Erste Abrissphase bis Ende 2019

GS-Agri-Türme: Die Leester Wahrzeichen fallen bis Mai 2020

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GS Agri lässt die Mühlengebäude an der Leester Ladestraße abreißen, um Platz für den geplanten Famila-Supermarkt zu schaffen.

Es tut sich was am Horizont in Leeste: Seit vielen Jahren ragen dort die Mühlengebäude, die sich unmittelbar an der Kleinbahn befinden, in den Himmel. Die Türme der Industriebrache – rechts und links vom Pingelheini-Gleis – wirken nicht nur markant, sie gelten seit Jahren als Wahrzeichen des Weyher Ortsteils. Sie fallen, um Platz zu machen für einen Famila-Supermarkt.

Leeste - Der Komplex an der Ladestraße mit grauem Turmgebäude wird laut Projektleiter Jürgen Focke von der Genossenschaft GS Agri aus Schneiderkrug (Kreis Cloppenburg) zum Jahresende dem Erdboden gleichgemacht. Bis Mai 2020 soll der Komplex am Irrgarten folgen. Ob der darauf befindliche orangefarbene Klotz gesprengt oder mit einem Bagger abgetragen wird, kann Focke nicht sagen. Beides sei möglich. Das sei aber Sache des Unternehmens BSG Bremer Sand-Handelsgesellschaft, die den Auftrag übernommen hat. Dafür zahle GS Agri einen höheren sechsstelligen Betrag, so Focke auf Nachfrage. 

Die orangefarbenden Türme sollen bis Mai 2020 weichen. Im Vordergrund befinden sich die Pingelheini-Waggons.

BSG soll mit ihren Mitarbeitern die Abbrucharbeiten inklusive Schadstoffbeseitung – zum Beispiel Asbest-Belastungen – in Eigenregie regeln. „Das sind Profis“, so Focke. So hat die beauftragte Firma laut der eigenen Referenzen nicht nur einen Komplex von Mercedes-Benz in Bremen zurückgebaut, sondern trug zum Beispiel die Zentrale der Bremer Landesbank sowie die Niedersachsenkaserne in Dörverden ab und riss einen Hochbunker in Duisburg ab.

Rainer Förster (l.) und Dieter Erler beobachten das Geschehen von der Jahnstraße aus.

In Leeste arbeitet sich jetzt das BSG-Team aus Richtung Jahnstraße in Richtung Ladestraße vor. Ein Bagger kneift dabei Stück für Stück Mauerteile aus dem roten Backsteingebäude. Eine Sprinkleranlage soll den Staub benetzen, der sich beim Abbruch entwickelt – das ist aber bei Sturmböen schwer möglich. „Der Wind verwirbelt den Staub von Mörtel und Steinen in alle Richtungen. Er ist nicht belastet“, erklärt Focke.

Der GS-Agri-Rotsteinbau gibt einen Blick auf die Technik preis, die in der ehemaligen Mühle verwendet wurde.

Belastet dagegen waren die Asbestfaser-Zementplatten, mit denen eine angrenzende Halle gedeckt war. Die Abbruchfirma hat laut Focke die Platten „unter Vollschutz abgebaut“, „in sogenannte Big Bags verstaut“ und „ordnungsgemäß entsorgt“. Das werde von den zuständigen Behörden kontrolliert, so Focke. Auch die ehemalige Diesel-Tankstelle, die sich direkt hinter dem Sportplatz der KGS Leeste befindet, wird zurückgebaut. An der Ladestraße sorgt laut Focke eine Spezialfirma dafür, dass kontaminiertes Erdreich ausgekoffert wird. Parallel werden Metall-Teile und Kabel aus dem Gebäude-Turm geholt, so Focke.

Das Werk 2 hat einen Turm aus Metall – noch.

Das Unternehmen GS Agri hat außerdem seinen Verkaufsshop verlegt. Er ist aber noch nicht am neuen Standort in Melchiorshausen an der Ristedter Straße, sondern befindet sich am Irrgarten in der ehemaligen Sammelstelle des Fördervereins Weyhe-Madona. In jenem Gebäude, in dem die Gemeinde Flüchtlinge untergebracht hatte, befindet jetzt eine Auswahl an Saatgut. Ein Umzug an den neuen GS-Agri-Standort sei für den nächsten Monat geplant. Mitte November soll dort der Geschäftsbetrieb aufgenommen werden.

Der Verkaufsshop (rechts) ist umgezogen: auf die andere Seite der Kleinbahn.

Indes lockt der Leester Abbruch bereits Schaulustige an. Von der Ladestraße ist noch nicht viel zu erkennen. Einen guten Blick auf das Geschehen haben jedoch Beobachter, die sich an der Geländeeinfahrt Jahnstraße postieren – so wie Dieter Erler (69) und Rainer Förster (74). Die beiden Leester blicken mit Wehmut auf den Anfang vom Ende der Wahrzeichen des Ortes. Dieter Erler zückt sein Handy und hält die Szenerie fest. „Abbruch hat für mich eine Faszination“, sagt der gelernte Bauingenieur. Wenn die Gebäude weg sind, wisse man nach kurzer Zeit schon nicht mehr, wie sie tatsächlich ausgesehen haben. 

Autos auf der Ladestraße kommen nur bis zu dieser Absperrung. Die Fahrer müssen umdrehen.

Dieser Ansicht ist auch Rainer Förster. Für ihn waren die Türme wichtig. Wer von Bremen über die Marsch Richtung Leeste wollte, hatte die Türme aus der Ferne gesehen. Der 74-Jährige glaubt aber auch, dass es gut für Weyhe sei, dass die Industriebrache geräumt wird und etwas Neues entsteht.

Von der Ladestraße aus kann die Abbrucharbeiten sehen.

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