Reetdachhaus statt Tabakbörse

Weyhe im Wandel: Die Geschichte eines Hauses

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Das reetgedeckte Fachwerkhaus fiel im September 1986 den Flammen zum Opfer und brannte komplett nieder.

Weyhe - Die alte Weyher Bausubstanz verschwindet in letzter Zeit zusehends. Julius Kraft, der verstorbene Gründer der Interessengemeinschaft Bauernhaus, sagte bei solchen Gelegenheiten schon in den 1980er- Jahren: „Stück für Stück stirbt unser Zuhause!“

Ältere Einzelhäuser auf großen Grundstücken haben bei den hohen örtlichen Baulandpreisen kaum noch eine Chance, finanzkräftige Käufer zu finden, die sie renovieren und erhalten könnten. Vor wenigen Wochen verschwand das Fachwerkhaus Siedenburg-Kastens an der Kleinen Heide, demnächst das Wohnhaus der früheren Baustoffhandlung Budelmann in Leeste. Sie waren Ortsbild prägende Gebäude.

Wie wäre es wohl dem alten, strohgedeckten Fachwerkhaus an der Bahnhofstraße 25 ergangen, wenn nicht ein Großbrand im September 1986 dieses Haus in Schutt und Asche gelegt hätte? Es stand dort, wo vor wenigen Tagen die Tabakbörse von Margit Evers ihre Tore schloss und nun ein Domizil für Schachspieler entstehen soll.

Nur ältere Einwohner erinnern sich noch an das kleine, für unsere Region typische strohgedeckte Fachwerkhaus, in dem der Anbauer Heinrich von Weyhe noch Landwirtschaft betrieb und zuletzt sein Sohn Johann, von Beruf Oberlokführer, wohnte.

Ursprünglich hatte es die Hausnummer Kirchweyhe 167, und als der Stahlbildgestalter Herbert Bodzin das Anwesen Anfang der 1970er- Jahre kaufte, war es schon die Bahnhofstraße 25. Er renovierte das alte Haus, baute dessen Dachgeschoss aus und errichtete eine kleine Werkstatt nebenan. Dort schuf er zahlreiche Kunstwerke aus Edelstahl, von denen einige immer noch im öffentlichen Raum oder in privaten Gärten stehen. So zum Beispiel in der katholischen Kirche, auf dem Kirchweyher Friedhof oder auf dem Freibadgelände.

Wo kurzem schloss die Tabakbörse an der Bahnhofstraße 25 ihre Türen.

Neben der gestalterischen Kunst war Bodzin leidenschaftlicher Musiker und 1981 Mitbegründer des Gemeinde-Kulturringes, anfangs auch dessen Vorsitzender. In seinem Haus trafen sich 1977 Kritiker der damaligen Kreisreform und produzierten die legendäre „Schlachteplatte“.

Dann das jähe Ende des Hauses und seiner Geschichte: Im Laufe einer Serie von Brandstiftungen im Kirchweyher Raum brannte das immer noch strohgedeckte Haus am 26. September 1986 bis auf die Grundmauern nieder. Die Familie stand vor dem nichts, auch alle Musikinstrumente, Fotos und Tonbänder des Künstlers fielen dem Feuer zum Opfer.

Den danach entstandenen Neubau entwarf Herbert Bodzin selbst, wohnte dort aber nicht mehr und verließ mit seiner Familie die Gemeinde. Danach übernahm Wolfgang Hirdler mit seinem Immobilienunternehmen das Anwesen, und auch seine Schwester Margit Evers zog mit ihrer „Tabakbörse“ ein, 33 Jahre lang blieb sie dort. wm

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