Keine mobilen Lüfter in Klassenräumen

Elternvertreter von Ausschuss-Mehrheit überstimmt

Premiere für Dr. Helgard Struckmeier: Sie leitet den Schulausschuss.
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Premiere für Dr. Helgard Struckmeier: Sie leitet den Schulausschuss.

Weyhe – Billigt die Gemeinde das Aufstellen privat beschaffter mobiler Lüftungsanlagen? Um diese Frage ging es unter anderem am Dienstagabend in der ersten Sitzung des Ausschusses für Schule, Kindertagesstätten und Jugend. Die neue promovierte Vorsitzende Helgard Struckmeier (CDU) moderierte dabei eine lebhafte Diskussion. Am Ende aber stimmte die Ausschuss-Mehrheit gegen den Antrag der FDP, der sich mit diesen mobilen Lüftern beschäftigt hatte.

Die Elternvertreterin Franziska Schwarz-Beck hatte sich ebenso vergeblich für den Antrag der Liberalen eingesetzt wie der neue promovierte FDP-Fraktionsvorsitzende Andreas Hinderks.

Die Liberalen seien wie auch Elterninitiativen der Ansicht, dass das Aufstellen von mobilen Lüftungsanlagen die Viruslast in den Schulräumen nachweislich reduziere. Die Geräte sollen nur ergänzend zur Lüftungsregelung – 20 Minuten Unterricht, fünf Minuten Stoßlüften, 20 Minuten Unterricht – aufgestellt werden. Hinderks merkte dabei an, dass die üblichen fünf Minuten fürs Stoßlüften bei Windstille nicht ausreichen würden. Es seien sogar 20 Minuten nötig, bis sein Kohlendioxid-Warner aufhört zu piepen. Zudem habe es die Hansestadt Bremen für ihre Schulklassen vorgemacht: Sie hätte Lüfter aufgestellt. Doch diese Argumente vermochten die anderen Parteien nicht zu überzeugen, für jenen Antrag zu stimmen.

Die Verwaltung gab den Mandatsträgern eine Argumentationshilfe an die Hand: Der zuständige Fachbereichsleiter Fabian von Weyhe merkte an, dass das Umweltbundesamt die Schulräume in unterschiedliche Kategorien einteilt. Die erste sei für Räume mit guter Lüftungsmöglichkeit bestimmt, die bereits eine raumlufttechnische Anlage aufweisen oder deren Fenster weit zu öffnen sind. Das Aufstellen von Luftreinigungsgeräten für genau diese Räume sei nicht notwendig, wenn ein Luftaustausch durch regelmäßiges Stoß- und Querlüften erfolgt, referierte von Weyhe. Gleichwohl müssten die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Das werde gegenüber dem Corona-Virus als ausreichend angesehen. Der niedersächsische Rahmen-Hygieneplan sehe bei Schulen vor, dass das 20-5-20-Prinzip eingehalten werden soll. Die Geräte müssten geeignet sein und dürften nur ausnahmsweise nach Prüfung der Notwendigkeit in Betrieb gehen, so von Weyhe. Fest stehe, dass mobile Luftreiniger verbrauchte Raumluft weder abführen noch Frischluft zuführen können. Der Fachbereichsleiter machte deutlich, dass es in Weyhe nur Räume der Kategorie 1 gibt.

„Die Gesundheit der Kinder ist uns sehr wichtig“, sagte Birgit Struthoff (CDU). Entscheidend für die Christdemokraten sei, dass Räume, die nicht richtig gelüftet werden können, nicht genutzt würden. Außerdem sei es falsch, wenn Eltern glaubten, mit einem mobilen Lüftungssystem eine Scheinsicherheit zu haben. „Die CDU findet den Antrag unseriös. Die Ängste der Eltern werden instrumentalisiert.“ Wiebke Wildemann von den Grünen pflichtete ihr bei. Sie arbeite bei einer Behörde und beschäftige sich mit Arbeitssicherheit. Sie wolle aus fachlicher Sicht den Einsatz von privat beschafften Geräten nicht unterstützen. Schlecht gewartete Geräte, die nicht fachgerecht bedient würden, könnten eine Gefahrenquelle sein. Als Stichwort nannte sie Bakterien. Auch Siard Schulz (SPD) schaltete sich in die Diskussion ein. Er machte deutlich, dass sicherlich nur dort Geräte verwendet würden, wo es Elterninitiativen gibt. Wo es aber keine gibt, würden Klassen leer ausgehen. Das lehne er ab. Der Schülervertreter der KGS Leeste, Vincent Myska, finde eine Zwei-Klassengesellschaft nicht gut. Es sei unfair, wenn einige Klassen Lüfter bekämen, andere aber nicht.

Eine Scheinsicherheit trete nicht ein, weil sich an der Sicherheit nichts ändere. Das Stoßlüften werde ja beibehalten, so Elternvertreterin Schwarz-Beck. Eine Zwei-Klassengesellschaft gebe es längst: Die Ausstattung der KGS Leeste sei eine ganz andere als die in der KGS Kirchweyhe. Schwarz-Beck findet, dass viele Eltern aus dieser Diskussion ausgesperrt würden. Wenn sich Eltern engagieren, müsse man die Wünsche ernst nehmen. Sie sei viele Jahre lang Elternvertreterin gewesen, so Katrin Kurtz. Es gehe um Respekt. Käme die Entscheidung durch, würden einige Mercedes fahren, die anderen einen Gogo.

Unterm Strich stimmten für den FDP-Antrag neben Hinderks auch die beiden Elternvertreter Franziska Schwarz-Beck und Ingo Moss. Daniel Welp, Vertreter der Gruppe Die PARTEI/Die Linke/FWG, enthielt sich.

Von Sigi Schritt

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