Hajo Weber wechselt in den Ruhestand

„Leester KGS wird ein pädagogisches Juwel“

+
In der nächsten Woche verabschiedet Studiendirektor Hans-Joachim Weber den letzten Abiturjahrgang in seiner Karriere. 

Weyhe - Von Sigi Schritt. „Ich habe keine Angst vor dem Ruhestand“, sagt Hans-Joachim Weber, den ehemalige Abiturenten vieler Jahrgänge liebevoll Hajo nennen. Der Gymnasialzweigleiter der KGS Leeste hat bereits genaue Vorstellungen, was nach den Sommerferien auf ihn zukommt: Der promovierte 67-Jährige will in Strafverfahren als Schöffe mitwirken und einen Uni-Lehrauftrag ausführen. Außerdem überlegt der Studiendirektor, journalistisch zu arbeiten.

Der mit der baulichen Neuordnung einhergehende Teilabriss der KGS ist für den Vater von zwei erwachsenen Kindern ein Sinnbild dafür, dass die Zeit reif sei, den Leitungsstab nach fast vier Jahrzehnten im Schuldienst weiterzureichen – an eine Pädagogin einer Nachbarschule.

Die KGS verliert in Hajo Weber ein pädagogisches Urgestein, das nicht nur erlebt hat, wie das Kollegium mehrfach gewechselt, sondern an der Weiterentwicklung der Schule in verschiedenen Funktionen mitgewirkt hat.

Die Liebe stellte die Weichen in Richtung Weyhe. Nur so ist es zu erklären, dass der 67-Jährige in der Wesergemeinde sesshaft geworden ist.

Geboren 1951 in Wetzlar, hatte Weber im Jahr 1969 an einem humanistischen Traditionsgymnasium in Gießen sein Abitur abgelegt. Was nur wenige wissen: Damals hatte in ihm – wie er sagt – ein Revoluzzer gesteckt. Heute denkt er mit Schmunzeln an seine eigene Abizeit zurück. „Als Schüler habe ich Dutschke gehört, nicht als Student.“ Als Chefredakteur einer Schülerzeitung hatte er in der Oberstufe in einem Interview mit einem Studentenvertreter mehr über Politik erfahren als im Unterricht. Den damals in der Studentenbewegung beliebte Spruch „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“ propagierte auch sein Jahrgang. An der Gießener Schule lösten Weber und seine Mitschüler ein kleines Erdbeben aus: Sie hatten nämlich beschlossen, die Abifeier ausfallen zu lassen, weil die Schüler keine Lust auf blecherne Auszeichnungen und auf lange Reden einer langen Reihe von Ehemaligen-Jahrgängen hatten. So war es dann folgerichtig, sich die Zeugnisse aus dem Sekretariat zu holen.

Lehrer zu werden, war für Weber zunächst nicht der berufliche Plan. Er wollte lieber forschen. Erst während des Studiums der Germanistik, Romanistik und Philosophie in Hessen und Baden-Württemberg verdichtete sich der Wunsch, Schüler zu unterrichten. So fing der Hesse 1982 in Wolfsburg an und lernte auf einer Lehrerfortbildung seine spätere Frau kennen, die an der KGS Brinkum Spanisch unterrichtete.

Dieter Paterkiewicz abgelöst

Der Liebe wegen bewarb er sich 1984 an die Leester Schule, die noch KGS Weyhe hieß. Dort nahm seine Karriere Fahrt auf, weil er sich für eine Funktionsstelle interessierte.

Zunächst leitete Hajo Weber kommissarisch den Fachbereich Gesellschaft, dann fungierte er zusammen mit Bernd Helmsmüller als Koordinator. Die Aufgabe von 1986 bis 1994: In der Oberstufe Leistungs- und Grundkurse so zu bilden, damit die Schüler nach ihren Wünschen ihr individuelles Abitur ablegen können. „Schule ist keine Fabrik“, erklärt Weber.

Schließlich löste der Pädagoge – zunächst auf Zeit – Dieter Paterkiewicz als Gymnasialzweigleiter ab. 2001 bestätigte die Landesschulbehörde Weber im Amt, das er fortan auf Lebenszeit ausfüllen sollte.

Der Leiter des gymnasialen Zweigs bedauert ein wenig, die Umgestaltung der KGS künftig nur noch aus der Perspektive des Pensionärs zu erleben: „Die Leester KGS der Zukunft wird ein pädagogisches Juwel sein.“ Neben den baulichen Errungenschaften werden die Pädagogen laut Weber hochmoderne Technik täglich einsetzen. „Die Räume werden mit Apple-TV-Geräten ausgestattet, die es ermöglichen, Bildschirme von Tabletts per Beamer an die Wand zu werfen. Hausaufgaben werden so intensiver besprochen und korrigiert. Karten und Bilder können nach Bedarf an die Wand geworfen werden.“ Die Folge: Laptopklassen laufen aus, teure Smartboards gehören der Vergangenheit an. Schüler könnten per Tablet vom Platz aus direkt etwas für die Wand schreiben. Das katapultiere Leeste in eine Zukunft, von der er vor mehreren Jahrzehnten nur geträumt hat: Weber gibt ein Beispiel: Eine historische Karte zum Zustand Europas zur Zeit des Wiener Kongresses sei so nur wenige Klicks entfernt – ein Gang zum Kartenarchiv entfällt.

Der Arbeitsplatz in der Nähe seines Wohnortes habe ihn erfüllt. Das Betriebsklima sei stets gut gewesen außerdem hatte er immer einen „guten Draht zu den Schülern“. Zudem sei die KGS breit aufgestellt und das Feld für die Nachfolgerin überdies gut bestellt: „Die Sprachen laufen stabil. Englisch, Französisch, Spanisch und Latein werden als Prüfungs- und Leistungskurse angeboten. Ab Sommer können Schüler als Alternative zur zweiten Fremdsprache in Klasse 11 Informatik wählen. „Wir suchen einen weiteren Fachmann, damit wir langfristig einen Prüfungsausschuss bilden können.“

Was hätte in den Jahren besser laufen können? Weber bezeichnete die Abschaffung der Orientierungsstufe (OS) vor zwei Jahrzehnten als „einen Fehler der Politik“. Die vor Monaten gestartete OS-Revitalisierung sei darauf die „durchaus angemessene pädagogische Reaktion“. Mit der neuen Eingangsstufe, in der Gruppen gemeinsam lernen, hat die KGS laut Weber gute Erfahrungen gemacht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

EU und Großbritannien betonen Chance auf Brexit-Einigung

EU und Großbritannien betonen Chance auf Brexit-Einigung

Fotostrecke: So lief das Werder-Training am Mittwoch 

Fotostrecke: So lief das Werder-Training am Mittwoch 

Prinz Harry vor dürregeplagten Farmern im Regen

Prinz Harry vor dürregeplagten Farmern im Regen

So gelingen selbst gemachte Brotaufstriche

So gelingen selbst gemachte Brotaufstriche

Meistgelesene Artikel

Claus Brokering erlebt turbulentes Scheunenfest bei „Bauer sucht Frau“

Claus Brokering erlebt turbulentes Scheunenfest bei „Bauer sucht Frau“

Landkreis Diepholz entzieht Baufirma den Abrissauftrag für Brücke über Große Aue

Landkreis Diepholz entzieht Baufirma den Abrissauftrag für Brücke über Große Aue

Hund bei Unfall verstorben: Polizei sucht Besitzer

Hund bei Unfall verstorben: Polizei sucht Besitzer

Stuhr bedient Nachfrage nach Bauplätzen

Stuhr bedient Nachfrage nach Bauplätzen

Kommentare