Gemeindebibliothek: Politik will Gebührensatzung anpassen / Erwachsene zahlen mehr

Kinder sollen ab August gratis lesen

Es gibt 2000 DVDs in der Gemeindebibliothek: Künftig soll die Ausleihe dieser Medien nicht mehr mit Extra-Gebühren belegt werden.
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Es gibt 2000 DVDs in der Gemeindebibliothek: Künftig soll die Ausleihe dieser Medien nicht mehr mit Extra-Gebühren belegt werden.

Weyhe – Die Nutzungsentgelte der Gemeindebibliothek sollen nach dem Willen der Politik und Verwaltung angepasst werden. Was das bedeutet? Die Mitglieder des Ausschusses für Sport und Kultur stimmten am Dienstagabend in einer Online-Sitzung mehrheitlich dafür, die Jahresgebühr für die Leseausweise der Kinder und Jugendlichen komplett zu streichen. Sofern der Rat das Votum bestätigt, soll die neue Regelung ab August greifen.

Gebühr für Erwachsene erhöht sich um das Doppelte

Während Kinder und Jugendliche für ihren Jahresausweis nicht mehr 2,50 Euro zahlen sollen, müssen Heranwachsende und Erwachsene künftig tiefer in die Tasche greifen. Die Gebühr soll sich auf das Doppelte erhöhen – von 7,50 auf 15 Euro. Eine Familienkarte kostet derzeit für das Ausstellen und für die Verlängerung 18 Euro. Künftig soll die Partnerkarte für Erwachsene 22 Euro kosten.

Gebührensatzung gilt seit 2004

Der Bibliotheksmitarbeiter Tobias Philipp erläuterte den Beschlussvorschlag des Bürgermeisters und erklärte, dass die derzeitige Gebührensatzung seit 2004 gilt. Hinter der neuen Anpassung steht laut Philipp die Idee, dass die Gemeinde mit diesem Schritt weiter daran arbeite, die Chancengleichheit unabhängig von der sozialen Herkunft zu garantieren. Das gelte „gerade für Kinder“, sagt der Gemeindemitarbeiter.

Noch Extra-Kosten für die DVD-Ausleihe und Videokassetten

Zudem habe sich der Medienkonsum verändert. Man kenne das aus dem Internet: Nutzer zahlen einmal einen Geldbetrag. Dafür können sie sich laut dem Gemeindemitarbeiter aus dem Umfang der Dienstleistungen das gewünschte Angebot aussuchen. Dieses Vorgehen sei zumindest in Weyhe noch nicht möglich. Derzeit müssten alle Bibliotheksbenutzer für die Ausleihe von DVDs und CDs extra Gebühren zahlen: Für den Medienbestand Kinder würden Extra-Kosten von 50 Cent fällig und für DVDs sowie für Videokassetten, so die Gebührenordnung, müssten zwei Euro pro Ausleihe bezahlt werden.

Es soll künftig auch Dienstleistungen geben, die nicht teurer werden. Wer einen Leseausweis verliert und einen Ersatzausweis benötigt, muss auch künftig dafür 2,50 Euro bezahlen. Schüler, Azubis, Schwerbehinderte und Leistungsempfänger müssen weiterhin fünf Euro jährlich auf den Tisch legen.

Wie Tobias Philipp den Zuhörern erläuterte, würden Bibliotheken im Umland längst Kindern die Gratis-Ausleihe von Büchern ermöglichen. Im Bürgerzentrum in Oyten sei sogar jede Ausleihe kostenlos, zeigt ein Vergleich des Gemeindemitarbeiters.

Die Bibliotheken im Kreis wie etwa in Twistringen, Bassum, Diepholz, Bruchhausen-Vilsen, Stuhr und Syke würden kein Extra-Geld für die Ausleihe von DVDs verlangen. Nach der Anpassung würden die Erwachsenengebühren im Kreisvergleich in der Mitte liegen. Die erwachsenen Nutzer in Bassum, Bruchhausen-Vilsen und Stuhr zahlen zehn Euro, die in Twistringen und Diepholz müssen im Jahr 15 Euro und die in Syke sogar 18 Euro zahlen.

Andere Bibliotheken hätten mit der Anpassung ihrer Gebührenordnungen ebenso gute Erfahrungen gemacht, sagt der Gemeindemitarbeiter.

„Ich bin ein Fan der Bibliothek“

Die Fraktionen der CDU, SPD und der Grünen lobten den neuen Gebührenkatalog. „Ich bin ein Fan der Bibliothek“, bekannte sich Janine Greulich (CDU). Die Auswahl sei groß, die neue Gebührenordnung werde sie unterstützen. Teilhabe finde sie gut. Schließlich soll die Gemeinde mit der Bücherei kein Geld verdienen.

Ein Vergleich hatte zuvor gezeigt, dass bei einem Jahr wie 2019, in dem 60 000 Medien ausgeliehen worden sind, rund 970 Euro bei den Kinderausweisen und rund 4 000 Euro an Beiträgen von Erwachsenen zusammengekommen seien. Die Leihgebühr für neue Medien wie CDs und DVDs hätte rund 2 500 Euro an Einnahmen gebracht. Unterm Strich seien das 7 500 Euro. Nach einer Hochrechnung käme die Bibliothek laut Tobias Philipp künftig auf jährliche Einnahmen in Höhe von rund 8 000 Euro. Das wäre eine Differenz von 500 Euro.

Maria Pachali (SPD) bezeichnet den neuen Jahresbeitrag für Erwachsene als „moderat“. 2,50 Euro kann für Kinder „viel sein“. Hanne Roitsch-Schroeder (Grüne) lobt, dass auch kinderreiche Haushalte von der neuen Regelung profitieren würden. Nur Joyce Budelmann (FDP) äußerte sich skeptisch: Es gebe eine große Auswahl. Sie verstehe nicht, weshalb Kinder nicht den Betrag von 2,50 Euro zahlen sollten. „Was nichts kostet, ist auch nichts wert.“

Von Sigi Schritt

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