Weyher Theater begeistert mit Loriots Werken

Ovationen für Dr. Kloebner und andere feine Marotten

WEYHE (kra). „Gwyneth Molesworth fährt nach North Cothelstone Hall.“ Ein sinnloser Satz, der Geschichte schrieb und immer noch schreibt. Evelyn Hamann hat diesen Satz gesprochen. Eine Ewigkeit ist das her. Aber vergessen hat ihn niemand. Zumal ja gleich die kleinen Versprecher kommen. Und mancher schon vorher die Mundwinkel hebt und zu lachen beginnt und das emotionslose Gesicht der Ansagerin schon vor Augen hat. Und genau das macht es schwierig.

Denn im Fernsehen, da haben sie Zeit. Gerade der legendäre Loriot hatte Zeit. Funktionierte die Szene nicht, dann wurde sie eben noch einmal gedreht. Und zur Not nochmals. Zeit, die sie im Theater nicht haben. Jede Szene muss sitzen. Live auf der Bühne. Das Publikum erlaubt keine Wiederholungen. Ein Risiko also, das sie am Weyher Theater eingegangen waren, als sie „Loriots dramatische Werke“ in einer Inszenierung von Kay Kruppa ins Programm hoben. Umso bemerkenswerter das Ergebnis: Das Publikum feierte Freitagabend die Rückkehr einer Ikone der Fernsehunterhaltung mit stehenden Ovationen. Und eines wurde klar. Wer bisher gezweifelt hatte, der verließ nach zweieinhalb Stunden bekehrt den Saal. Doch, tatsächlich, Loriot, das funktioniert auch auf der Bühne. Perfekt sogar.

Loriot, er ist aktuell wie nie. „Berta, das Ei ist hart!“ Sätze wie diese drohten nicht nur vor 30 Jahren ganze Ehekrisen auszulösen, sie dürften auch jetzt noch Lebensgemeinschaften gefährden. Oder vielleicht auch nicht, weil es zum Lachen ist, und damit überhaupt nicht gefährlich und am Freitagabend ebenfalls Lachsalven auslöste. Dabei müssen die Beziehungen nicht unbedingt schon seit Ewigkeiten bestehen, sie können auch ganz frisch sein. Dr. Kloebner und Herr Müller-Lüdenscheid führen eine solche Beziehung. In einer Badewanne, in der mal Wasser war, aber jetzt keines mehr ist. Und warum? „Weil Sie es eingelassen haben, Herr Doktor Kloebner. In meiner Wanne pflege ich das Badewasser selbst einzulassen.” Und schon tobte das Publikum erneut.

Bierernst saß sie auf der Bühne. So wie Heidi Jürgens auch in manchen Nachrichtensendungen am Mikrofon sitzt. Und ohne eine Miene zu verziehen sprach sie Sätze wie diesen: „Gleichzeitig findet Meredith Hesketh-Fortescue auf einer Kutschfahrt mit Jasper Fetherstone von Friddle. äh. Fiddle Mith...Middle Fritham nach North Cothelstone Hall in Thrumpton Castle den Schlipth aus Nathel.“ Die Zuschauer bogen sich vor lachen. Aber Heidi Jürgens hielt durch. Sie blieb bierernst. Und sprach die Sätze, die einst Evelyn Hamann sprach, und verhaspelte sie gewollt an denselben Stellen, an denen sich einst Evelyn Hamann verhaspelte. Dies allein schon eine unglaubliche Leistung! Das Publikum wird in den kommenden fünf Wochen noch viel Spaß mit ihr haben. Und all den anderen.

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