Jan Wiznerowicz spielt in Marienkirche

Werke aus 600 Jahren Orgelmusik

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Einen Einblick in 600 Jahre Orgelmusikgeschichte gab Jan Wiznerowicz in der Marienkirche am Freitagabend.

Leeste - Von Angelika Kratz. Seit ihrer aufwendigen Restaurierung steht die Furtwängler-Orgel der Leester Marienkirche im Fokus der Fachleute. Es scheint eine große Freude zu sein, die neu entdeckte und akribisch aufgearbeitete Klangvielfalt eines alten Instrumentes zu neuem Leben zu erwecken.

Bereits im Mai gab es mit dem Organisten Sören Tesch das erste Konzert, dem nun im monatlichen Reigen bis zum Ende des Jahres mit unterschiedlichen Organisten Jan Wiznerowicz am Freitagabend folgte. Mitgebracht hatte der promovierte Elektrotechniker mit dem späteren Ruf zur Kirchenmusik Werke aus 600 Jahren anspruchsvoller Orgelmusik.

Pastor Holger Tietz begrüßte die erfreulich vielen Gäste im Leester „Dom“. Es sei ein großes Glück, den freiberuflichen Organisten und Sänger für ein Konzert gewonnen zu haben. Tietz war sich sicher, dass sich das Programm „tief in die Seele eingraben“ werde.

Bevor Jan Wiznerowicz oben auf der Orgelbank Platz nahm, gab es von ihm einige Erklärung zu den kommenden Stücken, die der 145-Jahre alten Furtwängler-Orgel alle Facetten ihres neuen Klangbildes entlocken sollten.

Den Auftakt bildete Robertsbridge Codex (um 1330) mit „Estampie“, dem ältesten überlieferten Orgelstück. Das sei geschrieben worden, um die Jugend von schlechten Gedanken abzuwenden. Hinsichtlich der ziemlich abgehackten und wenig melodischen Tonfolgen spürte der Zuhörer förmlich den erhobenen moralischen Zeigefinger.

„Soll man nun klatschen oder nicht?“

„Soll man nun klatschen oder nicht?“, fragte sich eine ältere Frauengruppe, und mit einem Kopfschütteln in der Reihe vorab wurde dies eindeutig von einem Fachmann beantwortet. „Erst nach dem Konzert!“, gab es den leisen, diskreten Hinweis, und die ganze Gemeinde hielt sich daran.

Nach Italien ging es drei Jahrhunderte weiter zu Girolamo Frescobaldi und seinem Auszug „Ricercare“ aus „Fiori Musicali“ (1635). „Die fünfte Stimme sei zu singen, aber nicht wann“, hatte der Komponist eine witzige Anweisung dazugeschrieben. Für Leeste war es auf jeden Fall eine angenehme Überraschung, den wunderbaren Bass von Jan Wiznerowicz erleben zu dürfen. Orgel und gleichzeitiger Gesang von einer Person – das wird sicherlich Seltenheitswert in der Marienkirche haben. Die Orgel trillerte, donnerte, fand Zugang zu ihren tiefsten Tönen ohne dass diese störend wummerten. Die Finger des Organisten ließen Georg Muffat und Dieterich Buxtehude mit ihren Kompositionen des 17. Jahrhunderts bis zu Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn-Bartholdy, August Gottfried Ritter und Max Reger den versprochenen Bogen in die heutige Zeit spannen.

„Das war schön“, verkündete die Damengruppe mit einem tiefen Seufzer, ließ aber bei dem letzten Stück von Olivier Messiaen (geschrieben 1932) durchaus leichte Unbehaglichkeiten hören. Die Orgel triumphierte indes über den Zeitgeschmack und gab alles. Jan Wiznerowicz überzeugte mit Spiel und Stimme, und sicherlich wäre es für alle in Leeste eine Freude ihn einmal wieder im „Leester Dom“ begrüßen zu dürfen.

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