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Weyher Jusos beflügeln die SPD

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Von: Sigi Schritt

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Der Sozialdemokrat Berthold Groeneveld in seinem Arbeitszimmer in Erichshof.
Der Sozialdemokrat Berthold Groeneveld in seinem Arbeitszimmer in Erichshof. © Sigi Schritt

Berthold Groeneveld will die Führung der SPD Weyhe jüngeren Sozialdemokraten überlassen. Die sind laut seiner Meinung für den Höhenflug der Partei verantwortlich.

Weyhe – Berthold Groeneveld aus Erichshof steht seit 2017 an der Spitze des SPD-Ortsverbands in Weyhe. Der Nachfolger von Herbert Goldack findet, dass sich die Führungsspitze verjüngen müsse. Das sei der Grund, weshalb der 74-Jährige bei den Wahlen am kommenden Donnerstag nicht mehr für dieses Amt zur Verfügung steht.

SPD hat vom Engagement von Andreas Bovenschulte profitiert

Der Erichshofer blickt zurück auf einen Zeitraum, in dem es für die Weyher SPD bei mehreren zurückliegenden Wahlen ganz gut gelaufen sei. Seit 2006 gehört der Bürgermeister der SPD an. Nach Frank Lemmermann, Andreas Bovenschulte also nun Frank Seidel.

Nicht nur die SPD in Weyhe, sondern auch andere Fraktionen hätten den jetzigen Bremer Senatspräsidenten Andreas Bovenschulte über 2019 hinaus im Weyher Verwaltungsvorstand behalten wollen. „Aber es war klar zu erkennen, dass er ein Amt in Bremen anstrebt.“ Ihn im Weyher Rathaus zu halten, hätte nicht funktioniert, so Groeneveld.
Und wie war die Zusammenarbeit mit ihm? „Die Zusammenarbeit mit Andreas Bovenschulte war sehr vertrauensvoll.“, blickt der SPD-Vorsitzende zurück. „Wenn es um irgendetwas ging, haben wir viel miteinander telefoniert. Andreas Bovenschulte hatte Fraktion und den Ortsverein mehr getrieben, als wir ihn.“ Er habe versucht, seine Ideen umzusetzen und „er hat mit uns gesprochen, wenn er meinte, uns im Boot haben zu wollen“, sagt Groeneveld anerkennend.

„Bovi“ kam in Weyhe an und nun gehöre die Sympathie der Bürger in Bremen dem Senatspräsidenten. Bovenschulte habe die Ortsvereine hinter sich gebracht und sich immer wieder in Themen sehr tief eingearbeitet. Er habe sich in Weyhe für die Rekommunalisierung der Netze starkgemacht, so Groeneveld. Der SPD-Vorsitzende geht davon aus, dass dies für Weyhe und Stuhr im kommenden Jahr passiert. Für Strom und Gas würde es jedoch keine eigenen Stadtwerke geben: Ein Betreiber müsse gesucht werden.

Berthold Groeneveld mit Kämmerin Ina Pundsack-Bleith (l.) und Bianca Becker bleibt im Weyher Rat. In der jetzigen Wahlperiode leitet er den Bauausschuss, in der Wahlperiode davor war es der Finanzausschuss.
Berthold Groeneveld mit Kämmerin Ina Pundsack-Bleith (l.) und Bianca Becker bleibt im Weyher Rat. In der jetzigen Wahlperiode leitet er den Bauausschuss, in der Wahlperiode davor war es der Finanzausschuss. © Sigi Schritt

Für die SPD in Weyhe sei es ein großer Erfolg gewesen, dass die Bürger bei der Suche nach einem Nachfolger für Bovenschulte gleich im ersten Wahlgang mit 60 Prozent der Stimmen Frank Seidel gewählt haben. „Ich dachte, es komme zu einem Stechen zwischen Frank Seidel und Annika Bruck von den Grünen.“ Ebenfalls ein Erfolg für die SPD Weyhe: Die SPD-Ratsfrau Peggy Schierenbeck aus Leeste hat bei der jüngsten Bundestagswahl den Sprung nach Berlin in den Bundestag geschafft.

Neuaufstellung der Jusos hat für SPD in Weyhe vieles verändert

Als Höhepunkt seiner Amtszeit empfindet Berthold Groeneveld die Neuaufstellung der Jusos. Das sei 2018 gewesen. Mit den Jusos laufe es in der SPD „wie verrückt.“ Die Partei habe „gerade wegen der Jusos“ steigende Mitgliederzahlen. Derzeit sei Weyhe im Kreis der stärkste Ortsverein, davor sei es Stuhr gewesen. Als Groeneveld 2017 den Vorsitz übernommen hatte, bewegte sich die Zahl der Mitglieder bei 128. Derzeit gebe es 148 Mitglieder.

Es zeige Wirkung, dass junge Sozialdemokraten sich im Rat und in den Ausschüssen um Weyher Belange kümmerten. Sechs Unterstützer der Jusos seien noch nicht Mitglied. Groeneveld geht davon aus, dass die SPD in Kürze in Weyhe weiter wachsen werde.

Wie sieht er sich selbst in der SPD? In der SPD würde er sich links verorten, sagt er. Was der 74-Jährige damit meint? „Man kümmert sich um soziale Aspekte“, sagt er. „Man überlegt sich, wie man Leuten hilft, denen es nicht so gut geht“, ergänzt er. Seine SPD habe zum Beispiel die richtigen Impulse geliefert, dass die Syker Tafel von der Gemeinde Weyhe unterstützt wird.

Berthold Groeneveld: Arbeitsrichter, Flüchtlingspate, Schiedsmann

Berthold Groeneveld engagiert sich vielfältig in der Region: Er war ehrenamtlicher Arbeitsrichter, ist seit 2016 Flüchtlingspate und stellvertretender Schiedsmann. In dieser Rolle hilft er mit, Nachbarschaftsstreitigkeiten unter den Weyhern zu schlichten. „Es geht immer um drei Sachen: Geräusche, Licht und Pflanzen.“ Die meisten Probleme löse er zwischen Tür und Angel, ohne ein Verfahren zu öffnen. Das kostet auch kein Geld. Sollten sich die Fronten aber verhärtet haben, dann kostet eine Startgebühr von 60 Euro.

Manchmal geht es jedoch nicht um einen Streit, sondern nur darum, zuzuhören. Groeneveld gibt ein Beispiel: Eine Frau aus der Kirchstraße wollte wissen, was in ihrer Straße an baulichen Veränderungen geschehen wird. Die Antwort, dass dieses Jahr nicht viel passieren werde, sei offenbar nicht die erhoffte Botschaft gewesen, doch die Dame habe sich gefreut, dass ihr jemand zugehört habe, so der SPD-Vorsitzende. „Es passieren keine Wunder. Sie hat sich aber ernst genommen gefühlt.“

Dass ein besonderer Genosse der Basis zuhören soll, wünscht sich die SPD Weyhe. Es geht um den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder. Er soll von seinen Posten in russischen Firmen zurücktreten, um ein Zeichen gegen Putins Krieg in der Ukraine zu setzen. Groeneveld wird deutlich: „Wir können nicht verstehen, weshalb er sich nicht von seinen Ämtern löst. Es ist ein übler Krieg.“ Die SPD Weyhe unterstützt ein Parteiordnungsverfahren mit einer eigenen Resolution. Groeneveld begrüßt es, dass ein ehemaliger Leester, Heino Wiese, ein Schröder--Vertrauter, sein Amt als russischer Generalkonsul niedergelegt hat. „Wenn allerdings Schröder es hinbekommt, auf Wladimir Putin einzuwirken, dass dieser den Krieg beendet, dann verzeihen wir ihm alles“, sagt Groeneveld. „Wir sehen, das das nicht passiert.“

Groeneveld fordert Wiederaufnahme der Arbeit am Weyher Leitbild

Dass Groneveld, 1948 in Westoverledingen geboren, 2002 in die SPD eintrat, hätten viele in seinem beruflichen Umfeld offenbar nicht vermutet. Er habe in Bremen viele Einladungen der CDU bekommen. Er war geschäftsführender Gesellschafter der Lloyd Dynamo Werke in Bremen mit 500 Beschäftigten. Er reise beruflich ins Ausland – unter anderem nach Indien, China und Indien. „Ich bin Sozialdemokrat geworden, um als Arbeitgeber ein Gegengewicht zu haben.“

Der Liebe wegen war er 1994 nach Weyhe gezogen – übrigens ganz in die Nähe von Frank Lemmermann. Bei einem Straßenfest hatte ihn der damalige Weyher Bürgermeister angesprochen, ob Groeneveld für Rat kandidieren wolle. Er wollte.

Spontan fällt ihm ein Projekt aus der Zeit seiner ersten Wahlperiode ein. Es gehe um das Leitbild der Gemeinde. „Es sollte jährlich aktualisiert werden.“ Das sei von allen Parteien beschlossen worden. Viel Papier sei beschrieben worden. Doch passiert sei nicht viel. Das Projekt sollte man „wieder anschubsen“.

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