Im RBS-Lokschuppen wird Schienenfräse zusammengebaut

Damit die Gleise wieder leiser werden

Präsentieren auf der RBS-Drehscheibe in Weyhe ihr gebautes Nischenprodukt für die Gleis-Instandhaltung: Laurent Goer und Fokko Eder.
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Präsentieren auf der RBS-Drehscheibe in Weyhe ihr gebautes Nischenprodukt für die Gleis-Instandhaltung: Laurent Goer und Fokko Eder.

Seit mehreren Monaten werden auf dem weitläufigen RBS-Gelände in Kirchweyhe zwar keine Tankwaggons mehr gesäubert und gewartet, aber der Ort ist nicht verlassen. Die Firma Bremer Maschinenbau haucht dem Gelände neues Leben ein. Die Mitarbeiter sorgen sich um die Sicherheit. Unbekannte hatten kürzlich versucht, Feuer im Häuschen der Drehscheibe und damit die Schaltzentrale der Scheibe zu entzünden. Die wird aber benötigt.

Weyhe – Das Unternehmen Bremer Maschinenbau hat den Lokschuppen gemietet, um dort das erste von insgesamt fünf Schienen-Fahrzeugen umzubauen. Aus einem ehemaligen Triebkranwagen eines längeren Bauzuges, der unter anderem auf ICE-Neubaustrecken eingesetzt worden ist, entsteht ein einzelnes, selbst fahrendes Spezialgerät, das einen anderen Arbeitsschwerpunkt bekommt.

Es geht bei diesem Fahrzeug längst nicht mehr um den Transport und um die Verlegung von Schienen, sondern nun stehen die Wartungsarbeiten von Gleisen im Vordergrund. „Wir bauen eine mobile Schienenfräse“, erklärt Laurent Goer, Geschäftsführer des Unternehmens. Er erklärt, weshalb gefräste Schienen für Anwohner von Gleisen eine Wohltat sind und welchen Nutzen gefräste Schienen haben.

Laurent Goer holt aus und macht einen Vergleich mit dem Auto: Wenn Autofahrer vor Ampeln bremsen, dann entstehen dort schon mal Schlaglöcher, Rillen oder Riefen. „Das gleiche passiert auch an den Schienen“, sagt Laurent Goer.

Zurück zu den Gleisen: Dass mit dem Schienenprofil etwas nicht stimmt, bemerkten Anwohner meist dann, wenn es an bestimmten Stellen scheppert, quietscht oder poltert, ergänzt Fokko Eder. Er ist bei der Firma für den Umbau des Fahrzeugs zuständig. Das Ziel ist es, dass solche Geräusche aufhören.

Wenn die Gleise platt gefahren sind, soll das neue Fahrzeug das ursprüngliche Profil der Schienen wiederherstellen. Die Schienen und die Räder hätten eine besondere Geometrie zueinander, die im Idealfall einen ruhigen Laufweg bewirken soll, erklärt Laurent Goer. „Die stellen wir wieder her“, sagt der Geschäftsführer. Dann hätten die Züge auf diesem Gleis wieder jene Fahrdynamik, die beim Einbau gewünscht ist. Schlechte Fahreigenschaften und Bremseigenschaften in dem Abschnitt seien dann passé.

Das Besondere an der Schienenfräse, die in Weyhe hergestellt wird, ist, dass sie auf einer kleinen, wendigen Lok montiert sei. In diesem Fall wiegt sie „nur“ 17 Tonnen. „Sie könnte problemlos auf einem Tieflader transportiert werden.“ Andere Fräsen seien Bestandteile ganzer Bauzüge, so der Geschäftsführer und die seien ein Vielfaches schwerer. Er glaubt, dass die Neu-Entwicklung seiner Firma sogar für das Schienennetz in ganz Europa interessant sei, weil es so etwas, was er baut, nach seinen Angeben noch nicht gebe.

Große Züge, die derzeit Gleise schleifen und fräsen, hätten Schwierigkeiten in Tunneln zu arbeiten, und Weichen könnten sie auch nicht bearbeiten. „Weichen sind aber besonders teuer in der Instandhaltung“, sagt Laurent Goer. Davon gibt es 15 000 in Deutschland.“ Es ist bislang nicht möglich, sie zu fräsen. Man könne sie schleifen und müsse sie irgendwann aufwendig austauschen.

Laurent Goer glaubt, dass die neuen mobilen Fräseeinheiten erfolgreich einen Nischen-Markt bedienen und die Lebensdauer einer Weiche verlängern. Das in Weyhe gebaute Gerät bilde eine neue Fahrzeugklasse, die es zuvor noch nicht gibt. Den Kopf für die Metallbearbeitung stelle nicht das Weyher Unternehmen her, betonen die Mitarbeiter.

An dem Fräskopf sind 80 Wendeschneitplatten der Firma Ingersoll befestigt, die sehr scharf sind. Eine Vorrichtung bewegt den Rundkopf auf den Schienen – computergesteuert. Die Metallspäne werden abgesaugt und landen in einem Auffangbehälter.

„Die Inbetriebnahme läuft. Ende Oktober ist die Fräse-Lok auslieferbar. Das Eisenbahnbundesamt hat die Lok bereits abgenommen.“ Nun müsse noch die Deutsche Bahn (DB) die Erlaubnis geben, dass diese Lok in die DB-Baustellen einfahren darf. Dann erfolge noch die letzte Abnahme, ob die Fräse den Qualitätskriterien der Bahn entspricht.

„Mit unserem Gerät könne ein Bediener rund 300 Meter Strecke in der Stunde computergesteuert bearbeiten.“ Der MAN-Motor, der die Lok auf dem Gleis antreibt, ist aus, dann übernehme eine zweite Maschine und erzeuge Strom für das Werkzeug. „Die Dieselaggregate sind mit Partikelfiltern ausgestattet“, so Goer. Anwohner von Gleisanlagen müssten aber nicht mit besonders lauten Geräuschen rechnen. „Im Arbeitsmodus sind es 70 Dezibel.“ Das entspricht nach einer Schalltabelle der Lautstärke eines Staubsaugers in einer Entfernung von einem Meter.

Weshalb sich die Firma den Standort in Weyhe ausgesucht hat? Der Geschäftsführer Goer sagt, dass er den Standort seit vielen Jahren kenne. Er habe 20 Jahre lang aus Dreye Gleisbauarbeiten in ganz Europa geplant und koordiniert. „Wir sind hier, weil es auf dem RBS-Gelände funktionierende Gleisanlagen gibt, die wir testweise nutzen dürfen. Stillgelegte Strecken findet man immer.“

Von Sigi Schritt

Im Führerstand der Fräse-Lok: Fokko Eder. Die Kabine ist klimatisiert im Sommer und im Winter beheizt.

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