1,3 Hektar großes Areal

Im Herzen von Leeste: Das Ende der GS-Agri-Türme ist nahe

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Die Türme sind bald Geschichte. Der Bagger macht die letzten Reste des Kraftfutterwerks dem Erdboden gleich.

Mit dem Abriss der GS-Agri-Türme in Leeste hat die Gemeinde Weyhe nicht nur ein Wahrzeichen in Bahnhofsnähe verloren, es wurde auch eine freie Fläche in zentraler Lage gewonnen. Jetzt nehmen die Verhandlungen um die Nachnutzung des Geländes Fahrt auf. Einzelne Fraktionen äußern bereits Ideen.

Weyhe - Der Greifer eines Baggers nimmt eine Betonwand in die Zange. Die Wand hat der hydraulischen Kraft des Abrissgeräts nichts entgegenzusetzen. Stück für Stück „knabbert“ der Bagger das Gebäude ab, das einmal zu einem Kraftfutterwerk gehörte.

Die beiden orange-farbenen Gebäude auf dem Leester GS-Agri-Areal, das sich links und rechts der Kleinbahn erstreckt, gibt es nicht mehr – mit dem Abriss der beiden Türme und auch des Werks II hat Leeste seine Wahrzeichen verloren, die in den Himmel ragten und über viele Jahre aus größerer Entfernung sichtbar waren. „Die Abbrucharbeiten sind in vollem Gang, sie sollen bis April abgeschlossen sein“, sagt Jürgen Focke, bei GS-Agri zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. 

Was soll auf diesem Gelände passieren? „Wir überlegen, wie eine Nachnutzung stattfinden könnte“, so Focke. Aktuell ist das 1,4 Hektar große Areal mitten im Herzen von Leeste in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Leeste ein Mischgebiet, in dem Wohnen und Arbeiten möglich ist. Es gebe schon Interessenten, räumt der GS-Agri-Mitarbeiter ein. Die Genossenschaft will aber zunächst den Abbruch erledigt wissen. Ganz zum Schluss werde das Verwaltergebäude fallen, in dem derzeit das Abrissbüro untergebracht ist, so Focke.

Famila will einen neuen Verbrauchermarkt am Bahnhof Leeste errichten

Weshalb GS Agri den Abriss auf dieser Seite der Bahn ebenso selbst in die Hand genommen hat, wie auf der Seite, auf der sich auch die Leester Grundschule und KGS befinden? Das Unternehmen habe das Gelände deshalb nicht als Industriebrache verkauft, um sich Diskussionen zu bekannten oder unbekannten Altlasten zu ersparen, so der GS-Agri-Sprecher.

Bekannt war zum Beispiel ein Ölschaden unter dem alten Mühlengebäude. Als das Gebäude abgerissen wurde, kam GS Agri an die Schicht heran und konnte sie laut Focke auskoffern lassen. Dann wurde der Boden bis in eine Tiefe von drei Metern gegen einen unbelasteten Boden ausgetauscht.

Auf diesem Areal wird der Famila-Markt gebaut. Nach den Ausführungen Fockes will das Unternehmen Famila im April damit beginnen, den Verbrauchermarkt samt großzügigem Parkplatz zu errichten.

Gelände am Bahnhof Leeste: Politik hat noch keine Pläne entwickelt

Zurück zu den aktuellen Abrissarbeiten: Teilweise hat sich die Politik Gedanken zu dem Gelände gemacht, teilweise noch nicht.

„Wir haben über diese Fläche noch nicht wirklich beraten“, sagt Annika Bruck, Fraktionsvorsitzende der Grünen. „Uns war nur erst mal wichtig, dass dort die Türme abgetragen werden, nachdem klar war, dass sie nicht nachgenutzt werden.“ Die Grünen wollen keine Bauruinen in der Mitte Leestes. Generell sei es sinnvoll, bereits erschlossene Flächen zu nutzen, anstatt weitere neue Flächen zu entwickeln, findet Bruck.

Die CDU hat sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt, so Dietrich Struthoff. Es müsse zunächst geprüft werden, was das Planungsrecht zulässt. Dann müsse geschaut werden, an wen der Eigentümer verkaufen will und dann müsse geschaut werden, was der neue Eigentümer mit der Fläche anfangen will.

Das Areal des ehemaligen Landwehr-Werks befindet sich in der unmittelbaren Nähe des Pingelheini-Gleises.

SPD Weyhe sieht viel Potential in der Fläche in Leeste

Für die Sozialdemokraten hat die 1,3 Hektar umfassende freie Fläche laut dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Rainer Zottmann „viel Potenzial“. Sie befände sich „in einer zentralen Lage. Der neue Famila-Markt auf der anderen Seite, aber auch der Haltepunkt der Linie 8 lägen in „unmittelbarer Nähe“. Zottmann findet, dass das „Gelände „sorgfältig und behutsam“ beplant werden muss. Da es im Eigentum von GS Agri steht, sei es unabdingbar, dass die Gemeindeverwaltung Rahmenbedingungen, Interessenlagen des Eigentümers klärt. Erst dann ließen sich konkrete Pläne entwerfen.

Der Sozialdemokrat sieht einer kombinierten Nutzung Wohnen und/oder Gewerbe entgegen. Für ihn wichtig: Es soll in das Ortsbild von Leeste passen. „Wir wollen keine Brachfläche“, betont er. „Wir waren froh, dass durch die Umsiedlung von GS Agri der LKW- und landwirtschaftlicher Verkehr aus Leeste rausgenommen werden konnte. So soll es auch im Grundsatz bleiben.“ Insgesamt ist für diesen Bereich zudem ein Verkehrskonzept zu entwickeln, sagt er. „Dabei muss der Radfahr- und Fußgängerverkehr besonders beachtet und geschützt werden“, so Zottmann.

GS-Agri-Gelände in Leeste: FDP kann sich Park vorstellen

Die Weyher FDP kann sich für diesen Teil des Leester Ortskernsanierungsgebietes nicht nur eine Wohnbebauung, sondern auch einen Park vorstellen, der einen Trimm-dich-Pfad enthält. „Wir sollten nicht jede verfügbare Fläche zubetonieren, so verliert Weyhe seinen Charme“, sagt Antje Sengstake. „Mehr Wohnungen bedeuten mehr Verkehr.“

Mit einer dichteren Bebauung im Umfeld des Bahnhofes wird die Suhling-Kreuzung (die Kreuzung An der Weide/Leester Straße/Busplatz, Anmerkung der Redaktion) noch mehr belastet, da werde auch die Linie 8 nicht helfen. „Ganz im Gegenteil: Durch den Verbrauchermarkt beim Bahnhof und der zehnminütigen Schließung der Leester Straße durch die Durchfahrt der Straßenbahn könnte sich dieser Teil von Leeste noch zu einen ernsten Verkehrsproblem entwickeln.“

Wie GS Agri auf Anfrage mitteilt, gibt es bereits Gespräche mit der Gemeinde. „Noch ist alles offen“, so der Sprecher der Genossenschaft.

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