Elektro-Antrieb am Horizont

Bürgerbusse in der Erfolgsspur

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Die Bürgerbusse in Weyhe haben sich etabliert.

Weyhe - Von Ulf Buschmann. Bürgerbusse: Sie sollen Lücken im öffentlichen Nahverkehr schließen. Was anfangs teilweise skeptisch betrachtet wurde, hat sich inzwischen zu einem echten Renner entwickelt. Der Beleg dafür sind die Fahrgastzahlen. Sie legen überall zu, so etwa in Weyhe. Doch Bürgerbusse sind noch mehr: Sie sind ein Stück der lokalen Identität geworden.

Regine von Larcher hatte gute Laune. Die Vorsitzende des Bürgerbus-Vereins Weyhe präsentierte bei der Jahreshauptversammlung jüngst recht ansehnliche Fahrgastzahlen. Auf der Linie 116 waren alleine im vergangenen Jahr 8 709 Fahrgäste unterwegs gewesen – im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 45,88 Prozent. Auf der zweiten vom Verein betriebenen Bürgerbus-Linie 117 waren es 19 177 Menschen. Dort musste der Verein ein Minus von 0,28 Prozent in Kauf nehmen.

Aber diesen kleinen Absturz, findet von Larcher, kann der Verein durchaus verkraften. Insgesamt findet sie: Die beiden Bürgerbusse der Gemeinde haben sich etabliert. Wie die Straßen- oder S-Bahnen und die großen Busse sowieso sind die Bürgerbusse ein selbstverständlicher Teil des Angebots in Sachen Öffentlicher Personen-Nahverkehr (ÖPNV) geworden. Dabei wurden die Achtsitzer mit den ehrenamtlichen, in der Regel älteren Fahrern anfangs mehr oder weniger heftig belächelt.

Nicht ist mehr da vom hämischen Grinsen und den hämischen Bemerkungen, im Gegenteil: Wenn der Bürgerbus nicht fährt, fehlt den Menschen in Weyhe und umzu etwas. Die rot-weißen Flitzer sind ein Stück der lokalen Identität. Vor allem aber spielen Bürgerbusse eine gewichtige Rolle bei der Verkehrsplanung der Gemeinden. Da ist Weyhe keine Ausnahme.

Die gesamt-niedersächsische Hinwendung zum Bürgerbus bestätigt Stefan Bendrien. Er ist beim Zweckverband Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen (ZVBN) für die Bürgerbusse zuständig. Außerdem engagiert sich Bendrien ehrenamtlich: als Vorsitzender des Dachverbandes aller Vereine, Pro Bürgerbus Niedersachsen. „Die Fahrgäste steigen zu, weil das Prinzip Bürgerbusse immer bekannter wird“, sagt Bendrien. Er ergänzt: „Da kann man ruhig von regionaler Identität sprechen.“

Die gute Entwicklung lässt sich anhand der Fahrgastentwicklung nachvollziehen. Im Bereich des ZVBN waren im Jahr 2014 laut Internetseite rund 240 000 Menschen mit den Bürgerbussen unterwegs. Die Zahlen für 2017 liefert Bendrien nach: Ihm zufolge waren es 320 000 Fahrgäste. Allein im Bereich des Verkehrsverbundes Bremen-Niedersachsen (VBN) verkehren derzeit 21 Bürgerbusse. Im gesamten Bundesland sind es 50. So ist es auf der Internetseite www.pro-buergerbus-nds.de nachzulesen. Das Netz reicht von A wie Achim über O wie Oyten bis Z wie Zeven.

Mit einem Ticket durch das VBN-Gebiet

Für alle Bürgerbusse gilt laut Bendrien: Jeder Fahrgast könne im Bus ein Ticket kaufen und damit mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchs gesamte VBN-Gebiet von Bremerhaven im Norden bis Diepholz im Süden fahren. Dieses ist ab dem 1. August auch in den Gemeinden Visselhövede und Bothel möglich. Hintergrund: Die Stadt und die Samtgemeinde werden sogenannte assoziierte VBN-Mitglieder.

Für die Trägervereine stellt sich derweil immer mehr die Frage, wie es weitergeht, sprich: Werden die neu anzuschaffenden Busse noch mit Diesel fahren, oder werden es Elektrobusse sein? Diese Frage stellen sich auch die Mitglieder und Verantwortlichen des Bürgerbus-Vereins Weyhe. Er benötigt im kommenden Jahr einen neuen Bus. Mit diesem Thema hat sich eine Arbeitsgruppe befasst.

Das Ergebnis: Am liebsten möchten die Weyher einen Elektrobus. Die Überlegungen dazu seien im Prinzip abgeschlossen, erklärt Hans Töbelmann, zweiter Vorsitzender und Sprecher des Vereins: „Wir haben das Thema schon komplett bearbeitet.“ Dies betreffe sowohl den Hersteller als auch die notwendige Infrastruktur und die Kosten. Letztere beliefen sich auf 20 000 bis 30 000 Euro.

Woher das Geld kommen soll, ist noch nicht klar. Grundsätzlich aber fördert das Land nicht nur die Anschaffung neuer Bürgerbusse, sondern auch die E-Ladeinfrastruktur. Das Geld dafür kommt zur Hälfte aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE). Sollten sich beispielsweise die Weyher für einen Elektro-Bus entscheiden, gibt es maximal die Hälfte des investierten Geldes zurück. „Für die Förderung aus EFRE-Mitteln stehen bis 2020 zehn Millionen Euro zur Verfügung, zuzüglich Landesmittel. Davon sind rund 2,4 Millionen bereits bewilligt“, schreibt Julia Wolffson, stellvertretende Pressesprecherin des zuständigen Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, auf Nachfrage.

Für Neu- oder Ersatzbeschaffungen von Bürgerbussen gibt es auch Geld vom Land Niedersachsen. Maximal 70 000 Euro gibt es laut Förderrichtlinie für konventionelle Standard- sowie 80 000 Euro für barrierefreie Niederflurbusse. Noch tiefer in die Tasche greift das Land für die Antriebsart „CO2-frei“: Für Standardbusse gibt es 119 000 Euro, für Niederflur-Fahrzeuge sind 136 000 Euro drin.

E-Busse: Förderung, aber wenig Reichweite

Der Verein Pro Bürgerbus Niedersachsen weist auf seiner Internetseite zudem auf die maximal 25 000-Euro-Förderung im Bereich des ZVBN hin: „Diese Summe ist frei zu verwenden, steht also nicht ausschließlich für die Beschaffung des Fahrzeugs zur Verfügung.“

Jedoch: Trotz aller großzügigen Förderung rät Bendrien zurzeit noch von der Anschaffung eines Elektro-Bürgerbusses ab. Er verweist auf die technischen Probleme des ersten in Deutschland fahrenden Fahrzeugs dieser Art in Göttingen-Dransfeld. Die Kapazität der Batterie sei mit 24 Kilowatt Leistung zu schwach. Notwendig seien 40-Kilowatt-Batterien. Doch die gebe es noch nicht, erklärt Bendrien. Er schätzt, dass Elektrobusse frühestens in drei, eher jedoch in fünf Jahren so weit entwickelt sind, dass sie den Anforderungen entsprechen. „Sie müssen vormittags fahren können, mittags laden und nachmittags wieder fahren.“

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