Neugründung in Weyhe

Institut gegen den Fachkräftemangel: „Das gibt es noch nicht in Deutschland“

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Diskutieren Strategien (v.l.): Christiane Blenski, Marion Radeke, Christof Richter, Peggy Schierenbeck, Christine Körbel und Jana Jeske.

Mit einer innovativen Idee will ein Trio den Fachkräftemangel bekämpfen, Mitarbeiter langfristig binden und passgenaue, betriebliche Lösungen für Unternehmen entwickeln, die ländlich angesiedelt und weniger bekannt sind. Peggy Schierenbeck und Christiane Blenski aus Weyhe sowie Jana Jeske aus Barrien gründen derzeit ein Institut für Personalentwicklung. Der Name: „Zukunftsfähigkeithoch3“. Das Engagement soll sich auf den Landkreis Diepholz erstrecken.

Weyhe - Blenski, Schierenbeck und Jeske haben für ihren Zweck eine eher außergewöhnliche Rechtsform gewählt: eine Genossenschaft. „Das gibt es noch nicht in Deutschland“, erklärt Schierenbeck. Das Trio strebt zudem eine Gemeinnützigkeit an. Diese Idee kommt an: Obgleich die Genossenschaft noch nicht eingetragen ist, haben die Unternehmerinnen bereits erste Unterstützer aus dem Mittelstand bekommen: Marion Radeke von der Firma Rako Maschinenbau in Sulingen und Christoph Richter vom Gut Retzen loben die Idee.

In die Genossenschaft wollen die Frauen aus Weyhe und Barrien ihre geballte Kompetenz einbringen, sagen sie. Peggy Schierenbeck arbeitet erfolgreich als Kommunikationstrainerin und (Führungskräfte-)Coach und organisiert Teamschulungen und Workshops. Christiane Blenski ist Spezialistin für Texte, Vorträge und strategisch-kreative Konzepte rund um das Thema Werbung. Und Jana Jeske ist Business-Coach und organisiert Vorstellungsgespräche und gibt unter anderem Einzelcoaching für Führungskräfte.

„Wir möchten Impulse in die Firmen hineingeben“, so Blenski. Die Unternehmerinnen haben sich eine ganze Reihe von Modulen einfallen lassen, um bei den Genossen einen systematischen Überblick zu gewinnen. So will die Genossenschaft zum Beispiel den Fragen nachgehen, welche Potenziale noch nicht genutzt sind und wie sich das Unternehmen besser aufstellen kann. Die Bedürfnisse der Unternehmen können variieren. Einige suchen händeringend nach neuen Mitarbeitern und Auszubildenden, andere wollen lieber die Unternehmensführung verbessern.

Neues Institut in Weyhe will für Umdenken auf Arbeitsmarkt sorgen

„Ich höre oft, dass die Führungskräfte im Studium so manches gelernt haben, aber nicht, wie man führt“, so Schierenbeck. Daran könne man arbeiten. Genauso könne man als Unternehmen einen laut Blenski sogenannten „Turnaround“ schaffen. Was sie damit meint? „Als Bewerber bist du ein Bittsteller. Die Genossenschaft will auf ihrem Handlungsfeld der Mitarbeitergewinnung einen Umdenkprozess anstoßen. Am Ende soll es heißen: „Bitte bewirb dich auf eine Stelle.“

Das setzt laut Jana Jeske voraus, dass die Mitarbeitermotivation stimmt. Sie nennt Stichworte wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie und sinnstiftende Tätigkeiten. „Junge Menschen wollen keine Nummer in einem Konzern sein. Sie wollen mitbestimmen“, ergänzt Schierenbeck. Dabei gehe es nicht um die letzten 50 Euro, sondern auch um Anerkennung.

Marion Radke erhofft sich viel von den Workshops und Seminaren der Genossenschaft: Sie will ihren Betrieb mit 60 Angestellten fit für die Zukunft machen. Digitalisierung sei für das Unternehmen, das Förder- und Lageranlagen im Metallbereich herstellt eine Herausforderung, die es angehen möchte. Seit ihrer Gründung habe der Metallbauer im Jahr zwei Azubis eingestellt – allerdings gibt es seit zwei Jahren keine Bewerber mehr, die Feinwerkmechaniker lernen möchten.

Fachkräftemangel: Mitarbeitergewinnung und -zufriedenheit wichtig

Für Christof Richter vom Gut Retzen, nach Vilsa mit 120 Mitarbeitern der zweitgrößte Arbeitgeber der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, sei die Zufriedenheit der Angestellten kein Problem. Sie würden gerne in einer der größten Facheinrichtungen für Schwer-Schädel-Hirn-Geschädigte arbeiten. „Wir lieben unsere Mitarbeiter und machen alles mit, was innovativ und pfiffig ist“, sagt Richter.

Das bestätigt Christine Körbel. In dieser Pflegeeinrichtung gebe es „47 Arbeitszeitmodelle“, Dienstwagen sogar eine Tagesmutter. Es sei auch völlig normal und wertschätzend, Kosten für die Schulungen der Angestellten zu übernehmen. Doch Christof Richter könne am Kalender ablesen, wann Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. „Eine Unternehmensberatung kann keine Wunder leisten“, sagt er. Er ist aber überzeugt davon, dass der Genossenschaftsgedanke „Alle für einen. Einer für alle“, weitere Kreise zieht.

Erstmals stellt sich die Genossenschaft in Gründung auf der Fairnet-City am Sonntag, 23. Februar, in der KGS Kirchweyhe vor.

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