Streit um Familiengrab nach unbezahlter Rechnung: Oma darf noch nicht hinein

Ein Wiedersehen im Himmel, nicht auf dem Friedhof

Wiebke Stephani lebt mit ihren drei Kindern Francine-Sophie (neun Monate alt), Vincenzo-Luca (2) und Giulia-Sicilia (3) in der Schweiz. Ein Trauerfall führt die ehemalige Weyherin wieder in die Region. - Foto: Ehlers

Kirchweyhe - Von Sigi Schritt. Wer eine Unterschrift leistet, sollte sich der Konsequenzen bewusst sein. Bittere Erfahrungen mit den Folgen macht derzeit die ehemalige Weyherin Wiebke Stephani (34), die im vergangenen Jahr nach dem Tod ihres Vaters vorzeitig ein Familiengrab übernommen hat.

Der Umstand, dass Kosten in Höhe von rund 2400 Euro bei der Friedhofsverwaltung nicht beglichen sind, verursacht Probleme: Ihre Oma ist am 8. Juni verstorben und soll nun in einem Reihengrab, nicht aber in dem von ihrer Enkelin favorisierten Familiengrab bestattet werden. Der 34-Jährigen, die in der Schweiz lebt, reicht das nicht.

Die verstorbene Oma, Irmgard R., habe die Vorstellung gehegt, dass die Familie auch im Tod zusammenrücken sollte. Deshalb hat sie in dem Familiengrab laut Stephani nicht nur ihren verstorbenen Ehemann, sondern auch ihren Lebenspartner beerdigen lassen. Damit nicht genug: Auch die Urne von dessen vor Jahren verstorbenen Frau, die ursprünglich auf einem Bremer Friedhof beigesetzt worden war, hatte die Oma der Schilderung der Enkelin zufolge nach Kirchweyhe geholt. „Meine Oma hatte zu dieser Stelle eine sehr emotionale Bindung“, sagt Stephani. Die Felicianusgemeinde lehnt den Wunsch der Enkelin vorerst ab und fordert, die Beerdigungsgebühren zu begleichen. Wie aus der Satzung zu entnehmen ist, hat sie dafür mehrere Gründe: Die Nutzung einer Grabstätte kann entzogen werden, heißt es dort, wenn beispielsweise das Areal nicht gepflegt ist oder die vom Nutzungsberichtigten zu tragenden Gebühren nicht entrichtet worden ist. Beides trifft zu, bestätigt Pastor Albert Gerling-Jacobi als Vorsitzender des Kirchenvorstands auf Nachfrage. Würde die Enkelin ihre Gebühren samt Mahn- und Inkassobeträgen bezahlen, würde die Kirchengemeinde sogar auf die Kosten für den möglichen Mehraufwand bei der bevorstehenden Beerdigung etwa für die Verrückung des Steins verzichten.

„Ich bin aber nicht in der Lage, das komplette Geld sofort auf den Tisch zu legen“, sagt Wiebke Stephani. Die Gebührenrechnung habe sie schlicht verschwitzt, sagt sie selbstkritisch. Die 34-Jährige erläutert, dass sie außerdem nach dem Trauerfall des verstorbenen Vaters im März 2015 mit vielen Problemen gekämpft habe. Sie nannte als Beispiele eine Fehlgeburt, ein Krankenhausaufenthalt in einer Risikoabteilung und die Geburt eines Frühchens. Jetzt versucht sie, dass Freunde kurzfristig zusammenlegen.

Mit einem Umzug innerhalb der Schweiz begründete sie den Umstand, weshalb Mahnbriefe eines Stuhrer Inkassobüros an den norddeutschen Absendeort zurückkehrten. Aber auch diesen Punkt regelt die Satzung eindeutig: Die Kirchengemeinde kann aus diesem Grund eine Nutzung entziehen.

Es sei keine Frage, dass die verstorbene 90-Jährige ein ordentliches Begräbnis bekommt, erklärt der Pastor. Allerdings sei der Trauerfall getrennt von der Übernahme des Familiengrabs zu betrachten. Nicht die Enkelin sei laut Gesetz für diese Bestattung verantwortlich, sondern ihre Mutter, die in einer Kirchweyher Seniorenresidenz lebt. Sie habe erst jetzt einen Antrag auf Kostenübernahme gestellt. Die Leiterin des zuständigen Fachdienstes Soziales beim Landkreis, Ulrike Tammen, erläutert, wie es in solch einem Fall läuft: Das Amt werde den Antrag so schnell wie möglich prüfen und entscheiden. Dann würde der Fachdienst einem Bestattungsunternehmer den Auftrag erteilen. „Die Oma bekommt eine angemessene und ortsübliche Beerdigung“, so Tammen. Das bedeutet, dass das Amt – wenn es üblich ist – neben einem Sarg in solider, einfacher Ausstattung unter anderem den Schmuck ebenso bezahlt wie einen Gedenkstein. Besteht der Anspruch, übernimmt der Landkreis laut Tammen die Kosten einer „würdigen Bestattung“ in einem Reihengrab. Der Fachdienst gebe die anvertrauten Steuergelder allerdings nicht aus, um alte Rechnungen zu begleichen. Diese Antwort hatte der Pastor bei seiner Anfrage ebenfalls erhalten. „Ein Reihengrab als günstige Bestattungsform ist ja nichts Verwerfliches“, sagt Gerling-Jacobi. Er kann es zwar nachvollziehen, wenn die Mutter von drei Kindern mit allen Mitteln kämpft, weil sie der Oma etwas versprochen hat, doch der Vorsitzende des Kirchenvorstands hat als Pastor eine andere Sichtweise: „Wir sehen uns nicht auf dem Friedhof, sondern im Himmel wieder.“

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