Lesung am 27. Januar

Weyhe und Syke begehen Holocaust-Gedenktag erneut gemeinsam

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Stellen das Programm vor: Tina Fischer, Hermann Greve, Ina Pundsack-Bleith, Kathrin Wilken und Suse Laue (v.l.). 

Weyhe - Von Philipp Köster. „Auf Wiedersehen!“ So endet mancher Brief von Holocaust-Opfern in Gettos, Sammel-, Durchgangs- und Vernichtungslagern oder im Untergrund. Oft sind diese Schreiben das letzte Lebenszeichen gewesen. Und die Verfasser wussten, dass es im irdischen Dasein kein Wiedersehen mit den Adressaten geben würde. Die ergreifenden Schreiben sind Bestandteil des Buches „Dies sind meine letzten Worte ... Briefe aus der Shoah.“ Drei Mitglieder der „bremer shakespeare company“ zitieren daraus am Sonntag, 27. Januar, um 18 Uhr bei der literarisch-szenischen Lesung „Wider das Vergessen“.

Die Gemeinde Weyhe und die Stadt Syke veranstalten zum zweiten Mal einen solchen Abend am Internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocausts - nach der Premiere vor einem Jahr in Syke ist nun das Weyher Rathaus Ort des Geschehens.

Hermann Greve, beider Kommunen gemeinsamer Archivar, hat das Programm mit Tina Fischer (Kulturbüro Weyhe) und Kathrin Wilken (Stadt & Kultur Syke) ausgearbeitet. „Wer glaubt, schon alles gelesen zu haben, ist nachher erschlagen. Ich habe nur ein paar Seiten ausgehalten. Da gefriert einem das Blut in den Adern“, sagt Greve. Und trotzdem wirbt er für die Veranstaltung.

Die drei Schauspieler Erika Spalke, Peter Lüchinger und Michael Meyer lesen und singen zudem aus dem Buch „Wann wohl das Leid ein Ende hat“ von Ilse Weber. Die mit ihrem Mann Willy und ihrem jüngsten Sohn Tommy in Theresienstadt inhaftierte Tochter jüdischer Eltern verfasste in schlaflosen Nächten Gedichte und Lieder, die sie ihren Mithäftlingen zu Gitarrenklängen vorsang. Ilse Weber wurde 1944 mit ihrer Mutter und ihrem Sohn in Auschwitz ermordet. Ihr Mann überlebte und barg später die zuvor eingemauerten Werke seiner Frau. 2008 wurden die Gedichte und Lieder im Hanser-Verlag herausgegeben.

Dritter Bestandteil des Abends sind Auszüge aus dem Tagebuch von Arieh Koretz. Als 17-Jähriger brachte er die schrecklichen Erlebnisse im Konzentrationslager Bergen-Belsen zu Papier. Die Aufzeichnungen spiegeln die Brutalität des Alltags und den den Überlebenskampf wider. Der 2016 in Tel Aviv verstorbene Anwalt und Notar Koretz konnte wie so viele Betroffene Jahrzehnte nicht über das Geschehen sprechen. Erst in den 1990er-Jahren wandte er sich Greve zufolge an die Öffentlichkeit.

Trotz dieses ernsten Themas freut sich Sykes Bürgermeisterin Suse Laue, dass die beiden Kommunen die gemeinsame Veranstaltung in diesem Jahr neu auflegen. „Wir wollen ein Zeichen setzen in einer Zeit, wo der Rechtspopulismus Raum greift“, betont sie. Und Weyhes Erste Gemeinderätin Ina Pundsack-Bleith ergänzt, solche Abende seien wichtig, weil die Erinnerungen verblassten und immer weniger Zeitzeugen noch lebten.

2018 kamen Kathrin Wilken zufolge weit mehr als die 80 erwarteten Besucher ins Syker Rathaus. Damals sei noch eine Schülergruppe mit von der Partie gewesen. In diesem Jahr liegt die Gestaltung ausschließlich in den Händen der Shakespeare-Company-Darsteller, die laut Fischer erstmals zu Gast sind in Weyhe. Greve: „Da kommt nichts aus der Konserve, es wird alles live dargeboten.

Der Eintritt zu dem 90 Minuten dauernden Abend ist kostenlos.

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