Rapperin tritt beim „AufMucken gegen rechts“ auf

Sookee: „AfD & Co. dürfen keine Selbstläufer werden“

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Sookee

Weyhe - Beim „AufMucken“-Konzert auf dem Leester Mühlenkamp tritt heute Abend auch die Berliner Rapperin Sookee (bürgerlich Nora Hantzsch) auf. Im Interview stellt sie sich den Fragen von Redakteur Sigi Schritt.

Deine Fans erleben dich in großen Städten wie Innsbruck, Zürich, Hamburg, Karlsruhe, Erfurt, Leipzig und Frankfurt/M.. Wie kam es dazu, dass du heute auf dem „AufMucken“-Konzert in der Wesergemeinde auftrittst?

Sookee: Große Städte, kleine Städte, naja. Erfurt und Karlsruhe sind auch nicht grad Kairo oder New York. Für mich ist wichtig, dass ich mich mit der Veranstaltung identifizieren und ich von der Gage mein Team zahlen kann. Wenn dann das Line-Up nicht nur aus völligen Pappnasen besteht und ich mich auf Begegnungen im Backstage mit anderen Musiker*innen freuen kann, ist das Ding eingetütet. Also, besten Dank ans „AufMucken“-Team, wir machen es uns richtig schön, ja?!

Nutzt du die Gelegenheit, die Gemeinde und die Region näher anzusehen?

Sookee: Tatsächlich ist der Freitag ziemlich dicht getaktet, weil es sowohl vor als auch nach dem Gig noch einige Pressetermine gibt. Und dann gehts auch schon ins Hotel, damit wir fit sind für das Konzert am nächsten Tag.

Welche Lieder hast du für das Mühlenkamp-Areal ausgesucht?

Sookee: Natürlich nur das Feinste vom Besten. Klassiker wie „Pro Homo“ oder „Zusammenhänge“, aber auch die starken Stücke von meiner aktuellen Platte „Mortem & Makeup“, wie „Schrank“, „Q1“ oder „Queere Tiere“.

Wovon handeln die Songs?

Sookee: Bei mir geht’s meistens um die Frage, wie leben wir als Indivudien in einer Gesellschaft, die wahrlich noch nicht alle sozialen Ungleichheiten behoben hat. Der sogenannte Rechtsruck ist oft Thema, weil ich Rassismus, Nationalismus etc. als wahnsinnige Bedrohung für die Menschenwürde und die gesellschaftliche Freiheit betrachte und bei den gegenwärtigen deutschen Zuständen nicht oft genug sagen kann, dass AfD & Co. keine Selbstläufer werden dürfen.

Neue alte Frisu. #freesoo

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Politisch sein, ohne zu belehren. Missstände ansprechen, ohne zu predigen. Welche Botschaften hast du?

Sookee: So ein Menschenleben dauert nur ein paar Jahrzehnte, die mit einem Wimpernschlag vorbei sind. Ich will diese Zeiten nicht mit bequemer Ignoranz verplempern und mich nur um meinen Arsch kümmern. Das macht einsam und ist auch nicht sinnstiftend. Ich liebe es, wenn Menschen in einer Gesellschaft aufeinander achtgeben und sich aufeinander beziehen. Für dieses politische Gefühl mag ich mein Publikum begeistern.

In einem Lied thematisierst du Fehlleistungen eines Krankensystems, das Menschen einweist und medikamentös ruhigstellt. Wie könnte es besser laufen?

Sookee: Entmündigung durch Einweisung ist Freiheitsentzug. Das ist problematisch. Nicht ohne Grund gibt es die Patientenverfügung, die sich diesem Thema widmet. Medikamentöse Behandlung ist oftmals gewünscht und notwendig, aber Menschen auszuknipsen, sie von sich selbst und ihrem Erleben, ihrer Gefühlswelt zu entfernen, kann kein Weg der Heilung sein. Das Gesundheitssystem sollte viel sensibler mit psychisch Erkrankten umgehen, ihnen keine Steine in den Weg legen. Wenn du sehr depressiv bist und nach bürokratischen Hürden monatelang auf einen Therapieplatz oder Klinikaufenthalt deiner Wahl warten musst, trägt das keinen Deut zur Genesung bei. Ganz im Gegenteil. Auch die Idee, dass Gesundsein gleich Arbeitsfähigkeit bedeutet, ist schwer zu ertragen. Es kann nicht darum gehen, die Menschen wieder in das System der Verwertung zurückzuschicken, in dem viele überhaupt erst erkrankt sind. Und statt alle diese Punkte anzugehen, kündigt sich aus Bayern mittels des „Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes“ die nächste Stigmatisierung an. Schrecklich!

Die Aufbauarbeiten für das erste „AufMucken“ auf dem Mühlenkamp sind in vollem Gang. 

Du setzt dich gegen populäre Verschwörungstheorien zur Wehr und sagst, es gebe konkrete Bedrohungen, gegen die man sich positionieren könnte. Welche sind das?

Sookee: Der drohende Überwachungsstaat durch das neue „Polizei-Aufgaben-Gesetz“, rassistische Willkür durch Racial Profiling, Verschleierungen von Nazi-Aktivitäten durch den Verfassungsschutz, reaktionäre, queerfeindliche und antifeministische Propaganda aus dem Spektrum der sogenannten Besorgten Eltern rund um Sven von Storch (ja, den Nachnamen hast du richtig assoziiert), die zunehmende Akzeptanz von antisemitischen Übergriffen und Äußerungen gesamtgesellschaftlich, die AfD als stärkste Oppositionspartei im Bundestag … Reicht das für den Anfang?

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