Wohlgefühlt mit Hebesätzen und Endlosbändern

Weyher Steuer-Urgestein Willhard Backhaus verlässt nach 43 Jahren das Rathaus

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Willhard Backhaus (sitzend) geht nach 43 Jahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger Florian Steil (r.) und Teamleiter Thomas Nagel verabschieden den 65-Jährigen.

Weyhe - Von Philipp Köster. Ein Urgestein der Weyher Verwaltung verabschiedet sich Ende des Monats in den Ruhestand. Eigentlich hat er es schon. Denn wegen Resturlaubs war der vergangene Freitag der letzte Arbeitstag für Willhard Backhaus – nach 43 Jahren, die der Kirchweyher im Amt für die Gemeindesteuern zugebracht hat. Und in dieser Funktion ist er bei Hunderten, nein Tausenden Gewerbetreibenden sowie Grundstücks- und Hundebesitzern bekannt gewesen.

Es war ein emotionaler Abschied, sagt die Erste Gemeinderätin und Kämmerin Ina Pundsack-Bleith. „Eigentlich wollte ich die Emotionen doch unterdrücken“, sagt Backhaus. Das Lebewohl mit zwei weinenden Augen war auch deshalb so rührend, weil Backhaus „jeden Tag gern ins Rathaus gegangen“ ist. Angesichts der Schweißtropfen, die vielen Bürgern beim bloßen Gedanken an die Steuererklärung von der Stirn rinnen, verwundert das. Aber Willhard Backhaus hat sich wohlgefühlt inmitten von Hebesätzen und Grundsteuer-B-Bescheiden, Kampfhundesatzung und Spielautomatensteuer. In der Regel hatte er mit den Unternehmen zu tun, denen er nicht selten auch unangenehme Steuernachzahlungen aufs Auge drücken musste. Dann war er erster Ansprechpartner noch vor dem Finanzamt, auch für die Steuerberater der Firmen.

„Wir sind Dienstleister“ – das war stets das Motto für den 65-Jährigen. Und er spricht vom Bürger als Kunden. 1971 fing Backhaus beim damaligen Landkreis Grafschaft Hoya an. 1975 wechselte er zur Gemeinde, zunächst als Verwaltungsangestellter, später absolvierte er die Beamtenlaufbahn. In der jungen Gemeinde Weyhe waren die Finanzen im alten Sudweyher Rathaus beheimatet. Zu den noch heute erhobenen Gemeindesteuern kamen damals noch Wassergeld, Kanal- und Abfallgebühren. Und natürlich lief in den Vor-EDV-Zeiten noch alles analog. Die Steuerbescheide wurden über mehrere Tage pausenlos ausgedruckt. Mehrere Mitarbeiter mussten Tag und Nacht aufpassen, dass die Endlosbänder mit den Lochstreifen am Rand immer nachgefüllt wurden, damit die Arbeit nicht wieder von vorne losgehen musste. Diese Zeiten waren mit dem Umzug ins neue Weyher Rathaus vorbei.

Willhard Backhaus hätte gerne noch weitergemacht, doch nun muss er sich neue Beschäftigung suchen. „Wir haben zwar eine Spülmaschine, aber ich wasche jetzt von Hand ab“, sagt er mit einem feuchten Augenzwinkern. Wenn auch das erledigt ist, will Backhaus seine alte Märklin-Eisenbahn wieder aufbauen und die vielen Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements in der Gemeinde prüfen.

Das Feld im Rathaus ist längst bestellt. Florian Steil und Duduhan Dogru kümmern sich um die Gemeindesteuern.

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