Nach sieben Jahren: Grüne wollen einstimmigen Ratsbeschluss aus Jahr 2014 umgesetzt wissen

Weyhe bald mit Naturschutzgebiet?

Im Hintergrund befindet sich ein Bereich, der zum Naturschutzgebiet umgewandelt werden soll.
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Im Hintergrund befindet sich ein Bereich, der zum Naturschutzgebiet umgewandelt werden soll.

Weyhe – Drei Generationen von Grünen im Weyher Rat sind nötig, damit die Diskussion um die Errichtung eines ersten Naturschutzgebietes für Weyhe Fahrt aufnimmt. Manfred Böcker, ehemaliger Ratsherr der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, hatte vor sieben Jahren im Namen des Naturschutzbundes die Einrichtung eines Naturschutzgebietes im Außendeichbereich beantragt.

Damals hieß der Bürgermeister noch Frank Lemmermann. Andreas Bovenschulte war 2014 Erster Gemeinderat, und der heutige Bürgermeister Frank Seidel war in jenem Jahr noch Fraktionsvorsitzender der SPD.

Manfred Böcker brachte Mittwochnachmittag den aktuellen Mandatsträger der Grünen, Elmar Könemund, und die künftige Mandatsträgerin Ulrike Buck mit. Böcker erinnerte daran, dass vor sieben Jahren der Rat über alle Fraktionen hinweg einstimmig beschlossen hatte, beim Landkreis auf eine Ausweisung von Naturschutzgebieten hinzuwirken.

„Weyhe entwickelt sich zur naturschutzfreien Gemeinde“, befürchtet er. „Wir haben in Weyhe kein einziges Naturschutzgebiet“, betont Manfred Böcker. Im Süden des Landkreises gebe es ganz viele Naturschutzgebiete, merkt die promovierte Biologin Ulrike Buck an. Doch es gibt Hoffnung.

Elmar Könemund erklärt, worum es der Grünen-Fraktion geht. Der erste Bereich, den der Landkreis als Naturschutzgebiet ausweisen soll, verläuft von der Korbinsel im Norden über den Blauen Werder, Henkenwerder bis zur Eisenbahnbrücke und weiter zum alten Dreyer Hafen.

Der zweite Bereich, um den es geht, umfasst den Außendeichbereich östlich der Verlängerung Wieltdamm bis zur Gemeindegrenze nach Riede. Die Ratsunterlage nimmt Bezug auf den Landschaftsplan und Planungshinweise des Landes Niedersachsen. Es gebe dort wertvolle Bereiche für Gastvögel und Brutvögel. Auch Planungshinweise des Landkreises Diepholz dokumentieren im Landschaftsrahmenplan von 2008 die Wertstufe dieses Bereiches. Die Gutachter kommen zu dem Schluss, dass die Bereiche vom Wieltsee bis zur Ahauser Kuhweide für die Arten- und Lebensgemeinschaften der Brutvögel als „sehr wertvoll“ anzusehen sind.

Die Argumente, weshalb diese beiden Bereiche zu Naturschutzgebieten umgewandelt werden sollten, seien bereits 2014 vorgebracht worden, sagen die Grünen.

Auch der Brutkolonie auf dem künstlichen Brutfloß im Blauen Werder komme eine besondere Bedeutung zu, da diese Art nur an sehr wenigen Stellen im norddeutschen Binnenland brütet. Für rastende Vögel hat die Weseraue ebenfalls eine wichtige Bedeutung. Im Winter rasten auf den großen Stillgewässern neben Haubentauchern und Kormoranen auch sehr seltene Arten wie Eistaucher, Eis- und Trauerente. Während viele flachere Stillgewässer im Winter zufrieren, biete der Weyher Außendeichbereich mit den größeren, tiefen Stillgewässern noch ausreichenden Lebensraum.

Unterm Strich sahen 2014 alle Fraktionen beim Naturraum Weseraue „eine hohe Schutzwürdigkeit“.

Immerhin wurde laut Könemund von Ideen der 1980er- und 1990er-Jahren Abstand genommen, auf den Außendeich-Gewässern Wasserski-Zuganlagen zu bauen. Auch ein Campingplatz sei im Gespräch gewesen. Zudem kamen Schwarzbauten rund um den Wieltsee auf. Im damaligen Flächennutzungsplan der 1980er-Jahre sei das Areal um den Wieltsee als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen gewesen, erinnert sich Manfred Böcker.

Die Grünen wollen in der nächsten Wahlperiode nicht locker lassen, sich für das Naturschutzgebiet einzusetzen, kündigen sie an.

Was sind die Gründe, weshalb das Projekt ins Stocken geraten ist? „Aufgrund der seit 2014 vordringlich durchzuführenden Ausweisung und Sicherung der sogenannten „Natura 2000“-Gebiete und der anschließenden Verpflichtung zur Erstellung von Bewirtschaftungsplänen für die ausgewiesenen Gebiete wurde das Verfahren zur Neuausweisung des Gebietes der Weseraue bislang nicht vordringlich vorangetrieben, sagt Kreisrat Jens-Hermann Kleine. In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass der Landkreis in der Vergangenheit bereits zwei Beteiligungsverfahren zur Schutzgebietsausweisung durchgeführt hat. Es gibt Landschaftsschutzschutzgebiete, aber keine Naturschutzgebiete, ergänzt Böcker. Der Kreis habe kritische Stimmen in Bezug auf die Ausweisung vernommen. Nach Rücksprache mit der Gemeinde werde „das formelle Verfahren zur Ausweisung eines Naturschutzgebietes“ Ende diesen/Anfang nächsten Jahres begonnen, kündigt Kleine an. In diesem Zusammenhang werde es ein Beteiligungsverfahren geben.

Von Sigi Schritt

Die Grünen zeigen eine Karte mit den beiden Bereichen, die als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden sollen.

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