Weyher Videothekar fürchtet neue Regelungen zur Sonn- und Feiertagsarbeit

„Wir werden da echt benachteiligt“

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Habib Bejaoui mit Filialleiterin Angelique vor der Videothek in Erichshof. Archivfoto: Jysch

Erichshof - Von Rainer Jysch. Habib Bejaoui versteht die Welt nicht mehr. Der Unternehmer betreibt die Videothek „Empire“ in Erichshof sowie insgesamt acht weitere im Nordwesten. Der Verwaltungssitz der Firma und das Lager befinden sich in Brinkum. Bejaoui ist von höchstrichterlichen Entscheidungen betroffen, die momentan eigentlich nur im Bundesland Hessen gelten.

„Als das Leipziger Bundesverwaltungsgericht Ende November eine in Hessen bestehende Verordnung zur Sonn- und Feiertagsarbeit aufhob, riefen viele Kunden bei uns an und wollten wissen, ob wir jetzt auch sonntags geschlossen haben“, berichtet der 45-jährige Kaufmann. „Natürlich haben unsere Videotheken weiterhin auch sonntags geöffnet“, erklärt er. „Die Entscheidung der Bundesrichter gilt momentan nur für das Land Hessen“. Darüber habe er seine Kunden in mehr als 8500 E-Mails und durch Aufsteller in den Videotheken informiert.

Allerdings: Wie der Interessenverband des Video- und Medienfachhandels mitteilt, haben einige Länder bereits angekündigt, dass sie – sobald die Urteilsbegründung vorliegt – ihre Verordnungen entsprechend überprüfen werden.

Die Gewerkschaft Verdi und zwei evangelische Dekanate aus Hessen hatten gegen die dort bestehende Regelung zur Sonntagsarbeit geklagt und teilweise Recht bekommen. Ihre Beschwerde richtete sich gegen eine Verordnung des Landes Hessen, die 2011 Ausnahmen für den eigentlich arbeitsfreien Sonntag zugelassen hatte.

Betroffen sind auch Bibliotheken und Callcenter. Wettbüros dürfen nach dem jüngsten Urteil öffnen, können aber nur Wetten abschließen für Ereignisse, die am selben Tag über die Bühne gehen. Überhaupt keine Einschränkungen gibt es dagegen für Kinobetreiber, die nach den Worten von Habib Bejaoui im direkten Wettbewerb zu den Videotheken stehen. „Wir werden da echt benachteiligt, und das ist absolut verbraucherunfreundlich.“

„Seit 2002 gibt es in Niedersachsen eine sogenannte Bedarfsgewerbeverordnung, wonach den Videotheken die Sonntagsöffnung erlaubt ist“, sagt Bejaoui. „Wo ist denn jetzt der Ansatz, dass das alles schlecht ist?“, fragt er. Viele seiner Mitarbeiter würden aufgrund der Feiertagszuschläge gerne am Sonntag arbeiten, sind teilweise auch auf die erhöhten Einnahmen angewiesen, berichtet er.

Unabhängig davon, dass Habib Bejaoui die Entscheidung der Leipziger Richter nicht nachvollziehen kann, habe er schon einmal ermittelt, welche finanziellen Auswirkungen die Ausweitung des Leipziger Urteils auf seine Geschäfte in Niedersachsen haben würde. „Allein aufgrund der Veröffentlichung der auf Hessen beschränkten Entscheidung, kamen am letzten November-Sonntag 25 Prozent weniger Kunden. Und der Umsatz sank an diesem Tag um 36 Prozent“, zitiert der Videothekar aus seinen Aufzeichnungen. „Wir hatten in den jüngsten Wochen sonntags bis zu 600 Kunden in den Läden. Fiele die Sonntagsöffnung weg, hätten wir über das Jahr gesehen neun Prozent weniger Umsatz“, befürchtet Bejaoui bei einer Übernahme der Regelungen durch das Land Niedersachsen. Der Ausfall ließe sich nirgendwo auffangen, zumal er ab Januar den Mindestlohn zahlen werde. „Das vernichtet Arbeitsplätze“, prophezeit er.

Die Richter argumentieren, dass die Filme schon am Freitag ausgeliehen werden könnten, um sie am Sonntag zu sehen. Die Realität sehe aber anders aus, entgegnet Habib Bejaoui aufgrund seiner Erfahrungen mit dem Kundenverhalten: „So funktioniert das Leben nun mal nicht.“

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