Ein Keil in der Gesellschaft

Carsten Neumann warnt vor den völkisch denkenden Mitarbeitern der AfD

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Carsten Neumann vom Kulturverein „Standpunkt Bremen“ referiert im Jugendhaus Trafo in Kirchweyhe. 

Kirchweyhe - Von Sigi Schritt. Vor Neonazis im Nadelstreifen warnt Carsten Neumann vom antifaschistischen Kulturverein „Standpunkt Bremen“ im Rahmen eines Vortrags im Jugendhaus Trafo. Er kommentierte die Bundestagswahl und skizzierte aus seiner Sicht die Folgen des Einzugs der AfD.

Es bleibe nicht nur bei den 93 Abgeordneten – es sei naheliegend, dass für sie in deren Büros jeweils fünf Mitarbeiter beschäftigt seien. Der Referent vermutet, dass das keine Demokraten sein werden.

Seit einem Vierteljahrhundert beobachte Neumann die Szene, seit er Ende der 1980er-Jahre selbst mit Neonazis in Kontakt geraten sei.

Per Beamer zeigte er am Mittwochabend Bilder von örtlichen Vertretern der AfD, die zusammen mit – wie er sagt – „militanten Neonazis“, „Anhängern der White-Power-Bewegung“ und der „Identitäten“ demonstrieren. „Die Führungsköpfe der AfD Bremen laufen unter der Fahne der Identitäten“, so Neumann. „Deren Ursprünge sind faschistisch.“ Der Referent glaubt, dass dadurch das „menschenverachtende, völkische Gedankengut“ in die Räume des Bundestages einzieht.

„Nazis versuchen anhand der Rasse, einen Keil in die Gesellschaft zu treiben“, so Neumann. Ihr Credo laute: Rassen dürften sich nicht vermischen. Statt verbotener Parolen wie „Ausländer raus“, brüllen diese „Kriminelle Ausländer raus“. Carsten Neumann glaubt, dass sich jetzt Allianzen bilden, die bis in den Plenarsaal reichen. „Das ist für mich eine bedrohliche Situation“, so Neumann. Er erinnert daran, dass Adolf Hitler nicht über einen Putsch an die Macht gekommen war, sondern über Wahlen. „Die Gesellschaft war nicht in der Lage, sie abzuwehren. Der größte Unterschied zwischen Menschen von damals und heute? Die von damals konnten sich nicht vorstellen, was Nazis tun können.“

„Da darf nur Ablehnung stehen“

 Heute gebe es Frauen und Männer, die anderen das Recht zum Leben absprächen. „Da darf nur Ablehnung stehen.“ Er forderte die Bürger auf, sich völkisch denkenden Abgeordneten, deren Mitarbeitern und Neonazis stets entgegenzustellen und Hass-Kommentare in sozialen Netzwerken abzulehnen. Wer diese von Hass erfüllten Menschen gewähren lasse, erlebe, dass die Eskalationsstufen weiter steigen.

Es bringe aber nichts, innerhalb eines rechtsradikalen Postings bei Facebook eine Diskussion zu beginnen, um zu versuchen, die Neonazis umzustimmen. Man treffe dort drei Typen: Der erste, der Intellektuelle, gehe zum Schein auf die Argumente ein, lehne sie aber ab und versuche, den Fragesteller auf seine Seite zu bringen. Der zweite Typ verleumde den Fragesteller, und der dritte Typ bedrohe ihn.

AfD-Mitglieder wie die in Salzgitter entlarven sich laut Neumann selbst mit einem inzwischen gelöschten Posting. Er zeigte ein Srceenshot, der authentisch sein soll. Dort ist zu lesen: „(...)Für die Abgeordneten der AfD jedenfalls beginnt der Kampf nun erst richtig. Die nächste Phase im Krieg gegen dieses widerwärtigste System, das je auf deutschem Boden existierte nimmt nun ihren Anfang. (...) Doch werden wir uns nicht davon aufhalten lassen unsere Mission zum Wohle des Deutschen Volkes fortzuführen. Das Ende der Linken und dieses antideutschen Systems ist gekommen!“

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