Weyher Theater feiert umjubelte Premiere der Komödie „Man(n) zieht blank“

Wenn selbst die letzte Hülle fällt

Das kann sich doch schon sehen lassen: Damit mal wieder Geld in die Kasse kommt, springen die Männer des „Gentleman’s Club“ über ihre Schatten. - Foto: Ehlers

Weyhe - Von Regine Suling. „Es ist 23 Uhr, und St. Pauli erwacht zum Leben“, kündigt Herbert (Hermes Schmid), Chef des „Gentleman’s Club“, überschwänglich an. „Jetzt ist es Zeit für unsere Rita.“ Die indes lässt sich zunächst nicht blicken und schlurft dann in Socken und Bademantel auf die Bühne vor dem golden glitzernden Vorhang. Denn im Club herrscht gähnende Leere, keine Spur von Leben.

Genau das muss sich ändern. Und daher kommt der Titel der Komödie „Man(n) zieht blank“ von Kay Kruppa und Frank Pinkus auch nicht von ungefähr. Der Name ist Programm – und das Ensemble des Weyher Theaters hat am Freitagabend eine umjubelte Premiere seines neuen Stücks auf die Bretter gelegt.

Vorweg: „Man(n) zieht blank“ amüsiert nicht nur und macht Spaß, sondern das Stück ist vor allem eines: äußerst kurzweilig. Dafür sorgen die Profis auf der Bühne, besser könnten die Rollen nicht besetzt sein.

Marco Linke etwa brilliert als schwuler Kellner Nils, vollführt Luftsprünge und lässt an seiner sexuellen Orientierung keinen Zweifel: „Ich war acht, als ich mich in Don Johnson verliebte“, schwärmt er. „Du bist ja auch eine Tucke“, erwidert Kellner Fredo, gespielt von Simon Kase. Der wiederum gibt sich als lässiger Frauentyp, dem es ganz und gar nicht gefällt, dass Nils ihn immer wieder aufs Neue anschmachtet.

Zusammen mit Buchhalter Philip (Marc Gelhart), Hausmeister Benno (Thorsten Hamer) und Barkeeper Alex (Carsten Steuwer) müssen die beiden auf die Bühne, um den Club zu retten. Denn die Kassen sind leer, Gehälter haben alle schon lange nicht mehr erhalten. „Was haltet ihr von einem Männer-Strip?“, schlägt Nils vor, der förmlich darauf brennt, dass seine Kollegen die Hüllen fallen lassen. „Das ist der Untergang“, kommentiert Club-Chef Herbert den Plan, lässt sich dann aber doch davon überzeugen, diese Marktlücke auf St. Pauli zu füllen.

Stripperin Rita (Nathalie Bretschneider) steht fortan hinter der Theke, ihr Ehemann und Hausmeister Benno auf der Bühne. Thorsten Hamer setzt ihn perfekt in Szene, den Benno, der stets in gebückter Haltung unterwegs ist, sich für seinen Bauch schämt und so gar kein Rhythmusgefühl besitzt. Das hat er nur dann, wenn Helene-Fischer-Lieder erklingen. „Ich könnt’ heulen“, jammert Benno immer wieder aufs Neue.

Das Argument, dass Geld in die Kasse fließen muss, überzeugt schließlich nicht nur ihn, sondern alle fünf Männer, auf der Bühne blank zu ziehen. Und es tun sich ungeahnte Talente auf. So wie das von Buchhalter Philip, dem schüchternen Pullunder-Träger, der seine erste Probe mangels Sportklamotten in Feinripp-Unterwäsche absolviert. Im Laufe der Zeit wird er zum Antreiber und lockt aus seinen Mitstreitern ganz neue Kräfte hervor. Er fordert sie auf, dem Publikum zu zeigen, „dass wir nichts lieber tun, als uns das letzte Höschen vom Hintern zu reißen“. Und auch Hausmeister Benno findet zu neuem Selbstbewusstsein, als seine Rita, souverän gespielt von Nathalie Bretschneider, ihm deutlich macht, warum sie ihn so liebt wie er ist.

Grandios besetzt und einfach lustig: Kay Kruppa hat mit „Man(n) zieht blank“ eine Komödie inszeniert, die man sich nur zu gerne anschaut, die ideal ist zum Abschalten und die die männlichen Eitelkeiten aufs Korn nimmt. Und am Ende, ja, da zieht das Quintett auf der Bühne tatsächlich blank.

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