Weyher Theater feiert Premiere von „Mord an Bord“ / Starke Spielleistung

Eine Schifffahrt – die ist verhängnisvoll

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Die freundliche Stimmung weicht bald düsterem Mordgeschehen.

Kirchweyhe - Von Regine Suling. Sie können auch anders, sie machen es spannend, kriminell – und durchaus ernst. Dass die Schauspielerinnen und Schauspieler des Weyher Theaters nicht gänzlich auf Komödien abonniert sind, ist nichts Neues.

Mit seinem aktuellen Stück „Mord an Bord“ bringt das Ensemble einen Krimi-Klassiker von Agatha Christie auf die Bretter und glänzt bei der Premiere am Freitagabend mit einer großartigen schauspielerischen Leistung.

Diese Schifffahrt hätte so schön werden können: Eine illustre Gesellschaft trifft sich auf einem Nildampfer in den 1930er-Jahren, um gemeinsam die Welt entlang des Nils zu entdecken. Die Urlaubsfreude indes wird schnell getrübt: Das flitternde Pärchen Simon (Marco Linke) und seine schwerreiche Gattin Kay (Isabell Christin Behrendt) trifft auf dem Schiff auf Jacky, Simons Ex-Freundin und Kays einst beste Freundin (Nathalie Bretschneider). „Ich leide nicht, ich amüsiere mich“, sagt sie über die Qualen und die Panik, die allein ihre Anwesenheit bei dem Honeymoon-Pärchen auslösen.

Ensemble zeigt,

was in ihm steckt

Auch Domherr Mr. Pennefather (Thorsten Hamer), nebenbei Vormund der reichen Erbin Kay, ist zufälligerweise an Bord und lässt sie Schecks und Überweisungen unterzeichnen. „Ich bitte niemals um Almosen, ich verlange sie“, stellt der Geistliche augenzwinkernd klar.

Derweil nutzt Miss Foliot-Foulkes (Isolde Beilé) ihre Nichte Christina (Sarah Kluge) als ganz persönliche Dienstbotin aus. Der junge Engländer Smith (Simon Kase) kommentiert das gesamte Geschehen im Salon stets spitzzüngig. Der zypriotische Arzt Dr. Agropulos (Joachim Börker) und Kays französisches Dienstmädchen Louise (Annika Zaich) machen die Passagierliste komplett.

Der wahre Krimi bricht auf dem Schiff los, nachdem Jacky ihrem Ex-Freund Simon ins Knie geschossen hat. Die Waffe ist plötzlich fort – und wenig später wird seine Gattin Kay mit derselben Pistole getötet. Fast jeder könnte der Mörder sein, viele haben eine Rechnung mit der Verstorbenen offen. Der Vater von Dr. Agropulos litt unter den Machenschaften von Kays Vater, einem englischen Finanzmagnaten. Louise war ihrer Chefin auch nicht immer wohl gesonnen. Und ist Kays Vormund, der den Detektiv mimt, tatsächlich zu trauen? Viele Fragen bleiben offen, bis der nächste Schuss fällt und ein weiterer Passagier sein Leben lässt.

Kein Zweifel: In der Inszenierung von Hermes Schmid zeigt das Ensemble, was schauspielerisch in ihm steckt. Isolde Beilé als herrlich kauzige alte Tante: „Diese ewigen Schießereien, was für eine Belästigung.“ Marco Linke als Gatte, der vermeintlich kein Wässerchen trüben kann. Annika Zaich als Dienstmädchen mit herrlich französischem Dialekt und keckem Augenaufschlag. Und Thorsten Hamer überzeugt als Geistlicher, der an sein Portemonnaie denkt und sich zugleich gerne als Detektiv betätigt.

Diese und auch alle weiteren Rollen waren glänzend besetzt. Hinzu kam ein grandioses Bühnenbild: In den Abendszenen leuchteten die Sterne im Hintergrund des Salons, tagsüber glühte die Sonne. Vor dieser Kulisse entfalteten sich kleine und große Dramen, aber trotz zweier Morde auch immer wieder vergnügliche Momente.

Mit dem Klassiker „Mord an Bord“ beweist das Weyher Ensemble, wie stark und wandlungsfähig es ist. Das würdigte das Publikum nach der zweistündigen Aufführung mit Applaus und stehenden Ovationen.

• Es gibt eine Vorstellung für Leser der Mediengruppe Kreiszeitung. Infos in den Geschäftsstellen.

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