Kameraüberwachung am Bahnhof

„Weyhe ist eine sichere Gemeinde“

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Florian Schneider (l.) und Heiko Blank wünschen sich eine Videoüberwachung für den Bahnhofsvorplatz.

Weyhe – Die Mehrheit der Leser (48 Prozent) hat sich im Rahmen einer nicht-repräsentativen Online-Umfrage bei kreiszeitung.de für eine Überwachung des Kirchweyher Bahnhofsvorplatzes ausgesprochen. Mehr noch: Die Bilder müssten in der Wache des Leester Polizeikommissariats auflaufen. Weitere Leser (26 Prozent der abgegebenen Stimmen) wollen Kameras sehen, aber die Bilder könnten auch nur auf einem Server gespeichert und nach gewisser Zeit überschrieben werden. Diese Zeitung hatte kürzlich über den Ärger von Mietern der Bahnhofsimmobilie berichtet, die Einbruchsversuche beklagt hatten und deshalb die Ausweitung der bestehenden Überwachung forderten.

Die Minderheit – knapp 26 Prozent – will alles so belassen, wie es ist. Kameras sollen nicht installiert werden. Eine Zählung hatte ergeben, dass sich mehr als 900 Leser mit der Umfrage beschäftigt hatten – insgesamt 120 Personen beteiligten sich an der Abstimmung.

Was sagt die Politik dazu? Eine weitere Videoüberwachung wird installiert, aber nur für die (Rad-)Unterführung, kündigt Frank Seidel an. Der SPD-Fraktionsvorsitzende berichtet, dass ein entsprechender Beschluss im Haushalt 2019 fixiert sei. „Gerade dort, wo es Räume gibt, die schlecht einsehbar sind und Unwohlsein auslösen, oder wo es Kriminalitätsschwerpunkte gibt, sollte es geprüft werden.“ Das ist laut Seidel bei der Unterführung hinsichtlich des Unwohlseins so. „Beim Bahnhofsvorplatz verlassen wir uns auf die Aussagen der Fachleute und Profis, nämlich der Polizei. „In dem Artikel der Kreiszeitung wird Thomas Gissing bereits zitiert, dass der Bahnhof beziehungsweise der Bahnhofsvorplatz kein Schwerpunkt ist. Eine Videoüberwachung macht auch nur dann Sinn, wenn sie dosiert und wohlüberlegt eingesetzt wird.“ Eine flächendeckende Videoüberwachung, wo jeder überall auf Schritt und Tritt verfolgt werde, lehne die SPD ab. „Eine Videoüberwachung ist eben kein Allheilmittel gegen Kriminalität.“ Seidel bedauert jeden Einbruchversuch: „Ganz gleich, ob privat oder in Geschäften.“ Aus diesem Grunde habe die SPD vor wenigen Jahren eine Arbeitsgruppe zur Prävention mit der Polizei initiiert und angeregt, den Weißen Ring hinzuziehen. Für Seidel steht fest: Eine dauerhafte Beleuchtung für den Vorplatz ist wichtig und deshalb „weiter zu gewährleisten“.

Mehr als 900 Internet-Nutzer haben sich diese Grafik angesehen – bis Dienstagmittag stimmten immerhin 120 Leserinnen und Leser ab. Es gab vier Antworten zur Auswahl. - hier können Sie noch abstimmen

Es gebe schon Bereiche am Bahnhof, nämlich die Tunnel zum Mittelbahnsteig, die mit Videoanlagen überwacht werden, kommentiert der CDU-Fraktionsvorsitzende Dietrich Struthoff. Zu den gescheiterten Einbrüchen bemerkte der Christdemokrat, dass die soliden Fenster und Türen, die die Gemeinde eingebaut hatte, in den beschriebenen Fällen ihre Wirkung entfaltet haben. „Ich gehe davon aus, dass die Mieter im Bahnhof versichert sind.“ Eine Ausweitung der Überwachung durch Video müsse geprüft werden. Sinnvoll ist seiner Ansicht nach eine Einbruchmeldeanlage mit Weiterschaltung in die Einsatzleitstelle. So praktizieren es „viele Firmen und Privatleute“. „Bei vermummten Tätern hilft auch keine Video-Überwachung“, so Struthoff.

Es gibt bereits eine Kameraüberwachung im Tunnel. Die Bilder werden nach einiger Zeit wieder gelöscht. Foto: Jantje ehlers

Die Grünen vertrauen auf die Bewertung der Polizei, die den Vorplatz nicht als Kriminalitätsschwerpunkt kennzeichnet. Die Fraktionsvorsitzende Annika Bruck will die Ergebnisse abwarten, die mögliche Gespräche zwischen den Mietern der Bahnhofsimmobilie und der Polizei bringen. „Wir hören uns die Ergebnisse an und wägen dann ab.“ Für Bruck steht fest: „Insgesamt ist Weyhe aber eine sichere und friedliche Gemeinde – das sollte man nicht vergessen.“

Während die SPD, CDU und die Grünen sich gegen eine Ausweitung der Überwachung aussprechen oder eine abwartende Haltung einnehmen, unterstützt die FDP-Fraktionsvorsitzende Antje Sengstake die Forderungen der beiden Unternehmer, die Ärger hatten. „Ich finde die Überwachung im vorderen Bereich sehr wichtig, zumal dort auch viele Fahrräder gestohlen werden und auch schon Schlimmeres passiert ist.“

Videoüberwachung in Bahnhöfen: 6.000 Kameras im Einsatz

Die Deutsche Bahn baut in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium des Innern und der Bundespolizei ihre Videoanlagen kontinuierlich aus, heißt es in einer Pressemitteilung der Bundesregierung. Derzeit werden rund 900 Bahnhöfe mit über 6 000 Kameras überwacht. 

In rund 50 Bahnhöfen werden Bilder live ausgewertet – Berlin Südkreuz wurde mit moderner Technik ausgestattet. In einem Pilotprojekt wurden Systeme zur automatisierten Gesichtserkennung erprobt. „Kirchweyhe ist nicht Berlin Südkreuz“, sagt der Sprecher der Polizeiinspektion Diepholz, Thomas Gissing. Er bittet die Kirchweyher Unternehmer an den Runden Tisch.

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