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Weyhe gibt flottgemachte Fahrräder an ukrainische Flüchtlinge weiter

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Von: Dierck Wittenberg

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Erwin Irmer und Hans Budde vor der Fahrradwerkstatt in Weyhe-Melchiorshausen. Sie gehören zum Team aus ehrenamtlichen Schraubern, das in Melchiorshausen Fahrräder aufbereitet.
Ehrenamtliche Schrauber: Erwin Irmer (l.) und Hans Budde gehören zum Team, das in Melchiorshausen Fahrräder aufbereitet. © Wittenberg

Weil mobil sein beim Ankommen hilft: Weyhe gibt aufbereitete Spenden-Fahrräder an ukrainische Flüchtlinge weiter. Dahinter stehen ehrenamtliche Schrauber.

Weyhe – Gerade sind wieder sieben neu gespendete Fahrräder in der Werkstatt angekommen: Zwei Damenmodelle und fünf kleine Kinderräder. Direkt zum Losfahren laden sie allerdings noch nicht ein. Bei einem hängt der Schlauch über dem Lenker, bei einem anderen fehlt der Sattel. Sie wieder flottzumachen, damit sie Bedürftigen, Flüchtlingen aus der Ukraine, als fahrbarer Untersatz dienen, das ist die Aufgabe einer Gruppe von Ehrenamtlichen.

Rund 260 Menschen aus der Ukraine sind nach Informationen der Gemeinde bisher in Weyhe untergekommen. Und zu den Grundvoraussetzungen fürs Ankommen zähle – neben der Sprache – auch die Mobilität, sagt Sebastian Kelm, in der Gemeinde Pressesprecher und für die Bereiche Integration und Inklusion zuständig.

Fahrräder für Ukrainer: Hoher Bedarf an Kinderrädern in Weyhe

Man wolle, so Kelm, eben nicht nur zu Hause sitzen, sondern auch von A nach B kommen. Die naheliegende Lösung, gerade für Kinder und Jugendliche, ist das Fahrrad. Bei den kleinen Rahmengrößen ist der Bedarf „extrem hoch“, so Kelm. Weitere Spenden, wie die frisch eingetroffenen Kinderräder, sind deshalb hochwillkommen.

Das war das erste Mal, seit sie Charkiw verlassen haben, dass sie die haben lachen sehen.

Sebastian Kelm über ukrainische Eltern und ihre Tochter

Kelm erzählt von einer früheren Übergabe an eine ukrainische Familie, die mit ihrer kleinen Tochter gekommen war. Nachdem die Kleine auf dem Fahrrad gesessen hatte, hätten die Eltern gesagt: „Das war das erste Mal, seit wir Charkiw verlassen haben, dass wir sie haben lachen sehen.“

Fester Ausgabetag am 2. Mai an der Fahrradwerkstatt in Melchiorshausen

Um den in Weyhe angekommenen Ukrainern zu helfen, gibt die Gemeinde die aufbereiteten Fahrräder kostenlos an sie aus. Dafür hat sie nun einen festen Ausgabetag eingerichtet: am Montag, 2. Mai, von 14 bis 17 Uhr. Ausgabeort ist die gemeindeeigene Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt am Bollmannsdamm 2 in Melchiorshausen.

Durch die Fahrradwerkstatt ist eine Spendenaktion wie die am 2. Mai erst möglich. Oder besser gesagt: durch die sechs Ehrenamtlichen, die hier in ihrer Freizeit ausrangierte Räder wieder herrichten. „Unsere Schrauber“, nennt Sebastian Kelm sie.

Ehrenamtliche Schrauber helfen am Ausgabetag, die Fahrräder einzustellen

Zwei von ihnen sind Erwin Irmer und Hans Budde. Irmer ist Kfz-Meister, Budde kommt aus dem kaufmännischen Bereich. In der Werkstatt reihen sich Dutzende Fahrräder: Links stehen die, die Reparatur noch vor sich haben; rechts die, die sie hinter sich haben. Für Ersatzteile greifen die Schrauber auf Räder zurück, die nicht mehr zu retten sind und sich nur als Teileträger eignen. Nicht nur aus Kostengründen: Für ältere Modelle gebe es oft keine neuen Ersatzteile, erläutert Erwin Irmer.

Zumindest zu fünft will das Schrauber-Team beim Ausgabetag dabei sein. Denn mit den Reparaturen alleine ist es nicht getan. Das richtige Rad muss gefunden, Sattel und Lenker auf die Größe des neuen Besitzers angepasst werden. Auch deshalb die Entscheidung, einen festen Ausgabetag einzuführen.

Weitere Fahrrad-Spenden gesucht: Abgabe am 25. April an der Fahrradwerkstatt

Die Schrauber wollen dann eine Auswahl an fahrtauglich aufbereiteten Rädern vor der Halle bereitstehen haben. Neben elektronischen Hilfsmitteln soll an dem Termin eine Russisch sprechende Mitarbeiterin aus der Verwaltung beim Übersetzen helfen.

Damit in anderthalb Wochen auch alle, die ein Rad benötigen, eins bekommen, ruft die Gemeinde zu weiteren Spenden auf: „Wir haben etliche Modelle für Damen und Herren im Angebot, da wird sicherlich für jede und jeden etwas Passendes dabei sein“, so Sebastian Kelm.

Individuelle Termine sind über das Rathaus Weyhe möglich

Aber es mangelt weiterhin an Kinderrädern. Vor allem kleine Räder können deshalb am Montag, 25. April, zwischen 14 und 17 Uhr bei der Werkstatt abgegeben werden. Eine Abholung sei leider nicht möglich. Wem der Termin nicht passen sollte, kann sich für eine individuelle Übergabe an Sebastian Kelm (kelm@weyhe.de) wenden.

Auch Ukrainer, die an einem gebrauchten Rad interessiert sind, können sich an ihn wenden. Während der Rathaus-Öffnungszeiten ist Kelm unter 04203/71220 erreichbar. Weil er häufiger danach gefragt werde, weist Kelm aber darauf hin: Bei der ehrenamtlich betriebenen Fahrradwerkstatt gibt es keine regulären Geschäftszeiten oder einen direkten Kontakt dorthin.

Im Überblick

Spenden-Ausgabe: Montag, 2. Mai, von 14 bis 17 Uhr.

Spenden-Annahme: Montag, 25. April, 14 bis 17 Uhr.

Jeweils an der Fahrradwerkstatt am Bollmannsdamm 2 in Weyhe-Melchiorshausen (hinter dem Village).

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