Neues Bauwerk soll 30 Jahre lang arbeiten

Harzwasserwerke ersetzen Trinkwasser-Brunnnen

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Trinkwasser aus dem Hahn kommt künftig auch aus dem Brunnen Nummer 11. Er liegt zwischen Leeste und Melchiorshausen und wird seit Monaten aufwendig durch die Harzwasserwerke gebaut.

Leeste - Von Sigi Schritt. Wer für den heimischen Garten preiswertes Wasser benötigt, hat zwei Möglichkeiten: Eigentümer können eine separate Zähluhr anbringen, die nur die Frischwassermenge erfasst. So müssen die Verbraucher nicht den im Vergleich erheblich teureren Abwasseranteil bezahlen. Wer aber besonders große Mengen benötigt, lässt einen Brunnen spülen.

Um an das nur einige Meter tiefe Grundwasser heranzukommen, drückt ein Fachmann eine Spüllanze in die Erde. Wasserdruck drückt den sandigen Untergrund nach oben. Auf diese Art und Weise kann innerhalb weniger Minuten ein Rohr, an dem ein Filter angebracht ist, in die Erde eingeführt werden. Erheblich aufwendiger als solch ein Gartenprojekt ist das Bohren eines professionellen Brunnens insbesondere dann, wenn er zur Trinkwassergewinnung dient.

Maik Uhlen von den Harzwasserwerken und Stefan Schütte, Dienststellenleiter des Wasserwerks Syke-Ristedt, erläutern den Ablauf anhand des Neubaus des Brunnens, der – von (Mais-)Feldern umsäumt – eher unscheinbar in der Nähe der Melchiorshauser Straße liegt. „Die Leistung von Nummer 11, einer von insgesamt sieben Brunnen in Weyhe, ist zurückgegangen“, sagt Ingenieur Uhlen und zeigt auf eine Grafik.

2002 sprudelte dort das Wasser erstmals in das Rohrleitungsnetz, das insgesamt 19 Brunnen in Weyhe, Stuhr und Syke mit dem Wasserwerk in Ristedt verbindet. Im Laufe der Zeit sei im Kies das im Wasser gelöste Eisen ausgefällt und habe so die Poren des Filters verstopft. „Zwar kommen wir im Inneren des Förderrohrs in die Tiefe und können es mit einem Hochdruckreiniger säubern“, so Uhlen. Das sei es aber schon gewesen. An den Kies drumherum käme man nicht heran, zumal der Einsatz von Chemie undenkbar sei.

Brunnen Ende des Jahres betriebsbereit

„Diese Art von mechanischer Rohr-Reinigung kann man nicht beliebig oft machen.“ Irgendwann sei also die Zeit gekommen, einen Neubau zu favorisieren. „Das kann schon mehrere Monate dauern. Dieser neue Brunnen wird Ende des Jahres betriebsbereit sein“, erläuterte der Fachmann.

Rückblick: Im April suchten die Fachkräfte auf dem großzügig umzäunten Gelände einen geeigneten Standort (wir berichteten). Die zehn Zentimeter breiten Bohrkerne aus der Erde dienen dazu, den Sedimentaufbau zu ergründen, so Uhlen. Ein Großgerät drehte und drückte dabei ein Rohr in die Erde. Fachleute verschraubten am Kopfende das nächste Stück. Dann wiederholt sich die Prozedur.

Mit dem roten Betonbehälter wird das Bohrloch in der Nacht verschlossen.

Der avisierte Standort passte, befanden die Geologen. Im Anschluss kam eine sogenannte hydraulische Verrohrungsmaschine zum Einsatz, die ähnlich vorgegangen ist, nur dass der Bohrkern einen Durchmesser von 1,20 Meter hat.

Der neue Brunnen ist 37 Meter tief und der Filter wesentlich länger. Im Vergleich zum alten ragt das Förderrohr neun Meter weiter in die Sedimente hinein. „Wir wünschen uns, dass er drei Jahrzehnte Wasser fördert“, so Uhlen.

Der Mitarbeiter der Harzwasserwerke sagt, dass nicht daran gedacht sei, die Leistung zu steigern, indem die Pumpe mehr Flüssigkeit nach Syke zur Aufbereitung schicke. „Wir dürften grundsätzlich mit allen Brunnen 20 Millionen Kubikmeter im Jahr in der Region fördern, benötigen lediglich 16 Millionen Kubikmeter.“ Das war die Menge, die der Versorger vor der Konzessionserneuerung aus der Erde geholt hat. Das bleibe auch so, sagt Uhlen. „Wir versorgen im Notfall andere Wasserwerke, deshalb sind Sicherheitszuschläge einkalkuliert.“

Das Wasser wirkt frisch. Es muss allerdings noch aufbereitet werden – Eisen und Mangan müssten entzogen werden.

Er verrät weitere Zahlen: Ein durchschnittlicher Brunnen bringe 480 Kubikmeter am Tag. Damit könnte man 16 Tanklastzüge befüllen, die 30 000 Liter fassen (Ein Kubikmeter Wasser hat etwa das Gewicht von einer Tonne).

Zurück zu Nummer 11: Er ist fast einsatzbereit. Durch das Befüllen des Filters mit Kies, hätten sich aber die kleinen Körner gegeneinander gerieben. „Wir sprechen von Staub und Splittern“, erklärt Uhlen, deshalb wird der Filter mit Wasser solange durchgespült, bis das Wasser keinen Sand mehr transportiert. Die Pumpe lässt die Flüssigkeit in ein Auffangbecken zum Versickern sprudeln.

Das Wasser wirkt glasklar, doch der Eindruck täuscht. Ohne die Wasseraufbereitung rieche es durch das gelöste Mangan weiter muffig. Durch das gelöste Eisen könnten mit Wasser aus der Tiefe benetzte Flächen braun werden. Das sei zwar nicht schlimm, habe aber im Trinkwasser nichts zu suchen. Deshalb sollten Gartenbesitzer ihr Grundwasser nicht dazu verwenden, weiße Gartenstühle abzuspritzen oder einen Pool damit zu füllen, rät der Fachmann. Chemiker wissen: Mangan und Eisen bilden schwer lösliche rotbraune bis schwarze Oxidhydrate.

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