Betriebsaufgabe: 26 Mitarbeiter behalten Job bis Mai

Aus für Weyher Mineralbrunnen

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Blick auf die moderne Glasflaschen-Abfüllanlage im Dreyer Betrieb. ·

Dreye - Von Sigi Schritt. Es rattert, klirrt, brummt und zischt in der Produktionshalle des Weyher Mineralbrunnens. Förderbänder transportieren das Flaschenmeer.

Die Glasbehälter absolvieren verschiedene Stationen: Leere Pfandflaschen werden gespült, geprüft, befüllt und wieder in die Kisten gepackt. Doch damit ist am Monatsende Schluss. Dann wird es still auf dem Areal an der Industriestraße. Der Betrieb schließt (wir berichteten gestern). Der geschäftsführende Gesellschafter Uwe Kohlmann erklärt bei einem Rundgang, weshalb ihm diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist.

Er habe den Betrieb auf Leistung getrimmt, sagt Kohlmann und deutet auf die Anlage, deren Herzstück die Hochleistungsmaschine bildet. Sie spült die angelieferten und leeren Pfandflaschen mit Präzision und Schnelligkeit. Zwei Millionen Euro habe das Unternehmen vor zwei Jahren investiert. Außerdem verfüge es über 26 „langjährige und hochmotivierte Mitarbeiter“. Was sind die Gründe für die Betriebsaufgabe? Weshalb schließt nach dem Apfelsaft- und Mineralwasserabfüller Döhle aus Leeste nun ein weiteres Weyher Traditionsunternehmen? Am Produkt liege es jedenfalls nicht – das Mineralwasser sei „von höchster Qualität“, versichert Kohlmann. Auch die Frage, ob Behörden dem Unternehmen möglicherweise das Leben schwer machten, verneint der Geschäftsführer. „Es liegt am Markt“, sagt der Unternehmer. „Die Verbraucher greifen zu Mineralwasser aus Plastikflaschen.“ Um in diesem Feld zu bestehen, bedürfe es größerer Produktionskapazitäten. Nicht in der Region, sondern in Husum habe er einen weiteren Betrieb gründen können, der nur auf PET setzt.

Das Bild von den ratternden und sich vorbei schlängelnden Glasflaschen in Dreye gehört bald der Vergangenheit an. Noch befindet sich in den Flaschen St.-Godehard-Wasser, das aus einem der drei Brunnen kommt, die das Wasser aus 25 bis 40 Metern Tiefe fördern. „Es handelt sich um aufsteigendes Wasser aus 200 Metern Tiefe, das von einer 25-Meter-Schicht undurchlässigem Ton gestoppt wird“, erklärt der Unternehmer. Mineralwasser aus Dreye zählt seit rund vier Jahrzehnten zu den Werbeträgern, die den Namen der Wesergemeinde Woche für Woche in die norddeutschen Supermärkte tragen.

Die Wurzeln des Unternehmens ragen bis in die 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, sagt Kohlmann. Wilhelm Weber aus Arsten war im Abfüllgeschäft und wurde in den 50er-Jahren Lieferant der Edeka. Das Geschäft wuchs und wuchs, und Weber verlagerte seinen Betrieb nach Dreye. Auf der Suche nach einem Brunnen hatte ihm ein Geologe geraten, auf dem eigenen Grundstück zu bohren – mit Erfolg. Der Verkauf von Mineralwasser florierte. Besonders gut waren aus seiner Sicht für den Betrieb die 80er- und 90er-Jahre. Der Fall der Mauer habe sich auf das Ostgeschäft ebenfalls sehr positiv ausgewirkt.

Kohlmann fühlt sich von der Politik im Stich gelassen, die 2004 die Einführung der Pfandpflicht von Einweggetränken beschlossen hatte. Seit diesem Jahr sank die Mehrwegquote für Mineralwasser von über 80 auf „deutlich unter 40 Prozent“. Bei Erfrischungsgetränken seien es sogar nur noch 21 Prozent. „Dabei sollte das Pfand-Gesetz den Mittelstand schützen und die Mehrwegquote weiter ausbauen“, so Kohlmann. „Im Glasbereich haben wir in Deutschland Überkapazitäten. Die wenigsten Abfüller haben den Mut, ihre Anlagen zu schließen.“

Der Geschäftsmann hat in Dreye viel ausprobiert. So hat er versucht, für andere Firmen Getränke zu produzieren, ähnlich wie es der Wagenfelder Brunnen mit Fritz-Cola macht. Kohlmann hat mit der Becks-Brauerei zusammengearbeitet, an neuen Produkten gefeilt und „in die besten und modernsten Maschinen investiert“, aber gegen den Markt komme man nicht an: Seit drei Jahren sei in Dreye das Betriebsergebnis operativ negativ – deshalb hat Kohlmann die Reißleine gezogen. Er glaubt jedoch, dass alle Mitarbeiter wieder gute Jobs bekommen. „Wir haben die Kündigungen im Oktober ausgesprochen. Die Mitarbeiter, noch bis Ende Mai beschäftigt, tragen die Entscheidung professionell mit.“ Die Anlagen werden verkauft. Die beiden je 1 250 Quadratmeter großen Hallen will der Betrieb samt Bürogebäude vermieten.

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