Naturschützer geben Tipps

Nabu Weyhe: Wespen „nicht aggressiver als andere Tiere“

Eine Wespe sitzt auf einem Kuchen.
+
Wie es sich vermeiden lässt, den Pflaumenkuchen mit den Wespen zu teilen, erklärt der Nabu.

Sie fliegen wieder: Wachgeküsst von der Frühlingssonne sind die Wespenköniginnen aus ihrem mehrmonatigen Dornröschenschlaf ins Leben zurückgekehrt, berichtet Bernd Daneke vom Nabu Weyhe. Der Naturschützer gibt Tipps für den richtigen Umgang mit den Tieren.

Weyhe – „Gelegentlich begegnen uns die just erwachten, teilweise sehr geschwächten Monarchinnen auch im Haus: Den Winter haben sie – sämtliche äußere Anzeichen von Lebendigkeit eingestellt – zum Beispiel in einer Nische in den Dachsparren verbracht. Jetzt heißt es Kraft tanken, am liebsten an blühenden Tankstellen wie nektargefüllten Frühlingsblumen, Kirsch- und Apfelblüten“, erklärt Daneke. Sind die nicht gleich parat, helfe aber auch angerührtes Zuckerwasser. Seien die Lebensgeister geweckt, rufe auch schon die Arbeit, der biologische Auftrag. Im Falle bestimmter Wespenarten bedeute das: einen eigenen Staat gründen.

Vorjahresnester seien zwar teilweise noch intakt, würden aber grundsätzlich nicht neu besiedelt. Ein geeigneter Bauplatz müsse also her. Die Suche nach einem solchen könne allerdings gerade in mehr oder weniger dicht besiedelten Breiten schon mal mit menschlichen Interessen in Konflikt geraten. Aber: „Wir können in den Diskurs mit der Wespe gehen, auch ohne die Chemiekeule zu schwingen, denn Wespen sind sehr lernfähig. Geben wir ihnen also zu verstehen: Nein, mein Rolladenkasten ist keine geeignete Nistfläche für dich! Nein, im Hochsommer möchte ich Pflaumenkuchen und Limo nur sehr ungern mit dir und deinesgleichen teilen!“

„Die Wespen reagieren zu diesem Zeitpunkt noch nicht aggressiv“

Nabu-Tipp: Werden Wespen beobachtet, die immer wieder eine bestimmte Stelle am Haus oder an anderer ungeigneter Stelle anfliegen, bedeute das mit hoher Wahrscheinlichkeit Nestbauaktivität. Findet diese an einem von Menschen häufig frequentiertem Ort statt, zum Beispiel auf, unter oder über der Terrasse, über der Eingangstür oder in anderer direkter Nähe unserer Lebensbereiche, dürfe man in diesem frühen Stadium des Nestbaus durchaus noch stören. Zum Beispiel durch intensives Betätigen des Rolladens, leichtes Besprühen mit Wasser oder auch durch vorsichtiges Entfernen des „Rohbaus“, einer tischtennisballförmigen Nesthülle mit den ersten Waben – allerdings erst, wenn die Königin zum Sammeln von weiterem Nistmaterial und zur Nahrungsaufnahme ausgeflogen ist. „Die Wespen reagieren zu diesem Zeitpunkt noch nicht aggressiv, denn sie haben noch keine Brut, die sie verteidigen müssen“, so Daneke. Alternativ bestehe die präventive Möglichkeit von mechanischen Verschlüssen, beispielsweise Gummischläuchen als Rolladendichtung oder Metallklammern für Lüftungsschlitze in Hauswänden.

Wird die Königin beim ersten Konstruieren, Eierlegen und Larven versorgen weitgehend in Ruhe gelassen, werden laut Danke schon in wenigen Wochen die Nester in ihrer beeindruckenden Architektonik weiter fortgeschritten sein. Fleißige Arbeiterinnen-Wespen würden bei Nestbau und Nahrungssuche die Königin abgelöst haben, die dann ausschließlich für die Eiablage zuständig sei.

Tiere stehen unter Naturschutz

Meist entdecke man ein solches Nest erst später im Sommer, genau dann nämlich, wenn die Arbeiterinnen in großer Zahl ein- und ausfliegen. Für die erwähnte „Verschreckungsmethode“ sei es dann zu spät. „Wespen, gleich welcher Art, stehen unter Naturschutz und dürfen weder bekämpft, noch ihre Nester entfernt werden. Bei der Bekämpfung bestimmter für den Laien nicht immer leicht zu identifizierender Arten drohen gar empfindliche Geldstrafen“, betont Daneke. Wie der Naturschützer erklärt, sind Wespen wichtige Bestandteile eines funktionierenden Ökosystems. Sie sind – ebenso wie Bienen – Bestäuber, sind als Versorger ihrer Brut als fleißige Insektenjäger tätig – und dienen nicht zuletzt auch selbst als Nahrung.

„In den sozialen Medien häufig als ,Arschloch mit Flügeln’ tituliert, ist die Wespe nicht aggressiver als andere Tiere, die das Gefühl haben, ihren Nachwuchs verteidigen zu müssen. Verhalten wir uns angemessen, lässt sich meist einvernehmlich mit- und nebeneinander leben.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Brütende Hitze in Deutschland - Zum Wochenstart Abkühlung

Brütende Hitze in Deutschland - Zum Wochenstart Abkühlung

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Meistgelesene Artikel

Asendorf: Biker (24) prallt gegen Baum – schwer verletzt

Asendorf: Biker (24) prallt gegen Baum – schwer verletzt

Asendorf: Biker (24) prallt gegen Baum – schwer verletzt
Gemeinschaftspraxis Both/Könenkamp eröffnet im Juli in Sulingen

Gemeinschaftspraxis Both/Könenkamp eröffnet im Juli in Sulingen

Gemeinschaftspraxis Both/Könenkamp eröffnet im Juli in Sulingen
Die Filter funktionieren noch –Wiehe-Bad in Bruchhausen-Vilsen gerettet

Die Filter funktionieren noch –Wiehe-Bad in Bruchhausen-Vilsen gerettet

Die Filter funktionieren noch –Wiehe-Bad in Bruchhausen-Vilsen gerettet

Kommentare