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Keine fossilen Brennstoffe im geplanten Wohngebiet an der Lahauser Straße

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Von: Dierck Wittenberg

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Die Wiese, auf der ein Hotel entstehen soll, das Menschen mit Behinderung Arbeitsplätze bietet. Zudem sind Wohnhäuser und Mischimmobilien mit teils gewerblicher Nutzung geplant.
Blick von Westen: Auf dieser Wiese soll ein Hotel entstehen, das Menschen mit Behinderung Arbeitsplätze bietet. Zudem sind Wohnhäuser und Mischimmobilien mit teils gewerblicher Nutzung geplant. © Wittenberg

Keine fossile Energie. Dächer, die bereit sind für Photovoltaik: Im Wohngebiet um das geplante Inklusionshotel an der Lahauser Straße in Weyhe soll klimafreundlich gebaut werden.

Weyhe – Es ist das letzte große Filetstück unter den Gebieten, die Nahe des Kirchweyher Ortskerns noch bebaut werden können: das „An der Lahauser Straße“ genannte Areal südlich des Marktplatzes, das zwischen Waterlose, Hauptstraße und Lahauser Straße liegt. Wie berichtet, sollen auf den rund 42 000 Quadratmetern (entspricht knapp sechs Fußballfeldern) ein sogenanntes Integrationshotel, Reihen- und Mehrfamilienhäuser sowie gemischte Immobilien für Wohnen und Gewerbe entstehen.

Das Projekt wurde 2018, noch unter Bürgermeister Andreas Bovenschulte, angeschoben. Am Dienstagabend hat sich der Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt erneut damit beschäftigt – und einstimmig für gut befunden, was die Gemeindeverwaltung mit dem Oldenburger Büro P3 Planungsteam entwickelt hat.

Ausschuss gibt grünes Licht für strenge Klimavorschriften im Bebauungsplan

Die anwesenden Ausschussmitglieder gaben damit auch zwei Änderungen grünes Licht, die sicherstellen sollen, dass an der Lahauser Straße klimafreundliche Häuser entstehen: Einerseits schließt der Bebauungsplan nunmehr die Verwendung fossiler Brennstoffe für die Wärme- und Warmwasserversorgung aus. Hiervon ist das Hotel ausgenommen, weil es technische Standardlösungen im Gewerbebau bisher nicht gebe, so Steffen Nadrowski, Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung und Umwelt.

Anderseits muss im Reihenhausgebiet auf Dachaufbauten wie Erker verzichtet werden. Das soll nicht nur eine einheitliche und zum Bestand passende Gestaltung sicherstellen. Vor allem geht es darum, dass die Dächer „PV-Ready“ sind, also für Fotovoltaik-Flächen zu nutzen sind.

Ein Inklusionshotel soll in Weyhe Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung schaffen

Was der Bauausschuss am Dienstag beschlossen hat, war die sogenannte Offenlage. Damit hat der „Bebauungsplan Nummer 28 (61/88)“ gut die Hälfte aller notwendigen Schritte auf dem Weg zum anvisierten Inkrafttreten im Herbst erfolgreich absolviert. Ein Bebauungsplan, betonte Nadrowski eingangs, regelt allein baurechtliche Fragen. Viona Schütte, die zuständige Planerin, übernahm es anschließend, per gut halbstündigem Vortrag einen Überblick über das zentimeterdicke Schriftstück zu bieten.

Die Lage des Gebiets sei sehr bedeutsam für die Gemeindeentwicklung, betonte Schütte. Und: „Es geht im Wesentlichen darum, dass ein Inklusionshotel nach Weyhe kommt.“ Dadurch sollen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung im Hotelbereich entstehen. Hier gebe es eine Lücke im Vergleich zu den Nachbarkommunen, so Schütte.

Bebauungsplan „An der Lahauser Straße“ legt Schwerpunkt auf Umwelt- und Klimaschutz

Die Planerin skizzierte den Weg, den der Bebauungsplan bisher genommen hat: Ein erster städtebaulicher Entwurf sei die Grundlage für eine frühzeitige Bürgerbeteiligung Anfang Februar gewesen. Die Online-Informationsveranstaltung nannte Schütte ein „sehr gutes Format“. Im Ausschuss ging sie auf die dort geäußerten Hinweise ein, die teils Eingang in die Planung gefunden haben. Beispielsweise sei eine Stellplatzanlage „weggeplant“ worden: Aus einem Parkplatz in der Nähe bestehender Gebäude ist demnach eine Anlage mit Tiefgarage im Norden geworden. Wie vorgeschrieben, hat die Weyher Verwaltung zudem Behörden und andere, wie es auf Verwaltungsdeutsch heißt, Träger öffentlicher Belange beteiligt.

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Insgesamt legt der Bebauungsplan einen Schwerpunkt auf Umwelt- und Klimaschutz. Hierfür stehen besagte Vorschriften zu Dachaufbauten und fossilen Brennstoffen – die, so Schütte, der Verwaltung wegen baurechtlicher Bedenken „viel Gehirnschmalz“ gekostet hätten. Die Erreichbarkeit „für alles, was läuft und Fahrrad fährt“ sowie zwingende Dachbegrünung auf Flachdächern sind weitere Beispiele aus dem Vortrag der Planerin.

Lob aus der Politik: „Das hat das Rathaus sehr gut gemacht“

Aus der Politik erntete sie dafür Lob: „Das hat das Rathaus sehr gut gemacht“, sagte Rainer Zottmann von der SPD. Er stellte fest: „Für uns ist wichtig, dass wir diesen Schritt machen.“ Ulrike Buck (Grüne) nannte den Plan ein gutes Paket. Positiv hob sie das Verbot von Schottergärten hervor und nannte den Verzicht auf fossile Brennstoffe ein Wagnis. Ingrid Söfty (CDU) sprach für ihre Fraktion von „einem neuen, ganz anderen Bebauungsplan, den wir gut finden“. Mit Blick auf die Bauvorschriften sagte sie: „Das mag ja sein, dass da geklagt wird – das ist dann so.“

Nach der einstimmigen Zustimmung (die Gruppe aus Partei/Linke/FWG war nicht anwesend) ist der Bebauungsplan in den Verwaltungsausschuss gegangen, der am Mittwoch getagt hat. Danach muss der Bebauungsplan für mindestens einen Monat öffentlich ausgelegt werden.

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