Macher und Mitgestalter gestorben

„Traf den Nerv der Zeit“: Ohne Frank Pinkus steht dem Weyher Theater ein Kraftakt bevor

Frank Pinkus (vorne) und Kay Kruppa Anfang August in einer neuen Kulisse des Weyher Theaters.
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Frank Pinkus (vorne) und Kay Kruppa Anfang August in einer neuen Kulisse des Weyher Theaters.

Frank Pinkus, das vielleicht prägendste Mitglied des Weyher Theaters, ist am Donnerstag völlig unerwartet gestorben. Sein Tod hinterlässt eine riesige Lücke.

Weyhe – „Das sind die Starken, die unter Tränen lachen, eigene Sorgen verbergen und andere glücklich machen“: Diese legendäre Erkenntnis von Franz Grillparzer, einst Burgtheaterdichter in der K-und-K-Metrople Wien, beschreibt wohl am besten die Herausforderung des Ensembles am Weyher Theater in diesen Tagen.

Ein Kraftakt: Die Macher und Mitgestalter des Weyher Theaters müssen den völlig überraschenden Tod von Frank Pinkus verkraften, ihrem Dramaturgen, Schauspieler, Regisseur und Autor. Er war am Donnerstag auf der Bühne des Bremer Boulevardtheaters zusammengebrochen. Jede Hilfe kam zu spät.

Trauerfeier für Frank Pinkus anstelle einer Vorstellung am Samstag

Die Trauerfeier für den 62-jährigen Verstorbenen findet am Samstag statt. Deshalb entfällt die Vorstellung um 20 Uhr in Weyhe. Denn alle Mitarbeiter des Hauses wollen gebührend von ihrem Kollegen, Mentor und Freund Abschied nehmen. „Das Weyher Theater bittet um Verständnis und informiert alle Karteninhaber über Ersatztermine und den Kartentausch“, so Pressesprecher Marc Gelhart.

Eine Vorstellung abzusagen, ist die absolute Ausnahme für die Akteure. Denn das Ensemble fühlt sich dem Wunsch des Verstorbenen verpflichtet und erklärt: „Wir sind sicher, dass Frank gewollt hätte, dass wir den Vorstellungsbetrieb – soweit es geht – aufrechterhalten.“

Deshalb stand das Ensemble in den vergangenen Tagen wie geplant bei allen Vorstellungen im Weyher Theater auf der Bühne. Im Boulevardtheater in Bremen war das nicht möglich, weil Frank Pinkus in dem Stück „Und immer wieder zahlt das Amt“ eine tragende Rolle spielte. Jetzt steht fest, wer seinen Part übernehmen wird: Auf Nachfrage erklärte Marc Gelhart, dass der Schauspieler Andreas Eckel diese Rolle ausfüllen wird. Er dürfte Bremer Theaterfreunden bereits von Auftritten im Packhaus-Theater oder auf dem Theaterschiff bekannt sein.

Andreas Eckel springt bei „Und immer wieder zahlt das Amt“ ein

„Eigentlich wollte er mit ,Kalenderboys’ seinen Einstand im Weyher Theater geben“, so Marc Gelhart. Dieses Stück aus der Feder von Kay Kruppa und Frank Pinkus um die Nöte einer zweimal abgebrannten Feuerwehr hat laut Spielplan am 8. Oktober Premiere im Boulevardtheater Bremen.

Kay Kruppa (l.) und Frank Pinkus erklimmen im Sommer 2010 bei den Proben für „Cash“ die damals neue Bühnenbrücke im Weyher Theater.

Jetzt aber schultert Andreas Eckel eine zweite Aufgabe. Er studiert Rolle und Text für die Komödie „Und immer wieder zahlt das Amt“ ein, das nun ab 29. September auf der Bühne des Boulevardtheaters zu sehen sein soll.

Das Ensemble in Weyhe und Bremen fühlt sich dem verstorbenen Theatermacher Frank Pinkus verpflichtet: „Bei jeder Regiearbeit trieb er seine Schauspieler zu Höchstleistungen an und traf mit jeder Produktion den Nerv der Zeit und den Geschmack des Publikums. Das gelang ihm nicht zuletzt dank seines empathischen Wesens, mit dem er in liebevoller Fürsorge als väterlicher Freund jederzeit ein offenes Ohr hatte.“

„Wir versuchen, in Frank Pinkus’ Sinne weiterzumachen“

Am vergangenen Samstag hatte es eine erste Zusammenkunft nach dem unfassbaren Schicksalsschlag gegeben. Marc Gelhart: „Wir versuchen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, in Frank Pinkus’ Sinne weiterzumachen und nach vorne zu sehen.“

Dramaturg Frank Pinkus (rechts) und Kay Kruppa haben erst vor Kurzem gemeinsam die Einweihung des Boulevardtheaters Bremen erfolgreich abgeschlossen.

Noch gibt es keine Antwort auf die Frage, wer dessen elementare Rolle als Autor ersetzen kann. Mehr als 50 Stücke hatte Frank Pinkus für das Weyher Theater geschrieben. Er hatte eng mit Kay Kruppa zusammengearbeitet, dem Theaterintendanten. Ihre kongeniale Partnerschaft prägte ganz entscheidend die Entwicklung des Weyher Theaters. Heute ist es das größte private Theater Norddeutschlands – und mehr: Erst in diesem Jahr war das Boulevardtheater Bremen als zweiter Standort eröffnet worden.

14 neue Stücke mit Pinkus‘ Handschrift noch unveröffentlicht

Um neue Stücke macht sich das Ensemble im Augenblick keine Sorgen. „Es gibt einen guten Vorrat“, so formuliert es Marc Gelhart. Denn auch in den schwierigen Zeiten der Pandemie mit den notgedrungenen Vorstellungspausen waren laut Pressesprecher insgesamt 14 Stücke entstanden – in der typischen Handschrift. Das Erfolgsrezept: heitere bis irrwitzige Verwicklungen, Situationskomik und perfekt pointierte Dialoge.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Das Ensemble beschreibt das Talent von Frank Pinkus so: „Wie kein Zweiter verstand er es, ,kurz vor Kitsch’ Situationen mit Humor aufzubrechen. In seiner letzten Inszenierung ,Mit dir bin ich durch’ – aktuell im Spielplan – kann man sich hiervon allabendlich überzeugen.“

Am Tag nach dem Tod spenden Zuschauer dem Team schon wieder stehend Beifall

Auch am Tag nach dem unfassbaren Tod von Frank Pinkus: An diesem Abend stand Marc Gelhart, selbst Regieassistent und Schauspieler, der Crew bei der Aufführung am Weyher Theater zur Seite. „Ich wollte in ihrer Nähe sein“, sagt er. Denn – ganz im Sinne der Erkenntnis von Franz Grillparzer – mussten die Akteure trotz des Verlustes ihres Chefs und Freunds ihr Bestes geben. In diesem Sinne hätten sie die Vorstellung gemeistert, so Marc Gelhart. Der Beweis: Wie so oft am Weyher Theater hatte das Publikum am Ende stehend Beifall gespendet.

Genau das soll auch in Zukunft so bleiben – das ist der Herzenswunsch der Theatermacher.

Weitere Infos über den Spieplan unter www.weyhertheater.de

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