sie sind mobil und nutzen die Mensa der KGS ohnehin nicht.“ Es sei unerheblich ob zum Beispiel die Lahauser Elft- und Zwölftklässler nach Leeste oder über die Lahauser Brücke nach Melchiorshausen fahren. Ebenso sei es zweitrangig, ob der Schulbus aus Dreye die KGS oder die Einrichtung in der Nähe der B6 ansteuert.

Die vor einigen Jahren renovierte Förderschule sei eine komplette Einrichtung mit allen notwendigen Fachräumen nebst Sport- und Schwimmhalle sowie intakten Außenanlagen. Das ruhige Ambiente in Melchiorshausen sei der Vorbereitung auf das Abitur förderlich, finden die Christdemokraten Struthoff, Heino Hildebrand, Kurt Meyer und Andreas Wohltmann. Anders sei es in Leeste, wenn die „bestimmt zwei bis drei Jahre dauernde“ Modernisierung beginne. Lärm, Staub und andere Beeinträchtigungen kämen dort auf die Schüler zu. Container in Leeste aufzustellen, hält die Weyher CDU nicht für sinnvoll. „Außerdem gibt es zurzeit keine auf dem Markt“, sagt Struthoff, oder nur zu überhöhten Preisen.

Die Gemeinde soll demzufolge Kontakt mit dem Landkreis aufnehmen und in Verhandlungen treten, „um kurzfristig die Schulgebäude in der Leester Heide anzumieten oder vom Landkreis ganz zu übernehmen“, wird der Bürgermeister in dem Antrag aufgefordert.

Bereits nach der Schließung der Melchiorshauser Grundschule waren zwei Klassen nebenan in der Förderschule untergekommen. Die frühere Grundschule nutzt die Gemeinde als Unterkunft für derzeit 16 Flüchtlinge.

Das Ansinnen der CDU ist nicht das erste dieser Art. Bereits vor zwei Jahren hatte Dietrich Struthoff im Kreisschulausschuss den Antrag gestellt, das Gebäude an der Leester Heide als Außenstelle für die Ausbildung in der Altenpflege zu nutzen. Jedoch vergeblich.

Der Direktor der KGS Leeste, Rainer Patzelt, hielt sich gestern auf Nachfrage bedeckt. Sicher sei nur, dass im kommenden Jahr keine Oberstufenschüler woanders unterrichtet würden, weil dann erst noch die Planungen für die Sanierung liefen.

Noch knapper der Adressat des Antrags, „Bürgermeister Herr Dr. Bovenschulte, lieber Andreas“: „Bei mir im Rathaus ist kein Antrag der CDU eingegangen. Mir ist kein Antrag bekannt.“

Elmar Könemund, Fraktionschef der Weyher Grünen, findet die Idee der CDU für die Zeit des Umbaus grundsätzlich nicht abwegig, bezweifelt aber, dass es sinnvoll ist, dass die Gemeinde sofort in Verhandlungen mit dem Kreis tritt. „Das ist zu verfrüht.“ Vor einer Festlegung müssen die Vor- und Nachteile der Beschulung drei Kilometer entfernt von der KGS geprüft werden. Auch müssten die Kommentare der Schulleitung eingeholt werden.

Ähnlich äußert sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Seidel. Vor der Antragstellung hätte die CDU das Gespräch mit der Schule suchen müssen. „Ich hätte erwartet, dass sie mit den Fachleuten vor Ort sprechen, ob das (die Beschulung in der Außenstelle, d. Red.) überhaupt ins pädagogische Konzept passt.“ Auch müsse zuvor herausgefunden werden, ob der Landkreis nicht etwas anderes mit dem Gebäude vorhabe. Nachdem die Pflegeschule statt in Melchiorshausen in Syke untergekommen sei, ergäben sich womöglich „Wechselwirkungen“.

Das nächste Jahr als Starttermin komme nicht infrage, denn dann befände sich die Gemeinde noch in der Planungsphase für die Sanierung. Die Jugendlichen schon vorab nach Melchiorshausen zu schicken, bedeute „Geld rauszuschmeißen“, sagte Seidel. Und schließlich hätte er sich gewünscht, dass das Ansinnen der CDU, von dem er durch die Kreiszeitung erfahren habe, im Lenkungsausschuss Mitte September vorgetragen worden wäre. „Dort hätte man den Ball hochwerfen können.“

Auch der Weyher FDP-Chef Günther Borchers bedauert, nicht vorher informiert worden zu sein. Das sei zumindest zeitgleich mit allen Fraktionsvorsitzenden und dem Bürgermeister nebst Presse sonst so üblich. Er gibt zu bedenken, dass die Schülerzahlen wieder steigen könnten, wann und ob die Förderschule geschlossen werde, sei ungewiss. „Außerdem könnte es sein, dass der Landkreis die Schule zum Beispiel für Sprachlernklassen für Flüchtlinge nutzen wird. Die Entfernung zwischen KGS und Außenstelle berge Organisationsprobleme, „eine ,Insellösung‘ scheint mir problematisch zu sein“.

Statt die Verwaltung zu beauftragen, sollte die CDU ihren Vorschlag in der AG Schulsanierung thematisieren, findet auch Günther Borchers.

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